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Ausbeuter des Tages: Aldi

Foto: Peter von Bechen, pixelio.de

Die WDR-Dokumentation beginnt in der Küche einer ganz normalen deutschen Familie. Die Bewohner zeigen, welche Küchenutensilien sie bei Aldi erworben haben: Den Wasserkocher, die Spül-Armaturen, die Brotschneidemaschine, das Küchenradio, den Toaster, die Stuhlkissen, das Notebook, die Tischläufer, und und und… Fast die gesamte Einrichtung hat die Familie beim größten deutschen Discounter gekauft: Aldi.

Vor drei Wochen startete der WDR seine Ratgeber-Reihe Marken-Check. Ikea, das Möbelhaus der Massen, war als erstes dran. Schon dieser Film hatte mächtig Sprengpotenzial, schließlich kritisierten die Macher offen den weltweit größten Möbelhersteller, insbesondere in Sachen Holzherkunft und Fairness. Nun hat sich der WDR einen noch mächtigeren Gegner herausgepickt.

Aldi ist ein Gigant. Aufgeteilt in Aldi Nord und Aldi Süd, gibt es in Deutschland mehr als 4000 Märkte. Der Aldi-Äquator teilt Deutschland in zwei: Nord und Ost gehen an Aldi Nord, Süden und Südwesten an Aldi Süd. Diese Aufteilung besteht sogar für große Teile der Welt: Frankreich gehört zu Nord, USA zu Süd. Weltweit betreibt der Discounter mehr als 9240 Filialen.

Wer geht eigentlich zu Aldi? Jeder!

Der WDR untersucht im Check: Wer geht überhaupt bei Aldi einkaufen? Und welche Produkte gibt es? Was stand vor dem Einkauf auf dem Zettel und was liegt nachher im Wagen? Wie funktioniert das Aldi-Prinzip? Doch der WDR kommt mit seiner Untersuchung nicht richtig zum Zug: Aldi mag keine Journalisten. Keine Drehgenehmigung, keine Interviews, keine Auskünfte von niemandem.

Die Macher werden rigoros abgewiesen: Was will Aldi verstecken? Der WDR holt sich Hilfe bei einem externen Experten: Dieter Brandes. Der ehemalige Aldi-Manager erklärt, wie Aldi arbeitet. «Verführung» lautet die erste Kategorie des Markenchecks. Doch bei Aldi geht es nicht um Verführung, sondern um Einfachheit. Statt einer großen Auswahl gibt es ein bewusst eingeschränktes Angebot – der Kunde soll nehmen, was da ist. Schön aussehen sollen die Aldi-Märkte auch nicht, sondern effizient sein. Deswegen stehen Produkte mitten im Laden auf der Palette, wenig wird ausgeräumt, nichts dekoriert. Zwar werden Kunden verführt, aber durchschnittlich sind 70 Prozent der Aldi-Einkäufe geplant. Zu den eigenen Kunden ist Aldi fair.

Keine Betriebsräte und zu viele Überstunden

Der Aldi-Check untersucht außerdem noch die Aldi-Preise, die Warenqualität und die Fairness. Die Doku hält einiges an Überraschungen bereit, ganz vorne mit dabei: der Markendetektiv Stefan A. Duphorn. Er findet raus, welche Marken hinter den Aldi-No-Name-Produkten stecken. Dann untersucht der Lebensmitteltechnologe Dr. Ulrich Nehring die rausgesuchten Stücke auf ihre Qualität. Ergebnis: Aldi-Qualität ist ordentlich.

Auch interessant: Die Filmemacher gehen mit einer Liste an Grundnahrungsmitteln bei Aldi, Lidl, Edeka und Rewe einkaufen, vergleichen nachher die Ausgaben und kommen auf ein überraschendes Ergebnis. Problematischer als Preise, Verführung und Qualität ist bei Aldi die Fairness. Aldi zahlt den Produzenten oft zu wenig Geld, Betriebe leiden unter dem extremen Preisdruck des Discounters. Aldi produziert Kleidung in Asien oder der Türkei und nutzt die eigenen Verkäufer aus, die oft unbezahlt Überstunden machen müssen, oft keinen Betriebsrat haben und überwacht werden. In Sachen Fairness besteht viel Nachholbedarf.

Der Aldi-Check, Montag, 22. August 2011, 21.00 Uhr, WDR.

Quelle:
Nachrichten
Wirtschaft Nachrichten
«Der Aldi-Check» – Aldi beutet Mitarbeiter aus