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50 Jahre Mauerbau: „DANKE“ JUNGE WELT

Zur Titelseite und Beilage der Jungen Welt am 13.8.2011

von Anne Seeck

Den absoluten Höhepunkt vollbrachte die Junge Welt am 13. August zum 50.Jahrestag des Mauerbaus.

Die Schlagzeile mit einem großen Danke ist illustriert mit einem Bild einer DDR-Betriebskampfgruppe, die am 13. August 1961 mit der Waffe in der Hand den Bau der Mauer absicherten.

Darunter:

Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke

für 28 Jahre Friedenssicherung in Europa

für 28 Jahre ohne Beteiligung deutscher Soldaten an Kriegseinsätzen

für 28 Jahre ohne Hartz IV und Erwerbslosigkeit

für 28 Jahre ohne Obdachlosigkeit, Suppenküchen und »Tafeln«

für 28 Jahre Versorgung mit Krippen- und Kindergartenplätzen

für 28 Jahre ohne Neonaziplakate »GAS geben« in der deutschen Hauptstadt

für 28 Jahre Geschichtswissenschaft statt Guidoknoppgeschichtchen

für 28 Jahre Club Cola und FKK

für 28 Jahre ohne Hedgefonds und Private-Equity-Heuschrecken

für 28 Jahre ohne Praxisgebühr und Zwei-Klassen-Medizin

für 28 Jahre Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe

für 28 Jahre munteren Sex ohne »Feuchtgebiete« und Bild-Fachwissen

für 28 Jahre Bildung für alle

Siehe: http://www.jungewelt.de/2011/08-13/069.php

Wie sagte doch Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ 50 Jahre nach dem Mauerbau und 21 Jahre nach dem Mauerfall fühlt sich die Stalino-Fraktion wieder stark und wartet mit solch einer Provokation auf, ein Faustschlag gegen alle, die in der DDR unter der Mauer gelitten haben.

Auch wenn es in diesen Tagen viele nicht mehr hören können, die Mauer war menschenverachtend, das kann nicht oft genug betont werden. Es gibt für eine Mauer, mit der ein Staat seine eigene Bevölkerung einsperrt, keine Rechtfertigung.

Nie werde ich den 9. November 1989 vergessen, den ich selbst auf der Oberbaumbrücke zwischen Friedrichshain (Ostberlin, wo ich wohnte) und Kreuzberg (Westberlin, wo meine geflüchteten Freunde lebten) erlebt habe. Das Lachen und Weinen der Menschen, die geglaubt hatten, inmitten der Mauern sterben zu müssen. Noch 1989 hatte Honecker gesagt, dass die Mauer 100 Jahre stehen wird. Die Mauer ist das Trauma vieler DDR-Bürger und auch Westberliner. Linke, die die Mauer rechtfertigen und sich noch für den Mauerbau bedanken, haben ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Kein Mensch, der für Emanzipation ist, wird ihnen glauben, dass sie eine menschenwürdige Welt wollen. Kein Volk will eingesperrt werden, als Versuchskaninchen in einem Käfig mißbraucht werden, vor dem es kein Entfliehen gibt. Eine herrschaftsfreie Gesellschaft entsteht nur ohne Zwang, auf freiwilliger Basis, in der sich die Menschen selbst ermächtigen. Es bedarf vieler, die sich vernetzen und Experimente wagen, nicht am Schreibtisch Einzelner entworfen, sondern im Alltag vieler erprobt.

Was die Junge Welt praktiziert, sowohl in der DDR bis heute, ist einfach nur platt, nach der Devise „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ In Sachen Geschichte des Realsozialismus, heutiger Sozialismus a la Cuba, Antisemistismus a la DDR, heutige Symphatien mit Diktatoren wie im Iran, Libyen etc. ist die Junge Welt einfach nur unglaubwürdig oder gar menschenverachtend. Natürlich gibt es in der Jungen Welt auch viele Autoren (z.B. zu sozialen Themen), die eine gute Berichterstattung machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die solch eine Titelseite gutheißen. Es ergibt sich ein differenziertes Bild, wenn man die JW liest. Die Graswurzelrevolution schreibt 2006: „Die jW bietet einerseits einer bestimmten Strömung des rückwärtsgewandten Staatssozialismus ein bevorzugtes Forum, andererseits schafft es die Zeitung aber auch, darüber hinausgehende Kreise anzusprechen.“

Hört auf mit den Geschichtsmythen in der Jungen Welt!!!!

Die JW: „Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke

für 28 Jahre Friedenssicherung in Europa

für 28 Jahre ohne Beteiligung deutscher Soldaten an Kriegseinsätzen“

In einem Leserbrief schreibt jemand: „… in einer durch und durch militarisierten Gesellschaft, die kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung kennt, deren führende Partei dafür aber den Einsatz des Militärs gegen das eigene Volk mehrfach guthieß.“

Der Wehrkundeunterricht fand ab dem 1. September 1978 Einzug in die Lehrpläne der 9. und 10. Klassen der POS. Das geschah also ausgerechnet am „Tag des Friedens“, dem Jahrestag des Beginns des 2. Weltkriegs, der regelmäßig mit dem Beginn des Schuljahres zusammenfiel. Dieses Datum zählte aus historischer/kritischer Sicht zu den markantesten Eckpunkten der Militarisierung der DDR-Gesellschaft. Ab Mai 1981 gab es solchen „Unterricht in Fragen der sozialistischen Landesverteidigung“ auch in den 11. Klassen der EOS. Die Militarisierung der Gesellschaft war auch durch die Fahnenappelle, Pionier- und FDJ-Uniformen, Urkunden, Medaillen, Fakelumzüge (!) der FDJ, Militärparaden etc. sichtbar.

JW: „für 28 Jahre ohne Hartz IV und Erwerbslosigkeit

für 28 Jahre ohne Obdachlosigkeit, Suppenküchen und »Tafeln«“

In einer Gesellschaft, in der es eine Arbeitspflicht gab. Wer nicht arbeitete, konnte in der DDR wegen Asozialität bis zu zwei Jahre eingesperrt werden. Es gab in der DDR keine Sozialleistungen für Arbeitsfähige gab (also nicht mal Hartz IV), dafür aber eine ganze Menge Scheißjobs, wo meistens Pünktlichkeit gefragt war, aber nichts zu tun war (was für eine Verschwendung an Lebenszeit). Die verdeckte Arbeitslosigkeit war hoch. Die DDR war eine halbfordistische Gesellschaft, ohne Massenkonsum.

Zudem kündigte sich eine große Wohnungsnot an, da brauchte man sich nur die verfallenen Innenstädte der DDR ansehen. Während die Altbausubstanz verfiel, wurde die Platte (Arbeiterschließfach) am Stadtrand gebaut, da wo heute keiner hin will. Die staatliche Wohnraumlenkung war ein schwerfälliger Apparat und Wohnungen erhielten vor allem junge Kleinfamilien, WG`s Fehlanzeige. Junge Leute besetzten daher massenhaft Wohnraum, die einzige Chance, überhaupt an Wohnraum zu kommen.

Die Lebenshaltungskosten waren gering, die Subventionierung führte aber zur Verschwendung (z.B. Brot, Strom) und schließlich konnte die Wirtschaftsleistung diesen Aufwand nicht mehr decken. Die DDR-Bürger lebten über ihren Verhältnissen, obwohl der Durchschnittslebensstandard im Westen viel höher war, denn es herrschte andererseits in vielen Bereichen Mangel (z.B. bei technischen Gütern, die überteuert waren).

