Fast 15.000 Bonner Wohnung herunter gekommen

Dienstag, 12. Juni 2012, 19:34

Bild: Hartmut Giessler pixelio.de

von Martin Behrsing

Bonn – Die Situation ist dramatisch. Eine große Anfrage der Bonner Linksfraktion brachte zutage. Bei fast 15.000 Bonner Mietwohnungen kommen die Eigentümer ihren Instanthaltungspflichten nicht nach. Besonders dort, wo Wohnanlagen in die Hände von global agierenden Finanzinvestoren geraten sind, ist seit fünf Jahren eine erhebliche Verschlechterung der Bausubstanz zu verzeichnen. Doch Hilfe für die betroffenen Mieter mit geringem Einkommen ist kaum zu erwarten. Der Stadt fehlen einfach die finanziellen und personellen Ressourcen, um einer einigermaßen vernünftigen Wohnaufsicht nachzukommen.

Hier zeigen sich die Folgen des Ausverkaufs vom städtischen Eigentum an private Investoren. Denen geht es nur um kurzfristigen Gewinn und die Folgen sind massenhafte Bauruinen, für dessen Folgen nun mehr die Stadt wird aufkommen müssen.

In den wenigen Fällen, wo die Wohnaufsicht tätig wurde, erfüllten die Eigentümer allenfalls ein Mindest-Level, so das kurze Zeit später erneut erhebliche Mängel zutage traten. Hinzu kommt, dass es in Bonn kaum alternativen bezahlbaren Wohnraum gibt, indem Mieter von heruntergekommenen Wohnungen umziehen könnten. Selbst, wenn die Bonner Verwaltung in einem Haus mehrere Wohnungen für unbewohnbar erklärt, würde dies zu Insolvenzen, Zwangsversteigerungen oder Notverkäufen führen. Damit dreht sich jedoch die Abwärtsspirale weiter. „Die Erfahrungen der letzten 30 Jahre zeigen, dass die Anlagen nur in die Hände von reinen Finanzspekulanten geraten“, so die Stellungnahme der Bonner Verwaltung zu großen Anfrage der Bonner Fraktion DIE LINKE.

Laut Stellungnahme ist die Zahl der Anfragen an die städtische Wohnaufsicht steigend. Inzwischen wenden sich jährlich 300 – 400 Personen wegen Problemen bei frei finanzierten Wohnungen an die Behörde. Auch der Bonner Mieterverein und andere Beratungsstellen verzeichnen zunehmende Fallzahlen. Doch das sind auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Laut der Beantwortung der großen Anfrage ist die Bonner Wohnungsaufsicht nicht in der Lage das Problem allein zu lösen. Besonders der immer enger werdende Bonner Wohnungsmarkt bietet kaum Alternativen. Selbst schlechte Wohnungen ließen sich leicht vermieten. Eine Verbesserung der Situation ließe sich allenfalls mit einer gesamtstädtischen Strategie erreichen. Wie allerdings die gesamtstädtische Strategie aussehen soll, ist, derzeit völlig unklar.

Fast alle Mitglieder des Sozialausschusses zeigten sich in der Sitzung am Dienstag (5. Juni) darüber erschrocken, wie dramatisch die Situation in Bonn ist.