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Anonym im Web 2.0 – Freiheit oder Feigheit?

Web20en, Quelle: wikipedia

Derzeit toben im Internet zwei Debatten, die oberflächlich betrachtet nichts miteinander zu tun haben, nämlich die um den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck und die um die Freiheit des Internets. Beide Debatten haben aber gemeinsam, dass es um das Grundverständnis unser aller im Umgang mit unserer Demokratie geht. Wir leben in einem Staat, wo das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gilt, solange niemand anderes verletzt oder persönlich beleidigt wird. Die Presse- und Medienfreiheit ist eines unserer höchsten Verfassungsgüter und daher bin ich für die Freiheit des Internets, als neue, direkte Möglichkeit des direkten Austauschs auch zu politischen Fragen unter gleichberechtigten Menschen.

Ich werde aber nie verstehen, warum Leute in einer freien Demokratie, bei politischen Meinungsäußerungen meinen, sich hinter der Anonymität des Internets mit Tarnnamen oder sogenannten “Nicknames” verbergen zu müssen.

Das halte ich für eine persönliche Schwäche der Leute, welche meinen, ihren Senf unter Tarnnamen ins Internet stellen zu müssen. Ich halte ein solches Verhalten für pure Feigheit und vor allem Dummheit. In unserem Staat darf jeder seine Meinung frei und offen äußern, niemand braucht Angst zu haben, wegen seiner Meinung verhaftet zu werden, es sei denn, er ruft zu Terror gegen unsere Demokratie öffentlich auf. Eine Demokratie sollte auch wehrhaft gegen ihre Feinde, wie z.B. Neonazis und andere Hassprediger sein, da hört bei mir der Spaß auf.

Anfang der achtziger Jahre war ich Finanzreferent des ASTA (Allgemeiner Studentenausschuss) der Pädagogischen Hochschule Köln, wir waren ein Bündnis ASTA, aus verschiedenen linken Gruppierungen und ich habe dort viel über politische Strukturen lernen dürfen.

Da gab es die ganz Linken, die am liebsten Morgen die Weltrevolution ausgerufen hätten, die Mittellinken, die den Marsch durch die Institutionen gehen wollten und die eher biederen Linken, die alles ganz sanft und friedlich im Konsens mit allen Anderen ändern wollten. Was die Meisten von Ihnen gemeinsam hatten: Intern im ASTA rissen sie riesengroß die Klappe auf, aber wenn es um die Veröffentlichung der Inhalte ging, die wir alle  mehrheitlich beschlossen worden hatten, da muss nämlich auch auf Flugblättern, wie in allen anderen Medien, auch Zeitungen und Fernsehsendern immer eine Person im Sinne des sog. “V.i.S,d.P” (Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes), den eigenen Namen und die Anschrift angeben, dann kniffen die Meisten. Meist blieb es dann an mir hängen, mein Name erschien dann mit Adresse als V.i.S.d.P, damit hatte ich noch nie Probleme.

Groß die Klappe aufreißen, nach mehr Demokratie schreien, aber nicht einmal in der Lage sein, die Freiräume, welche uns diese Demokratie bietet aktiv nutzen, aber gleichzeitig nach mehr Demokratie schreien? Welch ein Widerspruch in sich, welch eine Absurdität. Mehr Demokratie fordern, mehr Bürgerbeteiligung, aber im Internet nennt man sich bei solchen Forderungen dann z.B. “Häschen 79” oder “Dumpfbacke 012” bei politischen Beiträgen in Internetforen und Internetzeitungen?

Und das ärgert mich im Moment in der Diskussion um  Herrn Gauck, Man kann Herrn Gauck kritisieren, tue ich auch, aber mit Argumenten, welche ich belegen kann und welche ich unter meinem richtigen Namen veröffentliche, damit andere InternetuserInnen nachvollziehen können, wer da schreibt.

Ich schreibe weder bei unseren heimischen Oberbergischen Medien anonym, noch irgendwo anders, z.b. im Internet, wobei die Druckpresse eh keine anonymen Äußerungen veröffentlicht. Und wer so doof ist, dass er meint, man könne ihm nur durch die Tarnung mit einem Nicknamen im Internet nicht auf die Schliche kommen, der sollte die Finger vom Internet lassen.

Zu meiner Meinung stehe ich, jeder kann über meinem Namen rausfinden, wer da schreibt und als Demokrat stelle ich mich jeder sachlichen Diskussion.

Ich habe übrigens in vielen Jahren, nicht einziges Mal böse Privatpost oder ähnliches wg. meiner veröffentlichten Meinung bekommen und selbst wenn das mal passieren sollte, so würde ich trotzdem weiter unter meinem richtigen Namen schreiben, denn wer schon zu feige ist, mit seinem richtigen Namen öffentlich zu seiner Meinung zu stehen, wird bei anderen politischen Verhältnissen erst recht kuschen.

Anonym im Internet rumzumachen hat für mich nichts mit Internetfreiheit zu tun, sondern mit der Feigheit vieler, nicht öffentlich zu ihrer Meinung zu stehen. So deutlich und klar ist meine Meinung zu diesem Thema.

Anonyme Namen machen für mich im Internet nur Sinn, wenn z.B. ein Suchtkranker in einem Forum für Suchtkranke schreibt und bei ähnlich sensiblen Themen, wie wie z.B. Foren von Eltern autistischer Kinder, sehr privaten Diskussionsforen etc.!

Mit Verlaub, ich halte Leute, die sich nicht trauen, öffentlich im Internet mit vollem Namen zu Ihrer Meinung zu stehen und sich hinter sogenannten Nicknames verbergen, wie z.B. “Stoffelchen SO”, für plemplem, denn wer sich im Internet auskennt, kann mit wenigen Mausklicks herausfinden, von welchem PC welche Meinungsäußerung in das Web 2.0 gestellt wurde und dann sind es nur ein paar Klicks und man hat den Namen des Inhabers des PC. Geht alles auf ganz legalem Weg, wenn man weiß wie.

Internet und anonym? Ein Widerspruch in sich! Deswegen sage ich: Zu meinen man könne “Anonym” im Web 2.0  surfen und schreiben, ist entweder Dummheit, oder Feigheit!

Anmerkung des Verfassers: Diesen Beitrag gebe ich auch unter CC- Licenses frei, wenn meine Eigenschaft als Autor Dieter Carstensen deutlich erwähnt wird, sowie eine Verlinkung zu meiner Homepage http://www.dieter-carstensen-waldbroel-nrw.homepage.t-online.de/ erfolgt.