JW“ für 28 Jahre Versorgung mit Krippen- und Kindergartenplätzen

für 28 Jahre Bildung für alle“

Gerade das Erziehungs- und Bildungssystem war hoch ideologisiert. Alles war staatlich organisiert. Es gab es in der DDR keine alternativen selbstverwalteten Kinder- und Schülerläden und auch keine Internationalität in solchen Läden wie in Kreuzberg.

In einem Leserbrief heißt es: Bildung für alle „… bis Klasse 9 oder 10. Danach nur für eine Minderheit und für Nonkonforme gar nicht.“

Es gab Bildungsunterschiede, in den 80er Jahren konnten kaum Arbeiterkinder studieren, sondern hauptsächlich Akademiker- und Funktionärskinder, die auch nach 1989 viel bessere Chancen auf berufliche Karrieren hatten.

JW:“für 28 Jahre ohne Neonaziplakate »GAS geben« in der deutschen Hauptstadt“

In einem Leserbrief: „… dafür mit von oben verordneter Propaganda überall und einem Staat, der Menschen vorschrieb, was sie lesen durften und was nicht.“ Die DDR war ein Land, indem es kaum Ausländer (heute Migranten) gab, die Staatsführung redete aber ständig von Internationalismus, förderte aber gleichzeitig Fremdenfeindlichkeit, was sich nach 1990 bewies. Auch in der DDR gab es Rechtsextremismus, was mit dem Nazi-Überfall auf die Zionskirche öffentlich wurde. Nach dem NS-System waren auch weiterhin NSDAP- Mitglieder in der DDR tätig, so der oberste Sportfunktionär Manfred Ewald und vor allem Ärzte und Psychiater. Die Nazi-Mitläufer wurden von ihrer Schuld freigesprochen, weil sie ja in einem „antifaschistischen Staat“ lebten.

JW: „für 28 Jahre Geschichtswissenschaft statt Guidoknoppgeschichtchen“

In einem Leserbrief: „… Neben Guido Knopp gibt es tausende ernst zunehmende Historiker, die nicht Parteibeschlüsse befolgen müssen, um forschen zu dürfen.“ In der DDR wurde man mit Versatzstücken der ML-Phraseologie dauerberieselt, im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen und auch (Geschichts-) Büchern. Das war unerträglich und bewirkte, dass die Menschen zwischen einer öffentlichen und privaten Sprache unterschieden.

JW:“für 28 Jahre ohne Hedgefonds und Private-Equity-Heuschrecken“

Die Alu-Chips waren für die natürlich nicht attraktiv, wie auch nicht für den Drogenmarkt etc. Die DDR war eine Zwei-Klassengesellschaft, die sich in Westgeld-Besitzer und Nicht-Westgeldbesitzer unterschied.

JW:“für 28 Jahre ohne Praxisgebühr und Zwei-Klassen-Medizin“

Mit einer schlechten technischen Ausstattung im Gesundheitssystem, wer dort z.B. Zahnärzte erlebt hat. Zudem war die Lebenserwartung geringer als im Westen. Der Alkoholkonsum gehörte weltweit zu den höchsten.

JW“für 28 Jahre Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe“

Lieber Stasigefängnis, als Museum? Menschenverachtender geht es nicht.

JW:“für 28 Jahre Club Cola und FKK

für 28 Jahre munteren Sex ohne »Feuchtgebiete« und Bild-Fachwissen“

In einem Leserbrief „… nebst dem munter-sexy Walter Ulbricht, der nur leider kein „Yeh Yeh Yeh“ mochte.“

Auch „FKK“ und „munterer Sex“ machten die DDR nicht weniger spießig, in der Nonkonforme massenhaft in Knästen landeten, ob Gammler oder Punks. Außerdem wurde in der DDR die Bevölkerungspolitik großgeschrieben. Es herrschte das Modell der Kleinfamilie, die Jugendphase sollte schnell übersprungen werden. Es wurde früh geheirat, frühe Elternschaft und frühe Erwerbstätigkeit.

Die Frauen sollten Kinder zeugen und arbeiten, die Doppelbelastung nannte sich dann Emanzipation.

Aus JW- Leserbriefen zu dem Titelblatt:

„Jetzt ist bei euch intellektuell endgültig Ende Gelände, oder? Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe. Aha. Man muss die Aussagen von Knabe nicht teilen, aber das ist bodenlos menschenverachtend. Eine fette Entschuldigung, die Verantwortlichen rausschmeißen, das ist jetzt das Mindeste. Aber das wird nichts daran ändern, dass man ein wirkliches sozialistisches Projekt nur ohne euch hinkriegt. Stalinisten-Verherrlicher: abtreten.“

„Ich schwanke zwischen makaber und dumm, mir drängen dazu sich zwei Sprüche von Honecker auf, der am 14.8.1989 zunächst ein über 90 Jahre altes sozialdemokratisches Lied zitierte: „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf“ und danach sich noch steigerte: „denen, die unser Land verlassen wollen, weinen wir keine Träne nach“.

Bei beiden Sprüchen galt Honecker als schwerkrank.

Die Autoren dieser Dummheit erfreuen sich überwiegend bester Gesundheit bzw. völlig sicherer SED-Rente durch die kapitalistische Allianz-Versicherung.“

„Hier gilt es wahrlich zu „danken“:

– für die Erziehung der Bevölkerung zu Spitzeldiensten untereinander

– für die Bankrotterklärung eines Staates, indem er seine eigenen Bürger einsperren muss.

– für die noch größere Bankrotterklärung eines Staates, der auf seine Bürger schießen lässt…

– das die Lügen der Vergangenheit noch heute wirken, da einige Unbelehrbare glauben dieser widerliche Unrechtsstaat war das Paradies. (z.B. die hiesige Redaktion)“

„Man kann nur hoffen, dass der Artikel als Satire gedacht ist.“

„Danke für die wohl hirnverbrannteste Überschrift einer deutschen Zeitung seit Jahrzehnten! Da kommt nicht einmal die Springer-Presse so leicht hinterher. Oder war das ein Versuch, den Westen „zu überholen, ohne ihn einzuholen“, wie ein führender Mauerschütze im Geiste es einst ausdrückte? Wenn so etwas in der „Titanic“ steht oder einer anderen bekennenden Satirezeitschrift – gut, schwarzer Humor, regt zum Nachdenken an. In einer sich selbst seriös nennenden Zeitung ist es aber nur pervers. Warum feiert ihr nicht gleich den Gulag?“

„Es fällt auf, das die Beschützer vor dem Brandenburger Tor in Richtung DDR-Heimat blicken. Zum Glück haben die Imperialisten Ihnen nicht von hinten in den Rücken geschossen.“

„Ernsthaft: Mit diesem „Danke“ hat sich die Junge Welt komplett aus der Realität verabschiedet! Inakzeptabel!“

“ Danke für Was? Ah, ja – so ist das also! Politischem Schwachsinn Lob zu zollen. Nun da sind wohl auch ewig Gestrige in der Redaktion mal wieder unreflektiert in Erscheinung getreten und feiern den DDR-Limes. Ist doch alles Blödsinn! Oder?“

„Das ist offenbar das Ergebnis, wenn sich Stalinisten in Satire versuchen. Aber die DDR war ja bekanntermaßen auch kein Hort des anspruchsvollen Humors.“

„Schönen Dank auch! Da habt ihr ja die geschichtsvergessenste Seite 1 in der Geschichte dieser Zeitung gemacht. Die DDR hat also vor 1961 all diese Ruhmestaten nicht vollbracht? Schönen Dank auch, dass ihr Guido Knopp so locker unterbieten konntet.“

„So wie die Masse der Medien ein einseitiges Bild und ein Pauschalurteil abgibt, so reagiert die JW spiegelverkehrt einseitig und pauschal.“

„Das Recht auf freie Meinungsäußerung beinhaltet auch das Recht, einen Artikel zu drucken, in dem die Mauer verherrlicht wird.

Das ist einer der wesentlichen Unterschiede zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Wer sich in der DDR regimekritisch geäußert hat, ist in Hohenschönhausen gelandet und wäre froh gewesen, dort Hubertus Knabe zu begegnen.“

 

„Dieser Titel ist so furchtbar zynisch und muss für die Opfer des DDR Regimes (ja, die gibt es!!) unerträglich sein.“

„Man muss schon ziemlich enge Scheuklappen aufhaben, um sich für die Mauer bedanken zu können!

Ich bin froh, dass meine Eltern mit mir in den Westen geflohen sind, kann ich doch hier das tun, wofür ich in der DDR bestraft worden wäre: gegen das System kämpfen! Der so genannte Sozialismus war doch nichts anderes als Staatskapitalismus.

Und: Ich habe nie verstehen können, wie man der Meinung sein kann, das bessere System zu haben, wenn man die Leute mit dem Gewehr zum Mitmachen zwingen muss!“

„Diese Titelseite ist  rückwärtsgewandte Geschichtsverklärung, einige Thesen gar menschenverachtend und ein Hohn für die, die unter Unrecht in der DDR gelitten haben. Sie ist nebenbei ein Bärendienst für linke Positionen. Die berechtigten Anliegen nach einer sozialen, freiheitlichen und demokratischen Welt kann man so sehr einfach mit einem Verweis auf die ewig Gestrigen in den Reihen niederbügeln – ohne sich inhaltlich mit den Forderungen auseinandersetzen zu müssen.“

„Völlig heruntergekommen. Ich sage auch, allerdings von Herzen, Danke, dass Gorbi kam und dem absurden Spuk ein Ende gemacht hat! Ich kann mir kaum ein größeres Maß an Heruntergekommenheit vorstellen, als sich ins Gefängnis zurückzuwünschen.“

„Es ist ja nett, die üblichen Siegesparaden des westdeutschen Revanchismus an Daten wie dem 17.6., 13.8., 3.10. oder 9.11. zu konterkarieren. Mit eurem Danke an 28 Jahre Mauer liefert ihr leider nur ein offene Flanke für den Vorwurf „DDR-Nostalgie“. Die Westlinke weiß aber, warum sie nie „rübergemacht“ hat. Die Arbeitsbedingungen bei Leuna und anderen Volkskombinaten war nun mal nicht attraktiver als in den kapitalistischen Taylorfabriken.“

„Leute, Leute. Was für weltfremde Leute haben denn das entworfen? „Bildung für alle“? – Ja, aber nur bis zur 10.Klasse – dann höchstens 3 Abiplätze pro Klasse gesiebt nach ideologischer Standfestigkeit. „Keine Hedgefonds“ – die wollten wahrscheinlich keine Ostmark…“Danke für Hohenschönhausen“? – besteht Eure Leserschaft nur noch aus Stasi-Rentnern?“

Die JW- Beilage am 13.8.2011- 50 Jahre Mauerbau

 

Die Begründung für den Mauerbau ist immer wieder die Friedenssicherung.

In der Beilage der Jungen Welt vom 13.8. zieht Hein Friedriszik Bilanz, der am 13.8.1961 für den Grenzabschnitt in Berlin zwischen Reichstag und Treptow verantwortlich war:

„Das wichtigste Resultat war, daß es nicht zum Krieg in Europa kam. Den gibt es seit 1990 wieder auf dem Kontinent, und ich bin auch deswegen der Überzeugung, daß unsere Maßnahmen am 13. August mit zu der längsten europäischen Friedensperiode beigetragen haben. Ich weiß, daß die Propaganda über den sogenannten Mauerbau und zur Verteufelung der DDR seit Jahrzehnten auf Hochtouren läuft und damit davon abgelenkt werden soll, daß der Frieden damals auf des Messers Schneide stand. Mich beeindruckt das wenig.“

 

Ein weiterer Artikel in der Beilage:

„Am 3. August meldete die Berliner Zeitung auf Seite eins: »Jahre nach dem Mauerbau sind noch immer viele Berliner der Ansicht, daß die Teilung der Stadt damals richtig war. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung stimmten dieser Sichtweise zehn Prozent der Berliner ›voll und ganz‹ zu, weitere 25 Prozent ›teilweise‹.« Eine andere Erhebung, von SuperIllu veranstaltet, erbrachte laut Vorabmeldung vom 2. August, daß in Ostdeutschland 20 Prozent der Befragten Verständnis für die Maßnahme der DDR-Führung zeigen.“ Bei westlichen Historikern sei die Eppelmann-Doktrin die Grundlage. Dagegen so die JW „Ostdeutsche Autoren unterliegen der Gefahr, Historie in dieser Weise als Entpolitisierung von gewesener Politik zu betreiben, selten. Der Verteidigungsminister der DDR, Heinz Keßler, und der Chef des Hauptstabes der NVA, Fritz Streletz, machen das in ihrem Buch »Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben« ebenso deutlich wie der langjährige Mitarbeiter Walter Ulbrichts Herbert Graf in seinem Band »Interessen und Intrigen: Wer spaltete Deutschland? Ein Exkurs über internationale Beziehungen«. Keßler und Streletz konzentrieren sich auf die militärische und politische Konfrontation zwischen beiden deutschen Staaten seit der Spaltung des Landes durch die Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen 1948 und die Wiederbewaffnung der BRD. Sie beleuchten die militärischen Planungen im Westen seit 1945, an deren Ausrichtung nach Osten sich im übrigen bis heute nichts geändert hat. Aus dieser strategischen Sicht kommen sie zu dem Schluß: »Die Maßnahmen am 13. August 1961 (…) waren militärisch notwendig und politisch erforderlich.« “

Der DDR-Schriftsteller Stephan Hermlin am 17.8.1961 in einem Brief an Günter Grass

Das Unrecht vom 13.August? Von welchem Unrecht sprechen Sie? Wenn ich Ihre Zeitungen lese und Ihre Sender höre, könnte man glauben, es sei vor vier Tagen eine große Stadt durch eine Gewalttat in zwei Teile auseinandergefallen. Da ich aber ein ziemlich gutes Gedächtnis habe und seit vierzehn Jahren wieder in dieser Stadt lebe, erinnere ich mich, seit Mitte 1948 in einer gespaltenen Stadt gelebt zu haben, einer Stadt mit zwei Währungen, zwei Bürgermeistern, zwei Stadtverwaltungen, zweierlei Art von Polizei, zwei Gesellschaftssystemen, in einer Stadt, die beherrscht (wird) von zwei einander diametral entgegengesetzten Konzeptionen des Lebens. Die Spaltung Berlins begann Mitte 1948 mit der bekannten Währungsreform. Was am 13.August erfolgte, war ein logischer Schritt in einer Entwicklung, die nicht von dieser Seite der Stadt eingeleitet wurde.“ Im Internet: www.chronik-der-mauer.de

