Der blanke Horror: Wie die „reale“ Welt über Rüdiger S. denkt

Samstag, 20. Januar 2007, 15:37

Auf der Suche nach weiteren Informationen über Rüdiger S. und seine Hungerstreikaktion, so wie die daran beteiligten Protagonisten stößt man unweigerlich auch auf diverse Foren in denen verachtenswerteste Stammtischparolen wohl der übliche Ton sind. Hier zählen nicht mehr ein Mensch und sein Schicksal, hier bestimmt bösartigste Zunge den Ton.

Da der Text jederzeit per Google und Co. auffindbar ist und der Poster jener freundlichen Worte daher wohl sowieso damit rechnete, daß jederman auf diese stoßen könnte, habe ich wenig Hemmungen diese hier der Allgemeinheit zur Begutachtung vorzuwerfen:
Es beginnt mit dem Titel des Threads in einem Forum in dem sich eigentlich ansonsten C und C++ Programmierer die Klinke in die Hand geben und ihr logisches Denken wohl gelegentlich auch an Themen der realen Welt versuchen aber wohl gelegentlich böse scheitern. Der Titel ist an sich schon eine Ohrfeige für die Opfer bundesrepublikanischer Menschenrechtsverletzungen: "Schmarotzertum, es nimmt kein Ende. Die Geschichte von Rüdiger Steinbeck" 

Wer an dieser Stelle nicht schon Magenschmerzen bekommt, ist wohl durch ähnliche Publikationen der meinungsbildenden Medien ausreichend abgehärtet.

So richtig "freundlich" geht es dann im ersten Posting weiter, ich zitiere wörtlich:

"…Mich persönlich ödet dieses Verhalten einfach nur noch an. Meines Erachtens ist das auch nicht der richtige Weg, um was gegen soziale Mißstände in unsererm Land zu tun. Immerhin hat er doch, nach eigener Aussage genug Zeit gehabt, sich mal Gedanken darüber zu machen. Offensichtlich mangelt es ihm aber an notwendiger Intelligenz (dafür umso mehr an potentieller Schmarotzerei), um zu verstehen, dass seine Einstellung, nämlich die, dass sich ja die ganze große weite Welt gegen ihn, dem armen Arbeitslosen, verschworen hat. Das ist nicht nur erbärmlich und armselig, sondern auch ekelerregend, wenn ihr mich fragt…"

Aber der Gipfel der Menschenverachtung ist noch nicht erreicht:

Er zitiert aus einem Posting von Rüdiger S.: "Habe langsam aber sicher das Gefühl, das ich aufgrund der Dummheit anderer sterben muss, damit man mich dann wenigstens „nach“ meinem Tot versteht."

Und zeigt im Anschluß sehr deutlich wie wenig ihm ein Menschenleben bedeutet:

"…Dann soll er (zumindest) mir einen Gefallen tun und einfach sterben. Diese Wahl steht ihm ja offen…"

Es wird nicht kalt in Deutschland, es herrscht schon bitterste Eiszeit!

Thomas Müller, Nürnberg email