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Radsport!?

Foto: P. Kirchhoff / Pixelio

Von Martin L.

Wer die einstigen Siege der angeknacksten Radsportlegende Jan Ullrich miterlebt hat weiß wie faszinierend diese Sportart einst war. Wir haben ihn leiden und triumphieren sehen. Wir haben mitgelitten als er einen für jeden Zuschauer zuvor gänzlich unbekannten Hungerast zu erleiden hatte und Minute um Minute verlor. Wir haben seinen glasigen Kulleraugen sowie seinen glaubwürdig erscheinenden Unschuldsbeteuerungen nicht widerstehen können und glaubten bis zum Schluss an seine Unschuld. Der Radsport ist eine der beeindruckendsten Sportarten der Welt. Das ist bzw. war unumstritten. Die Hitzeschlachten auf den Mont Ventoux mit seinen zum Teil 10,8 prozentigem Anstieg sowie die legendären Regenetappen auf den steilsten Anstiegen der Pyrenäen. Die Stürze waren genauso Bestandteil wie das Taktieren im Sekundenbruchteil, wenn durch die mannschaftliche Taktik Ausreißer regelrecht auf dem Zielstrich noch überholt wurden. Stundenlang ließ sich auf ARD und ZDF im stetigen Wechsel das Treiben beobachten und wir konnten immer wieder erfahren, dass Jan Ullrich in jeder neuen Saison die beste Form zu haben schien. Dies reichte dann auch in der Regel, Ausnahme im Jahre 1997, für den gepachteten zweiten Platz. Es war wieder und wieder einer besser als unsere Ikone aus dem Osten. Der Amerikaner, nachweislich wohl bei jeder seiner Tourerfolge gedopt, übertrumpfte unser Ass immer und immer wieder. Das damalige Motto bei der Medikamentenwahl hieß, dass Hodenkrebs (Lance Armstrong) Asthma (Jan Ullrich) zwangsläufig schlagen musste. Diese Epoche besiegelte den Untergang des Radsportes zumindest in einigen Regionen der Erde. Nicht so in Südeuropa. Es ist unverständlich mit welchem Elan dort die Anhänger den Fahrern begeistert das Wasser ins Gesicht schütten, wenn diese erschöpft zu sein scheinen, ihnen mit vollkommener Hingabe auf die Berge versuchen zu folgen und Tage vor den jeweiligen Etappen in der Eiseskälte der Berge auf ihre Idole warten.

Längst ist diese so imposante Sportart zu einer rollenden Apotheke auf zwei ziemlich dünnen Rädern verkommen. Spätestens nach der Auflösung des letzten von einem Sprudelwasserunternehmen gesponserten deutschen Teams ist das Interesse in Deutschland auf dem Nullpunkt. Ohnehin stellt sich die Frage, weshalb diverse Multiunternehmen Teams besitzen und nicht das jeweilige Land Nationalmannschaften aufstellen kann. Allerdings ist dies in der freien Marktwirtschaft nicht anders vereinbar. Daher weiter mit dem morbiden Sumpf des Sportes. Ehemalige gedopte Sieger, die Teams managen, Schutzsperren und zu meinem Lieblingsthema Alberto Contador, der aktuell beste seiner Zunft. Dieser Radprofi, der bereits zum zweiten Mal nachweislich gedopt hat führt beim Giro d´italia mit knapp sechs Minuten und wird auch zukünftig alle weiteren bedeutenden Rennen gewinnen können. Es sieht aus als ob er auf Schienen die Berge hinauf gleitet. Dabei ist bei ihm kein Leiden zu erkennen. Ich will nicht den Anschein erwecken, dass es mir Freude bereitet Menschen leiden zu sehen, allerdings möchte ich zumindest Schweißperlen auf der Stirn erkennen.

Damit mag ich den Rest des Feldes nicht in Schutz nehmen, aber zumindest lassen sich hier andeutungsweise gequälte Gesichter erkennen. Mein Vorschlag wäre den Radsport für einige Jahre auszusetzen und von vorne wieder anzufangen. Sollte dies erwartungsgemäß nicht geschehen heißt es fortan stets die letzten anzufeuern. Zumindest gibt es dabei höhere Chancen ehrliche Athleten zu bewundern. Oder man hält es wie ich. Ich fahre selber Fahrrad, was wesentlich gesünder ist.