 

Der wichtigste Grund des Mauerbaus, nämlich die Fluchtbewegung, findet sich nur hier in der Beilage:

Zur Situation vor dem 13.8.1961: „Von einer Überlegenheit des Sozialismus war im Alltag für viele zu wenig zu spüren, weder beim materiellen Wohlstand noch bei den individuellen Freiheitsrechten. Immer mehr Menschen verließen die DDR.“ (Linkspartei Meck Pomm) Vollständiger Wortlaut: www.originalsozial.de/fileadmin/lv/Dokumente/LPT08_2011/Geschichte1961.pdf

 

Die Junge Welt und die Linke

 

Es ist erschütternd, dass es von Seiten der Linken keine öffentliche Kritik an der Jungen Welt gibt, außer damals bei der Spaltung (Stichwort Antisemitismus und Jungle World). Die Junge Welt versucht den Spagat, ihre alte stalinistische und autoritäre DDR-Leserschaft sowie auch undogmatische Westlinke zu bedienen.

 

Eine wichtige Rolle spielt dabei Chefredakteur Arnold Schölzel, der am 13. August 1967  aus der Bundeswehr in die DDR desertiert war. Er studierte Marxismus- Leninismus in der DDR. „Nachdem Schölzel in die DDR gewechselt war, verpflichtete er sich unter dem Decknamen „André Holzer“ als inoffizieller Mitarbeiter (IM) für das Ministerium für Staatssicherheit. Als IM „André Holzer“ war er auf eine studentische Oppositionsgruppe an der Humboldt-Universität angesetzt, der er zum Schein selbst angehörte. Zeitweise gab er täglich detaillierte Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit weiter. Der Studentengruppe gehörten unter anderen der Bürgerrechtler Wolfgang Templin, der heutige Chefredakteur der Zeitschrift Sinn und Form, Sebastian Kleinschmidt, und der „BasisDruck“-Verleger Klaus Wolfram an. 1991 wurde Schölzel wegen seiner – bis 1989 andauernden – IM-Tätigkeit vom Lehrbetrieb suspendiert und 1994 schließlich entlassen. Schölzels IM-Tätigkeit für die Staatssicherheit ist Gegenstand des Dokumentationsfilms „Verraten – sechs Freunde und ein Spitzel“, der 2007 in der ARD gezeigt wurde. Schölzel gibt in dem Film zu, IM gewesen zu sein. Auf die Frage der Filmemacherin Inga Wolfram, der früheren Ehefrau Klaus Wolframs, warum er seine Freunde verraten habe, antwortet er: „Hm. Na ja. Ihr habt 17 Millionen verraten.““ (aus Wikipedia)

 

Natürlich liegt das Ausbleiben von Kritik auch an den Angriffen, der die Junge Welt von rechts ausgesetzt ist. So nahm sich der Berliner Polizeipräsident die Berichterstattung zu den Castortransporten vor. Der aktuelle Verfassungsschutzbericht charakterisiert die „Junge Welt“ als „das bedeutendste Printmedium in der linksextremistischen Szene“. Hubertus Knabe verglich die Junge Welt in der Bild-Zeitung mit dem „Stürmer“…

 

Es liegt aber auch an dem Mangel an Alternativen. Welche Tageszeitungen sind schon noch für Linke lesbar, man schaue sich z.B. die Entwicklung der taz an. Die Junge Welt ist ein antikapitalistisches Blatt.

 

Die Junge Welt ist allerdings auch mit den Überbleibseln der DDR-Nomenklatura eng verbandelt. Die Zeitschrift ist bis heute eine publizistische Plattform der ehemaligen Machthaber der DDR. Sie fanden mit der JW ein in der radikalen Linken einflussreiches Sprachrohr. Sie versuchen, von der eigenen historisch-politischen Schuld abzulenken und in der neuen Generation Linker ihre alten Lügen und neuen Mythen zu verbreiten. Geschichtsfälschung der DDR-Systemträger und die Tendenz der Geschichtslosigkeit von Linken führen zu einer gefährlichen Gemengelage. Die Linke hat kaum eigene Forschungsergebnisse zum Realsozialismus und die Aufarbeitung den Antikommunisten überlassen. Fatal ist besonders, dass Gegner des Kapitalismus automatisch zu Aposteln des Fortschritts erklärt werden. Bei der Propaganda des kapitalistischen Feindes sei das Gegenteil wahr. Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

 

Zum Schluß noch das Wichtigste, das Gedenken an die Opfer der Mauer:

 

Mindestens 136 Menschen wurden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kamen im Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. 98 DDR-Flüchtlinge, die beim Versuch, die Grenzanlagen zu überwinden, erschossen wurden, verun­glückten oder sich das Leben nahmen. 30 Menschen aus Ost und West ohne Fluchtabsichten, die erschossen wurden oder verunglückten. Acht im Dienst getötete DDR-Grenzsoldaten, die durch Fahnenflüchtige, Kameraden, einen Flüchtling, einen Fluchthelfer oder einen West-Berliner Polizisten getötet wurden. Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. Ungezählt sind die Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihr Leben starben. (Quelle: Die Todesopfer an der Berliner Mauer, Gedenkstätte Berliner Mauer.)

 

Im Internet schreibt jemand: „Vie­len Dank sagen auch die Men­schen die bei ihrem Flucht­ver­such ums Leben kamen und die, die wegen ihrer Denk­weise im Gefäng­nis lan­de­ten, vie­len Dank sagen auch die, die jah­re­lang bespit­zelt und abge­hört wur­den. Wenn man Men­schen zu ihrem ver­meint­li­chen Glück zwin­gen muss, ist etwas faul.“

 

In Berlin wurde am 13.August um 12 Uhr mit einer Schweigeminute an die Opfer der Mauer gedacht. Bundespräsident Wulff sagte bei dem Gedenken: „Am Ende ist die Freiheit unbesiegbar“. Fragt sich nur für wen? Bei dem heutigen Weg in einen autoritären Staat.

 

Das Leben im Kapitalismus wird für viele Menschen immer unerträglicher. Aufgrund der Krise des Systems müssen wieder Alternativen gedacht werden, das erfordert aber eine kritische Aufarbeitung bisheriger Versuche, um aus den Fehlern zu lernen. Der Realsozialismus führte in eine Sackgasse, das muß Ausgangspunkt von Alternativendiskussionen sein.

 

Am Montag d. 31.10., Dienstag d. 1.11. und Sonntag d. 6.11.2011 wird in Berlin ein Veranstaltungszyklus zu „Was tun mit Kommunismus?!“ stattfinden.

Themen werden sein: „Die Linke und der ‚real-existierende Sozialismus'“, „Wie sozialistisch war der ‚real-existierende Sozialismus‘?“ und „Wege aus dem Kapitalismus- aber wohin?“ Ausgebrütet von der Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK).

Weitere Infos demnächst.

