„Missing Impossible“ oder wie man sich gleicht

Montag, 9. Juli 2007, 12:46

Der US.Schausspieler Tom Cruise dreht in Deutschland einen Film über den Hitler Attentäter Claus Graf Schenk v. Stauffenberg. Der folgende Beitrag beleuchtet nicht nur die rein äußerliche Ähnlichkeit von Cruise und Stauffenberg, sondern auch eine bisher unbekannte Seelenbekannschaft beider Männer. So wie Cruise heute, war auch Stauffenberg in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in einem zumindest ähnlichen Zirkel um Stefan George, der sich auch abschottete und von Herrschaft und Macht  träumte und darin zumindest der heutigen Scientologie des Ron Hubbard glich. 

Misssing Impossible-oder wer nicht passt ist verkommen.

 

Warum soll nach dem Willen der Politik, und wohl auch von Angehörigen der Familie Stauffenberg, Tom Cruise, das Mitglied  einer in Deutschland als Geheimorganisation eingestuften Sekte , nicht an den Orten drehen, in denen Stauffenberg in den letzten Tagen vor seiner Erschießung arbeitete. Zum Beispiel im Bendlerblock(Foto).Darf überhaupt Tom Cruise, der in Deutschland sogenannte Scientologie Sektierer und bedingungslose Gefolgsmann einer dubiosen Geheimorganisation, den deutschen Widerstandshelden Claus Graf Schenk von Stauffenberg spielen? Warum spielt ausgerechnet Er Cruise diesen Mann, der nach 1945 als Alibi für den angeblich immer vorhandenen Widerstand gegen Hitler zum Helden stilisiert wurde. Die tatsächlich vorhandene äußerliche Ähnlichkeit zwischen Cruise und Stauffenberg, mag ein Grund sein,  vielleicht spielt aber auch eine minimale Seelenverwandtschaft beider hier eine gewisse Rolle.

Denn in der Tat, Claus Schenk von Stauffenberg war in den 20ziger Jahren in einer Organisation, die sich tunlichst bemühte nicht zu sehr ins Licht der Öffentlichkeit zu gelangen. Nun kann man sicherlich den so genannten George Kreis nicht in allem mit der Scientologie vergleichen, aber gewisse Ähnlichkeiten sind für den unbefangenen Betrachter schon vorhanden.

Denn eine Organisation, deren Statuten und Schriften kein Mensch kennt, deren Mitglieder sich verbergen und die nach Jahren des stillen Wirkens ausdrücklich weltliche Herrschaft wollen, die sich im Inneren längst als neuer Staat begreift und sich sogar so nennt, könnte sicherlich mit der heutigen von Ron Hubbard gegründeten Form von Kirche und Firma in einem verglichen werden.

 So sind die Fakten und das stößt manchem in Deutschland nun sauer auf. Denn hier ist nicht die  Rede von Tom Cruise, sondern von Claus Graf Schenk von Stauffenberg, und nicht von der Ron Hubbard Kirche, sondern vom Stefan George-Kreis, von jenem Kreis, dem Stauffenberg seine entscheidende Prägung verdankte. Wir sind nicht im Jahre 2007, sondern im Jahre 1927 – schon 1930 wird unter dem Titel "Herrschaft und Dienst" die Verfassung des Kreises erscheinen. Nicht nur war Stauffenberg damals eine der entscheidenden, von George selbst so benannten "Staatsstützen" des geheimen Kreises, er wurde sogar gesetzlicher Erbe und Testamentsvollstrecker des Werkes und damit auch in gewisser Weise der Nachlassverwalter seiner Prophetien.

Und Stauffenberg glaubte an die Prophetien und Propheten seines Zirkels. Er glaubte an die  Mischung aus, Kirche und Wissenschaft, an diese sakrale Tyrannei, die nicht nur himmlische, sondern auch und zuerst "irdische Herrschaft" will. Das alles also mit einem Programm, das doch sehr an Ron Hubbard erinnert und das Eltern dazu bringt, ihre Kinder nicht mehr wiederzuerkennen. Denn die Botschaft des George Kreises war schlicht und ergreifend die gleiche wie heute bei der Scientologie. Nämlich die Herrschaft um der Herrschaft willen. Kein Unterschied also zwischen 1927 und 2007.

Somit wäre also auch der Stefan George Zirkel von 1927 im Überwachungsbereich eines Herrn Schäuble und des Verfassungsschutzes. Wenn man also weiterhin Cruise vom Bendlerblock  fernhalten will, allein mit der Begründung der Zugehörigkeit zur Scientologie, dann bitte nicht mit der Moral, sondern schlicht mit der deutschen Deutungshoheit.

Es geht aber auch bei dieser Geschichte um Personen wie den Chef der Gedenkstätte 20.Juli P. Steinbach, der im Hinblick auf den Oskar Preisträger Florian v. Donnersmark und dessen Eintreten für eine Drehgenehmigung es sich nicht nehmen ließ dies als  Verkommheit zu bezeichnen. Somit schließt sich also wieder der Kreis und wir kehren zum Jahr 1944 zurück.

Nach dem missglückten Attentat standen die noch lebenden Verschwörer vor dem Volksgerichtshof und vor Roland Freisler. Der nahm für sich in Anspruch die Verkommenheit der Angeklagten in den Gerichtssaal und den anwesenden ,,großdeutschen Rundfunk“ heraus zu brüllen bis ihm der Sabber aus den Mundwinkeln lief.  

Hier also hat Herrn Steinbach sich staatstragend an die  Sprache des Blutrichters Freisler angelehnt, was anmaßend, würdelos und auch den Toten des 20.Juli gegenüber pietätlos ist.

Daran ist vor alem anderen zu erinnern, wenn man die scheinheilige  Debatte um die Mitgliedschaft t von Tom Cruise bei Scientologie angemessen beurteilen will. Cruise soll am authentischen Ort des Geschehens ,also des Bendlerblocks nicht drehen dürfen, um dessen Würde zu wahren. Graf Stauffenberg wäre sicherlich entsetzt wenn er diese Gespensterdebatte um die angebliche Würde dieses Gebäudes verfolgen könnte. Heutige Generationen haben von Würde eine etwas andere Meinung. Denn vom Bendlerblock in Berlin wurde ein Krieg organisiert, der über 50 Millionen Menschen das Leben kostete und die Geschichte der Welt dramatisch veränderte. Ich für meinen Teil gebe Tom Cruise sicherlich etwas von meiner Würde und auch die Drehgenehmigung. Denn zur Zeit des Widerstandes gegen Hitler, gab es nicht nur Mord und Totschlag, sondern auch schon reichlich Berufsverbote. Eine Neuauflage von damals ist sicherlich nicht erwünscht.

Karl-Heinz Strohmeier, Gelsenkirchen