Lauter Protest gegen die NPD

Mittwoch, 25. Juli 2012, 17:12

Foto: Martin Behrsing

Bonn – Auf dem Bonner Friedensplatz wurden die Parolen der Neonazi-Partei von Trillerpfeifen, Sambatrommeln und Sprechchören übertönt

Der LKW mit dem kleinen Häufchen von NPD-Funktionären kam verspätet
und fuhr auch eine Stunde vor dem ursprünglich für 14 Uhr angemeldeten
Kundgebungsende wieder ab. Auf dem Bonner Friedensplatz wurden die
Parolen der Neonazi-Partei von Trillerpfeifen, Sambatrommeln und
Sprechchören übertönt.

Nach Angaben des Bündnisses „Bonn stellt sich quer – Neonazis blockieren“
haben sich weit mehr als 200 Menschen am Protest gegen die immer noch
nicht verbotene rechtsradikale Partei beteiligt: „Die Nazis konnten ihre
nationalistischen und ausländerfeindlichen Parolen hier nicht unters Volk
bringen. Die sogenannte ´Deutschlandtour` ist  für die Neonazi-Partei auch
in Bonn ein reines Desaster geblieben“ erklärte Bündnis-Sprecher Mani Stenner.
Bereits in Schleswig-Holstein und verschiedenen Städten im Ruhrgebiet und
zuletzt in Köln hatte sich ähnlicher Protest formiert.

Auch Susanne Rohde von der Beueler Initiative gegen Fremdenhass,
die die Gegenkundgebung gemeinsam mit Stenner moderierte, zeigte sich
erleichtert über die Resonanz auf den sehr kurzfristigen Protestaufruf für
einen Werktag-Vormittag in der Ferienzeit. „In Bonn sind viele Menschen
hellwach und aktiv gegen die menschenverachtende Ideologie der Nazis –
besonders seit unserem massenhaften Protest gegen den Neonazi-Aufmarsch
vom 1. Mai in Beuel.“

Daran erinnerte in seinem Redebeitrag auch der ehemalige Beueler
Bezirksbürgermeister Wolfgang Hürter (SPD), der damals tausende
Demonstranten in Beuel willkommen geheißen hatte. Diesmal begrüßte
Bürgermeisterin Angelica Kappel (Bündnis 90/Die Grünen) den demokratischen
Widerstand gegen Rechts zu Beginn der Kundgebung auf dem Friedensplatz.

Die Kundgebung von „Bonn stellt sich quer“ stand unter dem Motto
„Für ein buntes, solidarisches und friedliches Bonn!“
Dafür warb auch eindringlich der stellvertretende Vorsitzende des
Integrationsrates, Fatin Savas.

Ratsherr Jürgen Repschläger (Die Linke) erneuerte die Forderung nach
einem Verbot der NPD: „Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen“.
Nach den skandalösen Versäumnissen bei der Fahndung nach der
rechtsterroristischen „Zwickauer Zelle“ und der massiven Verstrickung des
Verfassungsschutzes in NPD-Strukturen gefährde nun auch noch die
Aktenschredderei ein mögliches Verbot. Der Verfassungsschutz sei
besser aufzulösen.

Der völkischen Propaganda der NPD zur Finanzkrise widersprach entschieden
Werner Rätz vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac. Es gehe bei den
Folgen der neoliberalen Wirtschaftspolitik und der Spardiktate nicht um
Deutschland versus Ausland sondern um „oben gegen unten“ und
„reich gegen arm“.

Viele der Protestierenden auf dem Friedensplatz waren junge Menschen
und die „Bonner Jugendbewegung“ kündigte schon weitere Aktionen gegen
rechts an, u.a. am 1. September in Dortmund.

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