 

Hier ein Artikel von mir „Die Linke, der Realsozialismus und die Utopie“: http://www.trend.infopartisan.net/trd0211/t460211.html

 

Weitere Infos zur DDR: http://www.freiheitpur.i-networx.de/ddr.html

 

50 Jahre Mauerbau: „DANKE“ JUNGE WELT

Zur Titelseite und Beilage der Jungen Welt am 13.8.2011

von Anne Seeck

Den absoluten Höhepunkt vollbrachte die Junge Welt am 13. August zum 50.Jahrestag des Mauerbaus.

Die Schlagzeile mit einem großen Danke ist illustriert mit einem Bild einer DDR-Betriebskampfgruppe, die am 13. August 1961 mit der Waffe in der Hand den Bau der Mauer absicherten.

Darunter:

Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke

für 28 Jahre Friedenssicherung in Europa

für 28 Jahre ohne Beteiligung deutscher Soldaten an Kriegseinsätzen

für 28 Jahre ohne Hartz IV und Erwerbslosigkeit

für 28 Jahre ohne Obdachlosigkeit, Suppenküchen und »Tafeln«

für 28 Jahre Versorgung mit Krippen- und Kindergartenplätzen

für 28 Jahre ohne Neonaziplakate »GAS geben« in der deutschen Hauptstadt

für 28 Jahre Geschichtswissenschaft statt Guidoknoppgeschichtchen

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für 28 Jahre munteren Sex ohne »Feuchtgebiete« und Bild-Fachwissen

für 28 Jahre Bildung für alle

Siehe: http://www.jungewelt.de/2011/08-13/069.php

Wie sagte doch Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ 50 Jahre nach dem Mauerbau und 21 Jahre nach dem Mauerfall fühlt sich die Stalino-Fraktion wieder stark und wartet mit solch einer Provokation auf, ein Faustschlag gegen alle, die in der DDR unter der Mauer gelitten haben.

Auch wenn es in diesen Tagen viele nicht mehr hören können, die Mauer war menschenverachtend, das kann nicht oft genug betont werden. Es gibt für eine Mauer, mit der ein Staat seine eigene Bevölkerung einsperrt, keine Rechtfertigung.

Nie werde ich den 9. November 1989 vergessen, den ich selbst auf der Oberbaumbrücke zwischen Friedrichshain (Ostberlin, wo ich wohnte) und Kreuzberg (Westberlin, wo meine geflüchteten Freunde lebten) erlebt habe. Das Lachen und Weinen der Menschen, die geglaubt hatten, inmitten der Mauern sterben zu müssen. Noch 1989 hatte Honecker gesagt, dass die Mauer 100 Jahre stehen wird. Die Mauer ist das Trauma vieler DDR-Bürger und auch Westberliner. Linke, die die Mauer rechtfertigen und sich noch für den Mauerbau bedanken, haben ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Kein Mensch, der für Emanzipation ist, wird ihnen glauben, dass sie eine menschenwürdige Welt wollen. Kein Volk will eingesperrt werden, als Versuchskaninchen in einem Käfig mißbraucht werden, vor dem es kein Entfliehen gibt. Eine herrschaftsfreie Gesellschaft entsteht nur ohne Zwang, auf freiwilliger Basis, in der sich die Menschen selbst ermächtigen. Es bedarf vieler, die sich vernetzen und Experimente wagen, nicht am Schreibtisch Einzelner entworfen, sondern im Alltag vieler erprobt.

Was die Junge Welt praktiziert, sowohl in der DDR bis heute, ist einfach nur platt, nach der Devise „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ In Sachen Geschichte des Realsozialismus, heutiger Sozialismus a la Cuba, Antisemistismus a la DDR, heutige Symphatien mit Diktatoren wie im Iran, Libyen etc. ist die Junge Welt einfach nur unglaubwürdig oder gar menschenverachtend. Natürlich gibt es in der Jungen Welt auch viele Autoren (z.B. zu sozialen Themen), die eine gute Berichterstattung machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die solch eine Titelseite gutheißen. Es ergibt sich ein differenziertes Bild, wenn man die JW liest. Die Graswurzelrevolution schreibt 2006: „Die jW bietet einerseits einer bestimmten Strömung des rückwärtsgewandten Staatssozialismus ein bevorzugtes Forum, andererseits schafft es die Zeitung aber auch, darüber hinausgehende Kreise anzusprechen.“

Hört auf mit den Geschichtsmythen in der Jungen Welt!!!!

Die JW: „Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke

für 28 Jahre Friedenssicherung in Europa

für 28 Jahre ohne Beteiligung deutscher Soldaten an Kriegseinsätzen“

In einem Leserbrief schreibt jemand: „… in einer durch und durch militarisierten Gesellschaft, die kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung kennt, deren führende Partei dafür aber den Einsatz des Militärs gegen das eigene Volk mehrfach guthieß.“

Der Wehrkundeunterricht fand ab dem 1. September 1978 Einzug in die Lehrpläne der 9. und 10. Klassen der POS. Das geschah also ausgerechnet am „Tag des Friedens“, dem Jahrestag des Beginns des 2. Weltkriegs, der regelmäßig mit dem Beginn des Schuljahres zusammenfiel. Dieses Datum zählte aus historischer/kritischer Sicht zu den markantesten Eckpunkten der Militarisierung der DDR-Gesellschaft. Ab Mai 1981 gab es solchen „Unterricht in Fragen der sozialistischen Landesverteidigung“ auch in den 11. Klassen der EOS. Die Militarisierung der Gesellschaft war auch durch die Fahnenappelle, Pionier- und FDJ-Uniformen, Urkunden, Medaillen, Fakelumzüge (!) der FDJ, Militärparaden etc. sichtbar.

JW: „für 28 Jahre ohne Hartz IV und Erwerbslosigkeit

für 28 Jahre ohne Obdachlosigkeit, Suppenküchen und »Tafeln«“

In einer Gesellschaft, in der es eine Arbeitspflicht gab. Wer nicht arbeitete, konnte in der DDR wegen Asozialität bis zu zwei Jahre eingesperrt werden. Es gab in der DDR keine Sozialleistungen für Arbeitsfähige gab (also nicht mal Hartz IV), dafür aber eine ganze Menge Scheißjobs, wo meistens Pünktlichkeit gefragt war, aber nichts zu tun war (was für eine Verschwendung an Lebenszeit). Die verdeckte Arbeitslosigkeit war hoch. Die DDR war eine halbfordistische Gesellschaft, ohne Massenkonsum.

Zudem kündigte sich eine große Wohnungsnot an, da brauchte man sich nur die verfallenen Innenstädte der DDR ansehen. Während die Altbausubstanz verfiel, wurde die Platte (Arbeiterschließfach) am Stadtrand gebaut, da wo heute keiner hin will. Die staatliche Wohnraumlenkung war ein schwerfälliger Apparat und Wohnungen erhielten vor allem junge Kleinfamilien, WG`s Fehlanzeige. Junge Leute besetzten daher massenhaft Wohnraum, die einzige Chance, überhaupt an Wohnraum zu kommen.

Die Lebenshaltungskosten waren gering, die Subventionierung führte aber zur Verschwendung (z.B. Brot, Strom) und schließlich konnte die Wirtschaftsleistung diesen Aufwand nicht mehr decken. Die DDR-Bürger lebten über ihren Verhältnissen, obwohl der Durchschnittslebensstandard im Westen viel höher war, denn es herrschte andererseits in vielen Bereichen Mangel (z.B. bei technischen Gütern, die überteuert waren).

