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Falschmeldungen über „Integrationen“ der Jobcenter: von BILD über dts zur Berliner Morgenpost

Kurz: Die Meldung „In den ersten Monaten dieses Jahres waren die Bemühungen erfolgreicher: Für rund 22 Prozent wurden Stellen gefunden.“ (Berliner Morgenpost) ist absolut falsch. 

Am 13. August 2013 berichtete die Nachrichtenagentur dts unter der Überschrift „Nur jeder vierte Hartz-IV-Bezieher findet einen Job“: „Nur 23 Prozent der Hartz-IV-Bezieher fanden im vergangenen Jahr einen neuen Arbeitsplatz. Das berichtete die ‚Bild-Zeitung‘ (Dienstagsausgabe) . Damit konnten rund eine Million oder knapp jeder vierte Langzeitarbeitslose auf eine Stelle vermittelt werden. … Von Januar bis Juli 2013 wurde für rund 22 Prozent der Hartz-IV-Empfänger eine neue Stelle gefunden. Die Berliner Morgenpost macht aus dieser Falschmeldung die „noch bessere“ Falschmeldung: „Lediglich 23 Prozent der Hartz-IV-Bezieher haben im vergangenen Jahr einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Wie die ‚Bild‘-Zeitung berichtete, konnten damit rund eine Million Langzeitarbeitslose auf eine Stelle vermittelt werden. …

In den ersten Monaten dieses Jahres waren die Bemühungen erfolgreicher: Für rund 22 Prozent wurden Stellen gefunden.. Diese auch von anderen Medien verbreiteten Meldungen stellen die Entwicklung der Zahl der im Rahmen des Kennzahlenvergleichs der Jobcenter (§ 48a SGB II) ermittelten sogenannten „Integrationen“ und (darunter) der „Integrationen“ in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (ohne Ausbildung und ohne öffentlich geförderte Beschäftigung) auf den Kopf. Und: Was sich hinter der Zahl der „Integrationen“ von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (Arbeitslosengeld II) verbirgt, scheint den Produzenten dieser Meldungen vollkommen unbekannt zu sein. Fragen werden keine gestellt und das Kleingedruckte zu den Kennzahlen, Ergänzungsgrößen und deren Grunddaten wird nicht zur Kenntnis genommen.

Die folgende Warnung aus der Detailbeschreibung der „Kennzahl 2 – Integrationsquote“ (K2) wurde von BILD, der Nachrichtenagentur dts, der Berliner Morgenpost und anderen übersehen und/oder verheimlicht – und/oder es wurde nicht danach gefragt: „Für jeden erwerbsfähigen Leistungsberechtigten kann pro Bezugsmonat eine Integration gezählt werden. Deshalb ist es denkbar, dass – statistisch betrachtet – ein und dieselbe Person bis zu zwölf Mal pro Jahr in ein Beschäftigungsverhältnis integriert wird. Die Kennzahl gibt also nicht wieder, wie viele verschiedene Personen im vergangenen Jahr in ein Beschäftigungsverhältnis integriert wurden, sondern die Anzahl der Integrationen bezogen auf den durchschnittlichen Bestand an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten.“

Auf wie viele arbeitslose und nicht arbeitslose erwerbsfähige Leistungsberechtigte sich die 972.715 sogenannten Integrationen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (ohne Ausbildung und ohne öffentlich geförderte Beschäftigung) von 1.129.916 „Integrationen“ insgesamt (einschließlich Ausbildung und selbstständige Tätigkeit) in 2012 verteilen ist unbekannt bzw. bisher unveröffentlicht.

Und: Ein Blick auf die bisher vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichten Daten zeigt, dass der Eindruck (dts) und die Behauptung der Berliner Morgenpost, vom Januar bis Juli 2013 seien nahezu genau so viele „Integrationen“ erfolgt wie im gesamten Jahr 2012, dürfte kaum zutreffen. In den ersten vier Monaten des Jahres 2013

– die Daten für Mai, Juni und Juli 2013 werden erst Mitte September, Mitte Oktober bzw. Mitte November 2013 veröffentlicht – wurden von der Statistik der Bundesagentur für Arbeit für das BMAS insgesamt 264.329 „Integrationen“ in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (ohne Ausbildung und ohne öffentlich geförderte Beschäftigung) ermittelt. Dies waren deutlich weniger als die 302.478 „Integrationen“ in den ersten vier Monaten des Vorjahres 2012 . (vgl. Tabelle, Spalte 4) Die Zahl der im Verlauf von 12 Monaten erfolgten „Integrationen“ in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (ohne Ausbildung und ohne öffentlich geförderte Beschäftigung) sank von 972.715 im Jahr 2012 auf 934.566 im Zwölfmonatszeitraum von Mai 2012 bis April 2013. (vgl. Tabelle, Spalte 6) Die rechnerische “Integrationsquote” ohne “Integrationen” in Ausbildung und selbstständige Tätigkeit (K2_SVB) sank von 21,9 Prozent in 2012 (K2: 25,4 Prozent) auf 21,1 Prozent im Zwölfmonatszeitraum (!) Mai 2012 bis April 2013 (K2: 24,6 Prozent).

Kurz: Die Meldung „In den ersten Monaten dieses Jahres waren die Bemühungen erfolgreicher: Für rund 22 Prozent wurden Stellen gefunden.“ (Berliner Morgenpost) ist absolut falsch.

Pressemeldung des Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ)