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Hedge-Fonds alias „Heuschrecken“

Wenn heute jemand seinen Arbeitsplatz verliert, wird er in der Regel kaum die Zusammenhänge ergründen, warum er seinen Arbeitsplatz verloren hat. Zu Komplex funktionieren Wirtschaft und Finanzströme, die sich ihre besonderen Wege zur Profitgenerierung suchen. Prinzipiell ist Profit nichts Schlechtes. Abstößig wird es dann, wenn die Methodik widersinnig entgegen den moralischen Grundsätzen der Gesetzmäßigkeiten laufen, die man hinlänglich als "moralisch vetretbar" oder entgegen der ethischen Norm als human bezogenes Wirtschaften deklariert. Humanes Wirtschaften impliziert die Form, unter dessen Prämisse das Ziel erreicht wird: Die Wirtschaft ist für den Menschen da, sichert die menschliche Existenz und alles, was damit verbunden ist. Sie ist nicht dafür da, einzelnen Gruppen, die sich aus dem "moralischen System verabschieden wollen" die Individualisierung auf Kosten der Mehrheitsgesellschaft zu ermöglichen.

In dieser Individualisierung einzelner Gruppen, die man auch "die Kapitalisten" nennt, haben sich in den letzten Jahren eine Finanzarchitektur herausgebildet, die die Interessen der Mehrheitsgesellschaft konterkariert: die Hedge-Fonds.
Am Beispiel der Firma GROHE möchte ich das Funktionieren dieser besonderen Form des stringent auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Finanzmodells aufzeigen.

Bei dem Armaturenhersteller GROHE ist 2004 die Texas Pacific Group eingestiegen, die eine extrem hohe Rendite mit voller Erstattung des eingesetzten Kapitals von 1,8 Milliarden Euro in nur 18 Monaten anstrebt. Da dies nur über massive Entlassungen gelingen kann, wurde im Mai 2005 die Schließung des ersten Werkes in Deutschland eingeleitet. Mit dem Investmentmodernisierungsgesetz hat die rot-grüne Regierung ab Januar2004 Hedge-Fonds auch in Deutschland zugelassen. Anteile an in- und ausländischen Hedge-Fonds dürfen seitdem auch Privatanlegern direkt zum Kauf angeboten werden. Gleichzeitig sind bestimmte bislang nicht zugelassene Instrumente nun erlaubt – wie der Einsatz von Krediten ("Leverage") und die Möglichkeit sogenannter "Leerverkäufe". Zusammen mit anderen Fonds haben Hedge-Fonds zudem einen wichtigen Steuervorteil eingeräumt bekommen: Sie können Beteiligungen kurzfristig verkaufen, ohne Veräußerungsgewinne versteuern zu müssen.

Bei privaten Anlegern gibt es das Steuerprivileg erst ab einer Anlagedauer von zwölf Monaten. Bislang sind Hedge-Fonds überwiegend in Finanzplätzen wie den Cayman Islands oder den Bermudas registriert (sogenannte Off-Shore Funds). Hier können sie seit langem beliebig operieren, und die zu zahlenden Steuern sind auch noch minimal. Hedge-Fonds versprechen auch dann hohe Renditen, wenn es der realen Wirtschaft schlecht geht.

Hedge-Fonds sind der besondere Ausdruck der Jagd nach hohen Profiten. Diese erreichen bis zu 20 Prozent pro Jahr und mehr – auch und gerade bei schwacher oder gar rückläufiger Entwicklung der Realwirtschaft.Eine zentrale Strategie von Hedge-Fonds ist, auch bei fallenden Aktienkursen hohe Profite einzufahren. Hierbei handelt es sich um sogenannte Leerverkäufe (auch "Long Short Equity" genannt). Gehen Hedge-Fonds-Manager davon aus, dass Aktien einer bestimmten Firma fallen, leihen sie sich Aktien dieser Firma zum Tageskurs von einem Investor aus und verkaufen diese an der Börse zum aktuellen Kurs.
Sie verkaufen also Aktien, die ihnen gar nichtgehören.
Damit sich das Geschäft lohnt, muss der Kurs durch den eigenen Verkauf sinken. Dies ist möglich, wenn der Umfang eines solchen Geschäfts groß genug ist. Da die Aktien nur geliehen sind, müssen sie zu einem späteren Zeitpunkt zurückgegeben werden. Dazu werden Aktien in der entliehenen Menge am Aktienmarkt einfach zurück gekauft. Sind die Kurse zwischenzeitlich gefallen, benötigt der Fondsmanager für den Rückkauf weniger Kapital, als er für den Verkauf erhalten hat.
Abzüglich der Zinsen für das Leihen der Aktien wird so ein Gewinn in einem fallenden Markt eingefahren.


Sind die Kurse allerdings wider Erwarten gestiegen, kommt es zu einem Verlustgeschäft; je nach Volumen der Transaktion mit möglicherweise fatalen Folgen für den Fonds – bis hin zur Pleite.