JW“ für 28 Jahre Versorgung mit Krippen- und Kindergartenplätzen

für 28 Jahre Bildung für alle“

Gerade das Erziehungs- und Bildungssystem war hoch ideologisiert. Alles war staatlich organisiert. Es gab es in der DDR keine alternativen selbstverwalteten Kinder- und Schülerläden und auch keine Internationalität in solchen Läden wie in Kreuzberg.

In einem Leserbrief heißt es: Bildung für alle „… bis Klasse 9 oder 10. Danach nur für eine Minderheit und für Nonkonforme gar nicht.“

Es gab Bildungsunterschiede, in den 80er Jahren konnten kaum Arbeiterkinder studieren, sondern hauptsächlich Akademiker- und Funktionärskinder, die auch nach 1989 viel bessere Chancen auf berufliche Karrieren hatten.

JW:“für 28 Jahre ohne Neonaziplakate »GAS geben« in der deutschen Hauptstadt“

In einem Leserbrief: „… dafür mit von oben verordneter Propaganda überall und einem Staat, der Menschen vorschrieb, was sie lesen durften und was nicht.“ Die DDR war ein Land, indem es kaum Ausländer (heute Migranten) gab, die Staatsführung redete aber ständig von Internationalismus, förderte aber gleichzeitig Fremdenfeindlichkeit, was sich nach 1990 bewies. Auch in der DDR gab es Rechtsextremismus, was mit dem Nazi-Überfall auf die Zionskirche öffentlich wurde. Nach dem NS-System waren auch weiterhin NSDAP- Mitglieder in der DDR tätig, so der oberste Sportfunktionär Manfred Ewald und vor allem Ärzte und Psychiater. Die Nazi-Mitläufer wurden von ihrer Schuld freigesprochen, weil sie ja in einem „antifaschistischen Staat“ lebten.

JW: „für 28 Jahre Geschichtswissenschaft statt Guidoknoppgeschichtchen“

In einem Leserbrief: „… Neben Guido Knopp gibt es tausende ernst zunehmende Historiker, die nicht Parteibeschlüsse befolgen müssen, um forschen zu dürfen.“ In der DDR wurde man mit Versatzstücken der ML-Phraseologie dauerberieselt, im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen und auch (Geschichts-) Büchern. Das war unerträglich und bewirkte, dass die Menschen zwischen einer öffentlichen und privaten Sprache unterschieden.

JW:“für 28 Jahre ohne Hedgefonds und Private-Equity-Heuschrecken“

Die Alu-Chips waren für die natürlich nicht attraktiv, wie auch nicht für den Drogenmarkt etc. Die DDR war eine Zwei-Klassengesellschaft, die sich in Westgeld-Besitzer und Nicht-Westgeldbesitzer unterschied.

JW:“für 28 Jahre ohne Praxisgebühr und Zwei-Klassen-Medizin“

Mit einer schlechten technischen Ausstattung im Gesundheitssystem, wer dort z.B. Zahnärzte erlebt hat. Zudem war die Lebenserwartung geringer als im Westen. Der Alkoholkonsum gehörte weltweit zu den höchsten.

JW“für 28 Jahre Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe“

Lieber Stasigefängnis, als Museum? Menschenverachtender geht es nicht.

JW:“für 28 Jahre Club Cola und FKK

für 28 Jahre munteren Sex ohne »Feuchtgebiete« und Bild-Fachwissen“

In einem Leserbrief „… nebst dem munter-sexy Walter Ulbricht, der nur leider kein „Yeh Yeh Yeh“ mochte.“

Auch „FKK“ und „munterer Sex“ machten die DDR nicht weniger spießig, in der Nonkonforme massenhaft in Knästen landeten, ob Gammler oder Punks. Außerdem wurde in der DDR die Bevölkerungspolitik großgeschrieben. Es herrschte das Modell der Kleinfamilie, die Jugendphase sollte schnell übersprungen werden. Es wurde früh geheirat, frühe Elternschaft und frühe Erwerbstätigkeit.

Die Frauen sollten Kinder zeugen und arbeiten, die Doppelbelastung nannte sich dann Emanzipation.

Aus JW- Leserbriefen zu dem Titelblatt:

„Jetzt ist bei euch intellektuell endgültig Ende Gelände, oder? Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe. Aha. Man muss die Aussagen von Knabe nicht teilen, aber das ist bodenlos menschenverachtend. Eine fette Entschuldigung, die Verantwortlichen rausschmeißen, das ist jetzt das Mindeste. Aber das wird nichts daran ändern, dass man ein wirkliches sozialistisches Projekt nur ohne euch hinkriegt. Stalinisten-Verherrlicher: abtreten.“

„Ich schwanke zwischen makaber und dumm, mir drängen dazu sich zwei Sprüche von Honecker auf, der am 14.8.1989 zunächst ein über 90 Jahre altes sozialdemokratisches Lied zitierte: „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf“ und danach sich noch steigerte: „denen, die unser Land verlassen wollen, weinen wir keine Träne nach“.

Bei beiden Sprüchen galt Honecker als schwerkrank.

Die Autoren dieser Dummheit erfreuen sich überwiegend bester Gesundheit bzw. völlig sicherer SED-Rente durch die kapitalistische Allianz-Versicherung.“

„Hier gilt es wahrlich zu „danken“:

– für die Erziehung der Bevölkerung zu Spitzeldiensten untereinander

– für die Bankrotterklärung eines Staates, indem er seine eigenen Bürger einsperren muss.

– für die noch größere Bankrotterklärung eines Staates, der auf seine Bürger schießen lässt…

– das die Lügen der Vergangenheit noch heute wirken, da einige Unbelehrbare glauben dieser widerliche Unrechtsstaat war das Paradies. (z.B. die hiesige Redaktion)“

„Man kann nur hoffen, dass der Artikel als Satire gedacht ist.“

„Danke für die wohl hirnverbrannteste Überschrift einer deutschen Zeitung seit Jahrzehnten! Da kommt nicht einmal die Springer-Presse so leicht hinterher. Oder war das ein Versuch, den Westen „zu überholen, ohne ihn einzuholen“, wie ein führender Mauerschütze im Geiste es einst ausdrückte? Wenn so etwas in der „Titanic“ steht oder einer anderen bekennenden Satirezeitschrift – gut, schwarzer Humor, regt zum Nachdenken an. In einer sich selbst seriös nennenden Zeitung ist es aber nur pervers. Warum feiert ihr nicht gleich den Gulag?“

„Es fällt auf, das die Beschützer vor dem Brandenburger Tor in Richtung DDR-Heimat blicken. Zum Glück haben die Imperialisten Ihnen nicht von hinten in den Rücken geschossen.“

„Ernsthaft: Mit diesem „Danke“ hat sich die Junge Welt komplett aus der Realität verabschiedet! Inakzeptabel!“

“ Danke für Was? Ah, ja – so ist das also! Politischem Schwachsinn Lob zu zollen. Nun da sind wohl auch ewig Gestrige in der Redaktion mal wieder unreflektiert in Erscheinung getreten und feiern den DDR-Limes. Ist doch alles Blödsinn! Oder?“

„Das ist offenbar das Ergebnis, wenn sich Stalinisten in Satire versuchen. Aber die DDR war ja bekanntermaßen auch kein Hort des anspruchsvollen Humors.“

„Schönen Dank auch! Da habt ihr ja die geschichtsvergessenste Seite 1 in der Geschichte dieser Zeitung gemacht. Die DDR hat also vor 1961 all diese Ruhmestaten nicht vollbracht? Schönen Dank auch, dass ihr Guido Knopp so locker unterbieten konntet.“

„So wie die Masse der Medien ein einseitiges Bild und ein Pauschalurteil abgibt, so reagiert die JW spiegelverkehrt einseitig und pauschal.“

„Das Recht auf freie Meinungsäußerung beinhaltet auch das Recht, einen Artikel zu drucken, in dem die Mauer verherrlicht wird.

