Berliner Dramatiker George Tabori gestorben

Dienstag, 24. Juli 2007, 21:38

Berlin (ddp). Der Regisseur und Dramatiker George Tabori ist tot. Er starb am Montagabend 93-jährig in seiner Berliner Wohnung, wie der Verlag Gustav Kiepenheuer am Dienstag mitteilte. Tabori war seit 1999 Mitglied des Berliner Ensembles (BE). In ihrem gemeinsamen Nachruf unterstrichen der Kiepenheuer Verlag und das BE: «Taboris Werk und Weisheit gehören im wahrsten Sinne des Wortes zum Weltkulturerbe. Seine Zuneigung zum Menschen und seine Neugier auf Menschen glichen einer immerwährenden Umarmung.» Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte Tabori als «herausragenden Dramatiker, Regisseur und Schauspieler». Mit unermüdlicher kreativer Energie habe er über Jahrzehnte hinweg insbesondere das Theater im deutschen Sprachraum durch seine Stücke und Inszenierungen bereichert und geprägt. Immer sei es Tabori gelungen, sein Publikum tief zu berühren. «Seine unverwechselbare Ästhetik war radikal, komisch und grotesk zugleich.»

Der 1914 in Budapest geborene Tabori war das Kind des jüdischen Journalisten Cornelius Tabori, der in Auschwitz ermordet wurde. Die Mutter überlebte durch einen Zufall. Darüber schrieb Tabori seine Erzählung «Mutters Courage».

Von 1934 bis 1947 arbeitete Tabori als Journalist, unter anderem im Dienst der BBC. Danach wurde er Drehbuchautor in Hollywood, unter anderen für Alfred Hitchcock. Nach einer Begegnung mit dem Regisseur und Schriftsteller Bertolt Brecht wandte sich Tabori dem Theater zu. Später inszenierte er unter anderem im Berliner Schiller Theater und am Wiener Burgtheater. Dort entstanden die Stücke «Mein Kampf», «Goldberg Variationen» und «Weisman und Rotgesicht».

Insgesamt schrieb Tabori fast 40 Stücke, vier Uraufführungen wurden im Berliner Ensemble gefeiert. Seine letzte Premiere war das szenische Gedicht «Gesegnete Mahlzeit» (2007).