Ziel einer weiteren Strategie ist es, kleinste Kursunterschiede auf unterschiedlichen Aktienmärkten durch blitzschnelles Kaufen und Verkaufen auszuschöpfen (sogenannte Arbitrage-Geschäfte).
Durch den Einsatz von sehr viel, zum Teil geliehenem Geld werden aus kleinen Kursdifferenzen hohe und vor allem schnelle Profite. Zum Beispiel kauft der Fondsmanager Wertpapiere in New York, um sie Sekunden später zu einem höheren Preis in Frankfurt wieder zu verkaufen.

Manager von Hedge-Fonds leben von genauen Kenntnissen, aber auch von Gerüchten und Vermutungen über Firmenentwicklungen. Hierbei geht es um erwartete oder angekündigte Übernahmen, Fusionen (z.B. DaimlerChrysler), Umstrukturierungen, Sanierungen oder Insolvenzen.
Entsprechend werden Aktien gekauft oder im Falle eines vermuteten Kursverfalls rechtzeitig verkauft oder leerverkauft.Unter systematischer Verwendung von mathematischen Anlagemodellen werden Trends für unterschiedlichste Werte berechnet und hieraus Kauf- und Verkaufssignale abgeleitet. Das betrifft die Entwicklung auf den Rohwarenmärkten (z.B die Warenterminbörse in Chicago) für Soja-bohnen oder Schweinebäuche, geht über Währungen und Edelmetalle bis hin zu Aktienindizes.

Kredit als Turbo.

Um sich bietende Gewinnchancen noch besser ausnutzen zu können, dürfen Hedge-Fonds auch auf Kredit spekulieren. Traditionelle Fonds haben diese Möglichkeit nicht. Hedge-Fonds setzen also nicht nur das Kapital ihrer Anleger ein, sondern leihen sich zusätzliche Mittel, um besonders lukrativ erscheinende Geschäfte mit einem noch größeren Finanzvolumen tätigen zu können. Der Kredit wird also als "Hebel" (englisch leverage) oder "Turbo" eingesetzt, um die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital zu erhöhen.

Gleichzeitig wächst in Deutschland der Reichtum beständig. Mittlerweile beträgt das private Geldvermögen rund vier Billionen Euro (!) (4,000 000 000 000 Euro). Das sind 1,5 Billionen mehr als noch vor zehn Jahren.

Dieses Vermögen konzentriert sich zunehmend auf eine kleine Schicht von Superreichen.

Auf die reichsten 10 Prozent der Haushalte kommt fast die Hälfte desgesamten Nettovermögens.

Zu dieser Entwicklung haben die letzten Bundesregierungen – schwarz-gelb genauso, wie rot grüne – durch ihre Steuerpolitik, von denen besonders Reiche, Besserverdienende und Unternehmen profitiert haben – massiv beigetragen. Gleichzeitig wurde die Binnennachfrage durch immer neue staatliche Sparrunden und der Mehrwertsteuererhöhung zusätzlich massiv geschwächt. Spätestens im Sommer 2007 werden die Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung sichtbar werden.

Steuergeschenke für Reiche und Unternehmen sind der ungeeignetste Weg, finanzielle Mittel in arbeitsplatzschaffende Investitionen zu lenken.
Stattdessen gibt man den Finanzmärkten noch mehr Futter (siehe Unternehmenssteuerreform 2008). Zugleich werden den Fonds durch die Privatisierung bislang öffentlicher Unternehmen und Wohnungsbaugesellschaften lukrative Anlagemöglichkeiten eröffnet.
Anstatt die Reichen und Kapitalgesellschaften (Aktiengesellschaften) mit noch mehr Steuernachlass zu beglücken, sollte ein Zukunftsinvestitionsprogramm für Arbeit, Bildung und Umwelt in der Größenordnung von jährlich 40 Milliarden Euro in Gang gesetzt werden.

Die 24 Milliarden bis 2009 sind angesichts des schwachen Binnenmarktes viel zu wenig und daher für den Arbeitsmarkt nicht durchschlagskräftig.

Jedenfalls würden mit einer Investititionssumme von dieser Größenordnung bis zu einer Million neue Arbeitsplätze geschaffen und der lange überfällige Schub in der Binnennachfrage ausgelöst.

Die Firma GROHE hat viele hundert Arbeitsplätze verloren. Das Eigenkapital der Firma, erwirtschaftet von den Arbeitnehmern, wurde durch einen "Kredit" ersetzt, wodurch sehr hohe Zinsen angefallen sind. Dieser Kostenschub konnte letztendlich nur durch einen massiven Arbeitsplatzabbau kompensiert werden – Arbeitsplätze, die heute noch Bestand hätten, wenn Hedge-Fonds von der Bundesregierung kontrolliert würden.

Der Hedge-Fond ist eine Finanzkonstruktion, die ihre zerstörerische Wirkung stets zu Lasten der Beschäftigten entfaltet.
Entwickelt wurde diese Konstruktion in den Vereinigten Staaten.

Peter Christian Nowak
Redaktion: !Tacheles – Im Namen des Volkes?!
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