Das ist einer der wesentlichen Unterschiede zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Wer sich in der DDR regimekritisch geäußert hat, ist in Hohenschönhausen gelandet und wäre froh gewesen, dort Hubertus Knabe zu begegnen.“

„Dieser Titel ist so furchtbar zynisch und muss für die Opfer des DDR Regimes (ja, die gibt es!!) unerträglich sein.“

„Man muss schon ziemlich enge Scheuklappen aufhaben, um sich für die Mauer bedanken zu können!

Ich bin froh, dass meine Eltern mit mir in den Westen geflohen sind, kann ich doch hier das tun, wofür ich in der DDR bestraft worden wäre: gegen das System kämpfen! Der so genannte Sozialismus war doch nichts anderes als Staatskapitalismus.

Und: Ich habe nie verstehen können, wie man der Meinung sein kann, das bessere System zu haben, wenn man die Leute mit dem Gewehr zum Mitmachen zwingen muss!“

„Diese Titelseite ist rückwärtsgewandte Geschichtsverklärung, einige Thesen gar menschenverachtend und ein Hohn für die, die unter Unrecht in der DDR gelitten haben. Sie ist nebenbei ein Bärendienst für linke Positionen. Die berechtigten Anliegen nach einer sozialen, freiheitlichen und demokratischen Welt kann man so sehr einfach mit einem Verweis auf die ewig Gestrigen in den Reihen niederbügeln – ohne sich inhaltlich mit den Forderungen auseinandersetzen zu müssen.“

„Völlig heruntergekommen. Ich sage auch, allerdings von Herzen, Danke, dass Gorbi kam und dem absurden Spuk ein Ende gemacht hat! Ich kann mir kaum ein größeres Maß an Heruntergekommenheit vorstellen, als sich ins Gefängnis zurückzuwünschen.“

„Es ist ja nett, die üblichen Siegesparaden des westdeutschen Revanchismus an Daten wie dem 17.6., 13.8., 3.10. oder 9.11. zu konterkarieren. Mit eurem Danke an 28 Jahre Mauer liefert ihr leider nur ein offene Flanke für den Vorwurf „DDR-Nostalgie“. Die Westlinke weiß aber, warum sie nie „rübergemacht“ hat. Die Arbeitsbedingungen bei Leuna und anderen Volkskombinaten war nun mal nicht attraktiver als in den kapitalistischen Taylorfabriken.“

„Leute, Leute. Was für weltfremde Leute haben denn das entworfen? „Bildung für alle“? – Ja, aber nur bis zur 10.Klasse – dann höchstens 3 Abiplätze pro Klasse gesiebt nach ideologischer Standfestigkeit. „Keine Hedgefonds“ – die wollten wahrscheinlich keine Ostmark…“Danke für Hohenschönhausen“? – besteht Eure Leserschaft nur noch aus Stasi-Rentnern?“

Die JW- Beilage am 13.8.2011- 50 Jahre Mauerbau

Die Begründung für den Mauerbau ist immer wieder die Friedenssicherung.

In der Beilage der Jungen Welt vom 13.8. zieht Hein Friedriszik Bilanz, der am 13.8.1961 für den Grenzabschnitt in Berlin zwischen Reichstag und Treptow verantwortlich war:

„Das wichtigste Resultat war, daß es nicht zum Krieg in Europa kam. Den gibt es seit 1990 wieder auf dem Kontinent, und ich bin auch deswegen der Überzeugung, daß unsere Maßnahmen am 13. August mit zu der längsten europäischen Friedensperiode beigetragen haben. Ich weiß, daß die Propaganda über den sogenannten Mauerbau und zur Verteufelung der DDR seit Jahrzehnten auf Hochtouren läuft und damit davon abgelenkt werden soll, daß der Frieden damals auf des Messers Schneide stand. Mich beeindruckt das wenig.“

Ein weiterer Artikel in der Beilage:

„Am 3. August meldete die Berliner Zeitung auf Seite eins: »Jahre nach dem Mauerbau sind noch immer viele Berliner der Ansicht, daß die Teilung der Stadt damals richtig war. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung stimmten dieser Sichtweise zehn Prozent der Berliner ›voll und ganz‹ zu, weitere 25 Prozent ›teilweise‹.« Eine andere Erhebung, von SuperIllu veranstaltet, erbrachte laut Vorabmeldung vom 2. August, daß in Ostdeutschland 20 Prozent der Befragten Verständnis für die Maßnahme der DDR-Führung zeigen.“ Bei westlichen Historikern sei die Eppelmann-Doktrin die Grundlage. Dagegen so die JW „Ostdeutsche Autoren unterliegen der Gefahr, Historie in dieser Weise als Entpolitisierung von gewesener Politik zu betreiben, selten. Der Verteidigungsminister der DDR, Heinz Keßler, und der Chef des Hauptstabes der NVA, Fritz Streletz, machen das in ihrem Buch »Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben« ebenso deutlich wie der langjährige Mitarbeiter Walter Ulbrichts Herbert Graf in seinem Band »Interessen und Intrigen: Wer spaltete Deutschland? Ein Exkurs über internationale Beziehungen«. Keßler und Streletz konzentrieren sich auf die militärische und politische Konfrontation zwischen beiden deutschen Staaten seit der Spaltung des Landes durch die Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen 1948 und die Wiederbewaffnung der BRD. Sie beleuchten die militärischen Planungen im Westen seit 1945, an deren Ausrichtung nach Osten sich im übrigen bis heute nichts geändert hat. Aus dieser strategischen Sicht kommen sie zu dem Schluß: »Die Maßnahmen am 13. August 1961 (…) waren militärisch notwendig und politisch erforderlich.« „

Der DDR-Schriftsteller Stephan Hermlin am 17.8.1961 in einem Brief an Günter Grass

Das Unrecht vom 13.August? Von welchem Unrecht sprechen Sie? Wenn ich Ihre Zeitungen lese und Ihre Sender höre, könnte man glauben, es sei vor vier Tagen eine große Stadt durch eine Gewalttat in zwei Teile auseinandergefallen. Da ich aber ein ziemlich gutes Gedächtnis habe und seit vierzehn Jahren wieder in dieser Stadt lebe, erinnere ich mich, seit Mitte 1948 in einer gespaltenen Stadt gelebt zu haben, einer Stadt mit zwei Währungen, zwei Bürgermeistern, zwei Stadtverwaltungen, zweierlei Art von Polizei, zwei Gesellschaftssystemen, in einer Stadt, die beherrscht (wird) von zwei einander diametral entgegengesetzten Konzeptionen des Lebens. Die Spaltung Berlins begann Mitte 1948 mit der bekannten Währungsreform. Was am 13.August erfolgte, war ein logischer Schritt in einer Entwicklung, die nicht von dieser Seite der Stadt eingeleitet wurde.“ Im Internet: www.chronik-der-mauer.de

