Ingmar Bergman: Meister des erzählenden Kinos

Montag, 30. Juli 2007, 15:16

Er gilt als einer der größten Filmemacher des europäischen Kinos. Kollegen wie Wim Wenders und Woody Allen sehen in ihm ein Vorbild. Am Montag ist der schwedische Regisseur Ingmar Bergman im Alter von 89 Jahren in seinem Haus auf der Ostseeinsel Farö gestorben.

Michael Winterbottom, der zwei Dokumentarfilme über Bergman gedreht hat, bewunderte an dem Filmkünstler seine «Einfachheit, die Tatsache, dass er sich ganz auf das Wesentliche konzentrierte, den übrigen Ballast abwarf». Wenders nannte Bergmans Werke «Leuchttürme in der Filmgeschichte». Und Francois Truffaut sagte, sie seien relevant für eine «größtmögliche Zahl von Zuschauern in einer größtmöglichen Zahl von Ländern».

Bergman war in seiner Theater- und Filmarbeit, in der er die Zerrissenheit des Menschen, seine Existenzängste und sexuellen Obsessionen sowie Gefühle von Schuld und Schande thematisierte, vom Denken August Strindbergs beeinflusst. Seine Geschichten drehten sich stets um das Individuum.

Debütiert als Regisseur hatte Bergman 1943. Er arbeite an verschiedenen Theatern, inszenierte Opern und brachte eigene Stücke auf die Bühne. Als Theaterregisseur zeichnete er für über 100 Inszenierungen verantwortlich. Als Filmregisseur und Drehbuchautor prägte er über Jahrzehnte hinweg das erzählende Kino. Nach neun Nominierungen für sechs Filme erhielt er 1970 einen Oscar für sein Lebenswerk und wurde 1997 in Cannes mit der «Palme aller Goldenen Palmen» für sein filmisches Gesamtwerk geehrt. 1987 veröffentlichte Bergman die Autobiografie «Laterna magica».

Seine ersten Filme drehte der am 14. Juli 1918 im schwedischen Uppsala geborene Bergman Mitte der 40er Jahre. Sie behandelten die Kämpfe und die Hoffnungslosigkeit von Jugendlichen in der Erwachsenenwelt. Die Arbeiten schockierten damals durch ihren Pessimismus und kamen beim schwedischen Publikum nicht gut an. Den Durchbruch schaffte Bergman dann mit «Lächeln einer Sommernacht» (1955), der den Großen Preis in Cannes erhielt, und dem mehrfach ausgezeichneten Film «Wilde Erdbeeren» (1957) über die Bedrohung des Individuums in einer entfremdeten Gesellschaft.

Zum Skandalregisseur wurde Bergman 1962, als er den Kassenerfolg «Das Schweigen» in die Kinos brachte. Die Geschichte einer Nymphomanin mit freizügigen Liebesszenen ließ die Kritiker den Untergang der moralischen Werteordnung befürchten. Nach «Das Schweigen» dauerte es elf Jahre, bis Bergman mit «Szenen einer Ehe» in Kino- und Fernsehversion wieder einen großen Erfolg landete. In seinem letzten Film «Saraband» (2003) führte Bergman die Protagonisten von «Szenen einer Ehe» (Darsteller: Liv Ullmann, Erland Josephson) nach rund 30 Jahren wieder zusammen und zeigte, wie ihre Geschichte weitergeht.

Private Probleme beeinträchtigten das Schaffen des achtfachen Vaters als er 1976 während einer Theaterprobe wegen Steuerhinterziehung verhaftet wurde. Bergman zog sich zunächst in eine psychiatrische Klinik zurück, verließ dann Schweden wegen der «machtbesessenen Bürokratie», kehrte jedoch 1978 als Direktor des «Dramaten», des Königlichen Dramatischen Theaters, nach Stockholm zurück.

Einen weiteren internationalen Kinoerfolg landete er 1981 mit der Familiensaga «Fanny und Alexander», die als «Summe seines Lebens als Filmemacher» gefeiert wurde. Außerdem gilt der Streifen als Aufarbeitung der Kindheit Bergmans in einem autoritären, lustfeindlich protestantischen Pastorenhaushalt. Als seine letzte Theater-Inszenierung präsentierte Bergman 2002 im «Dramaten» Ibsens «Gespenster» in einer eigenen Übersetzung, ergänzt mit Dialogen aus anderen Werken.

In seinen letzten Jahren lebte Bergman, der einmal sagte, wer in einem Pfarrhaus aufgewachsen sei, beginne früh, sich einen Blick hinter die Fassade von Leben und Tod zu verschaffen, zurückgezogen auf der Insel Farö. Dort ist er der schwedischen Nachrichtenagentur TT zufolge nun ganz ruhig eingeschlafen.

ddp/uge/han