Russisches Gas für deutschen Atommüll?

Dienstag, 13. März 2007, 18:32

Von Beuel nach Novouralsk. Aktivisten von "Ecodefense" aus Russland berichten von ihrer Arbeit

Bonn und Russland haben mehr miteinander zu tun, als es die Entfernung vermuten ließe – zumindest im Energiebereich. Während durch Bonner Leitungen in Zukunft vermehrt Erdgas des Gazprom-Konzerns strömen dürfte, wird Russland gleichzeitig zum Ziel von deutschen Atommüllexporten.
26. März 2007 um 19.30 Uhr Infoabend im Kult41, 18.30 Uhr Pressegespräch.

Eine Renaissance der Atomenergie – wie vom letzten G8-Gipfel in Sankt Petersburg beschworen – macht sich auch in Bonn durch mehr Atomtransporte bemerkbar. BUND Bonn, Anti-Atom-Gruppe Bonn und das Oscar-Romero-Haus laden darum am 26. März 2007 ab 19.30 Uhr zu einem internationalen Infoabend mit Vertretern der russischen Umweltorganisation "Ecodefense" ein. Vladimir Slivyak und Andrey Ozharovsky, Ko-Vorsitzende von "Ecodefense", beantworten außerdem ab 18.30 Uhr bei einem Pressegespräch in der Galerie des Kult41 Fragen von Journalisten.

Wer ist Ecodefense ?

Die Nichtregierungsorganisation Ecodefense arbeitet seit 10 Jahren in Russland zu Energie- und Atomthemen. Zur Zeit konzentriert sich Ecodefense auf die illegalen Importe von radioaktivem Abfall aus der deutschen Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau. Ecodefense baut in den betroffenen russischen Orten, in die der deutsche Uranmüll gebracht wird, lokale Bürgerinitiativen auf. Gemeinsam mit AtomkraftgegnerInnen in ganz Europa organisiert Ecodefense den Widerstand gegen die Urananreicherung.

Vladimir Slivyak und Andrey Ozharovsky berichten am Montag, den 26. März 2007 ab 19.30 Uhr im Kult41 (Hochstadenring 41) über die schwierige Arbeit unabhängiger Umweltorganisationen unter Putin. Slivyak und Ozharovsky decken die Wege der Billig"entsorgung" von Atommüll aus Deutschland in Russland auf. Sie stellen ihre Aktivitäten gegen wilde Atommüllkippen vor und berichten über die Situation in den Geschlossenen Atomstädten Sibiriens. Die Urananreicherungsanlagen in Novouralsk (bei Jekaterinburg) und Seversk (bei Tomsk), Ziel der deutschen Uranexporte, liegen wie zu Sowjetzeiten in vom Militär abgeschirmten Städte, in denen rund 100.000 Menschen hinter Stacheldraht leben. Die Umweltsituation dort ist katastrophal.

Deutsch-russische Aktivitäten gegen Atomtransporte

Nach internationalen Anti-Atom-Camps in Russland gab es 2006 eine russisch-deutsche Protestaktion vor der Deutschen Botschaft in Moskau. Seit mehreren Jahren beobachten und blockieren deutsche und niederländische AtomkraftgegnerInnen die Urantransporte aus den Urananreicherungsanlagen (UAA) in Gronau/Westf. und Almelo/Niederlande. Ecodefense erstattete im November 2006 bei der Staatsanwaltschaft Münster Strafanzeige gegen die Urenco Deutschland GmbH (Betreiberin der UAA Gronau) wegen des Verdachts auf illegalen Atommüllexport von Gronau nach Russland. In den vergangenen zehn Jahren exportierte die Urenco rund 20.000 t abgereichertes Uranhexafluorid von Gronau nach Russland.

Was hat das mit Bonn zu tun?

Monatlich fahren hochgiftige Güterzüge mit Uranhexafluorid durch Bonn-Beuel. Ziel ist die Urananreicherungsanlage der Urenco-Gruppe im westfälischen Gronau, wo das Uran zur Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke angereichert wird. Die Reste werden regelmäßig nach Russland gebracht.

Skandalös sind aber nicht nur die enormen radiologischen und chemischen Gefahren dieser Transporte, sondern die Erweiterung der Gronauer Anlage. Diese wird schon im nächsten Jahr weltweit mehr als 35 Atomkraftwerke mit Brennstoff versorgen und damit ihre Kapazitäten fast verdreifachen. Die Anti-Atom-Gruppe Bonn engagiert sich zusammen mit dem BUND Bonn gegen diese Renaissance der Atomkraft. Geplant ist eine vertiefte Zusammenarbeit mit russischen AtomkraftgegnerInnen, die Unterstützung und Solidarität verdient haben, sitzen sie doch am langen Ende des nuklearen Rattenschwanzes, der auch durch Bonn verläuft.

Rückfragen bitte an Jens Koy (Jens.Koy@web.de  Tel. 0228-443846).

Weitere Hintergrundinformationen unter http://www.antiatombonn.de und http://www.bund-bonn.de.

Die Veranstaltung wird organisiert von der Anti-Atom-Gruppe Bonn, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Bonn und dem Oscar-Romero-Haus Bonn.

Ort: Kult 41, Hochstadenring 41, Bonn

Wann: Montag, 26. März 2007, 19.30 Uhr (Pressegespräch: 18.30 Uhr)