Der wichtigste Grund des Mauerbaus, nämlich die Fluchtbewegung, findet sich nur hier in der Beilage:

Zur Situation vor dem 13.8.1961: „Von einer Überlegenheit des Sozialismus war im Alltag für viele zu wenig zu spüren, weder beim materiellen Wohlstand noch bei den individuellen Freiheitsrechten. Immer mehr Menschen verließen die DDR.“ (Linkspartei Meck Pomm) Vollständiger Wortlaut: www.originalsozial.de/fileadmin/lv/Dokumente/LPT08_2011/Geschichte1961.pdf

Die Junge Welt und die Linke

Es ist erschütternd, dass es von Seiten der Linken keine öffentliche Kritik an der Jungen Welt gibt, außer damals bei der Spaltung (Stichwort Antisemitismus und Jungle World). Die Junge Welt versucht den Spagat, ihre alte stalinistische und autoritäre DDR-Leserschaft sowie auch undogmatische Westlinke zu bedienen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei Chefredakteur Arnold Schölzel, der am 13. August 1967 aus der Bundeswehr in die DDR desertiert war. Er studierte Marxismus- Leninismus in der DDR. „Nachdem Schölzel in die DDR gewechselt war, verpflichtete er sich unter dem Decknamen „André Holzer“ als inoffizieller Mitarbeiter (IM) für das Ministerium für Staatssicherheit. Als IM „André Holzer“ war er auf eine studentische Oppositionsgruppe an der Humboldt-Universität angesetzt, der er zum Schein selbst angehörte. Zeitweise gab er täglich detaillierte Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit weiter. Der Studentengruppe gehörten unter anderen der Bürgerrechtler Wolfgang Templin, der heutige Chefredakteur der Zeitschrift Sinn und Form, Sebastian Kleinschmidt, und der „BasisDruck“-Verleger Klaus Wolfram an. 1991 wurde Schölzel wegen seiner – bis 1989 andauernden – IM-Tätigkeit vom Lehrbetrieb suspendiert und 1994 schließlich entlassen. Schölzels IM-Tätigkeit für die Staatssicherheit ist Gegenstand des Dokumentationsfilms „Verraten – sechs Freunde und ein Spitzel“, der 2007 in der ARD gezeigt wurde. Schölzel gibt in dem Film zu, IM gewesen zu sein. Auf die Frage der Filmemacherin Inga Wolfram, der früheren Ehefrau Klaus Wolframs, warum er seine Freunde verraten habe, antwortet er: „Hm. Na ja. Ihr habt 17 Millionen verraten.““ (aus Wikipedia)

Natürlich liegt das Ausbleiben von Kritik auch an den Angriffen, der die Junge Welt von rechts ausgesetzt ist. So nahm sich der Berliner Polizeipräsident die Berichterstattung zu den Castortransporten vor. Der aktuelle Verfassungsschutzbericht charakterisiert die „Junge Welt“ als „das bedeutendste Printmedium in der linksextremistischen Szene“. Hubertus Knabe verglich die Junge Welt in der Bild-Zeitung mit dem „Stürmer“…

Es liegt aber auch an dem Mangel an Alternativen. Welche Tageszeitungen sind schon noch für Linke lesbar, man schaue sich z.B. die Entwicklung der taz an. Die Junge Welt ist ein antikapitalistisches Blatt.

Die Junge Welt ist allerdings auch mit den Überbleibseln der DDR-Nomenklatura eng verbandelt. Die Zeitschrift ist bis heute eine publizistische Plattform der ehemaligen Machthaber der DDR. Sie fanden mit der JW ein in der radikalen Linken einflussreiches Sprachrohr. Sie versuchen, von der eigenen historisch-politischen Schuld abzulenken und in der neuen Generation Linker ihre alten Lügen und neuen Mythen zu verbreiten. Geschichtsfälschung der DDR-Systemträger und die Tendenz der Geschichtslosigkeit von Linken führen zu einer gefährlichen Gemengelage. Die Linke hat kaum eigene Forschungsergebnisse zum Realsozialismus und die Aufarbeitung den Antikommunisten überlassen. Fatal ist besonders, dass Gegner des Kapitalismus automatisch zu Aposteln des Fortschritts erklärt werden. Bei der Propaganda des kapitalistischen Feindes sei das Gegenteil wahr. Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Zum Schluß noch das Wichtigste, das Gedenken an die Opfer der Mauer:

Mindestens 136 Menschen wurden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kamen im Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. 98 DDR-Flüchtlinge, die beim Versuch, die Grenzanlagen zu überwinden, erschossen wurden, verun­glückten oder sich das Leben nahmen. 30 Menschen aus Ost und West ohne Fluchtabsichten, die erschossen wurden oder verunglückten. Acht im Dienst getötete DDR-Grenzsoldaten, die durch Fahnenflüchtige, Kameraden, einen Flüchtling, einen Fluchthelfer oder einen West-Berliner Polizisten getötet wurden. Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. Ungezählt sind die Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihr Leben starben. (Quelle: Die Todesopfer an der Berliner Mauer, Gedenkstätte Berliner Mauer.)

Im Internet schreibt jemand: „Vie­len Dank sagen auch die Men­schen die bei ihrem Flucht­ver­such ums Leben kamen und die, die wegen ihrer Denk­weise im Gefäng­nis lan­de­ten, vie­len Dank sagen auch die, die jah­re­lang bespit­zelt und abge­hört wur­den. Wenn man Men­schen zu ihrem ver­meint­li­chen Glück zwin­gen muss, ist etwas faul.“

In Berlin wurde am 13.August um 12 Uhr mit einer Schweigeminute an die Opfer der Mauer gedacht. Bundespräsident Wulff sagte bei dem Gedenken: „Am Ende ist die Freiheit unbesiegbar“. Fragt sich nur für wen? Bei dem heutigen Weg in einen autoritären Staat.

Das Leben im Kapitalismus wird für viele Menschen immer unerträglicher. Aufgrund der Krise des Systems müssen wieder Alternativen gedacht werden, das erfordert aber eine kritische Aufarbeitung bisheriger Versuche, um aus den Fehlern zu lernen. Der Realsozialismus führte in eine Sackgasse, das muß Ausgangspunkt von Alternativendiskussionen sein.

Am Montag d. 31.10., Dienstag d. 1.11. und Sonntag d. 6.11.2011 wird in Berlin ein Veranstaltungszyklus zu „Was tun mit Kommunismus?!“ stattfinden.

Themen werden sein: „Die Linke und der ‚real-existierende Sozialismus'“, „Wie sozialistisch war der ‚real-existierende Sozialismus‘?“ und „Wege aus dem Kapitalismus- aber wohin?“ Ausgebrütet von der Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK).

Weitere Infos demnächst.

Hier ein Artikel von mir „Die Linke, der Realsozialismus und die Utopie“: http://www.trend.infopartisan.net/trd0211/t460211.html

Weitere Infos zur DDR: http://www.freiheitpur.i-networx.de/ddr.html