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CSU-Bundestagsabgeordneter bezeichnet Erwerbslose als „faule Grippel“

MDB Stephan Stracke (CSU)

Erwerbslosen Forum Deutschland verlangt Rüge durch den Bundestagspräsident

Berlin – In der heutigen Plenarsitzung des deutschen Bundestags hat der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke junge Erwerbslose als „faule Grippel“ verunglimpft. Das Wort „Grippel“ kennen anscheinend nur Insider aus dem Allgäu. Jeder andere versteht darunter „Krüppel“. Nach einer Lobeshymne auf deutsche Arbeitsgeber, die angeblich für beste Ausbildungsplätze sorgen würden, sagte Stracke wörtlich: „ Es nutzt nichts noch so viele Hilfesysteme zu implementieren, bereit stehen zu haben, wenn man halt ein fauler Grippel ist und einfach nicht arbeiten will.“ (1) Einzig die Linken-Abgeordnete Katja Kipping kritisierte ihn dafür heftig und macht deutlich, dass auf sieben Ausbildungsplatzsuchende nur ein Ausbildungsplatz zur Verfügung stehen würde. Nach ihrer Rede stellte Stracke nochmal seine Position dar und sagte, dass „Grippel“ ein „bayrisch-allgäuischer Slang“ ist…“Das ist jemand, der beispielsweise zurückhaltend seiner Arbeit, äh, nachgeht“(2)

Dazu Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forum Deutschland:

Stephan Stracke hat m. E. bewusst diese Verwechselung ins Spiel gebracht, um auf junge Erwerbslose einzudreschen. Schließlich stehen ja Verschärfungen im Bereich Hartz IV an und da ist es gut, wenn man direkt Sündenböcke herzaubert, um die Verschärfungen zu rechtfertigen. Selbst Wikipedia kennt dieses Wort nicht und es ist davon auszugehen, dass wirklich nur Insider dieses Wort kennen. Da nützt auch nicht seine anschließende Richtigstellung, dass natürlich keine Krüppel gemeint wären, sondern junge Erwerbslose, die keinen Ausbildungsplatz gefunden hätten und deshalb faul seien. Alleine dafür hätte er schon gerügt werden müssen, wenn man junge erwerbslose Menschen so verunglimpft.

Unsere herrschende Politik braucht anscheinend immer wieder Typen wie Westerwelle, Sarrazin und jetzt auch Stracke, die Erwerbslose diffamieren. Gesellschaftpolitisch ist so etwas unwürdig.“

 

Wortwörtliche Passage von Stephan Stracke:

(1) „Es nützt nichts noch so viele Hilfesystem zu haben, wenn man halt einer fauler Grippel ist und einfach nicht arbeiten will, sondern dann muss man ihn entsprechend ertüchtigen und die notwenigen Sanktionen notfalls auch ausüben, um in diesen Bereich auch Jungendliche den richtigen Weg zu führen.“

(2) „Das was ich gesagt habe ist vielleicht ein bayrisch-allgäuischer Slang, in dem Bereich, wenn man von einem ,faulen Grippel‘ spricht. Es ist kein Krüppel, sondern ein ,Grippel‘. Das ist jemand, der beispielsweise zurückhaltend seiner Arbeit, äh, nachgeht. Und das war gemeint und keine in irgend einer Art und Weise Verunglimpfung, so wie Sie (Abgeordnete Katja Kipping) verstanden hatten, äh, und äh, deswegen, äh, bitte ich hier dies entsprechend zur Kenntnis zu nehmen.“