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Sozialisierung durch kapitalistische Eselstritte?

Wie die Finanzindustrie Kinder und Jugendliche indoktriniert

Kommentar von Joachim Weiss

Das nachstehende Zitat aus der Schwäbischen Zeitung verdient die Aufmerksmankeit eines größeren Leserkreises, denn es liefert ein bemerkenswertes Beispiel für die Skrupellosigkeit, mit der sich mittlerweile selbst provinzielle öffentlich-rechtliche Institutionen an der Heranzüchtung von Habgier und sozialer Inkompetenz unter Jugendlichen beteiligen:

“(Pfullendorf/Messkirch/cr) Die Würfel sind gefallen, die Sieger beim 27. Planspiel Börse stehen fest. Die besten Jung-Broker aus dem Geschäftsgebiet der Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch kommen diesmal aus Pfullendorf.

Siegte 2008 ein Team der Realschule Meßkirch, stehen dieses Mal drei Schüler des Staufer-Gymnasiums aus Pfullendorf ganz oben auf dem Siegertreppchen. „Wir haben die Kraft“ (Christoph Kempter, Yannik Hofmann und Tobias Restle) konnte ihr fiktives Startkapital in Höhe von 50 000 Euro innerhalb von drei Monaten auf 54 599,41 Euro erhöhen und liegt damit hauchdünn vor den zweitplatzierten „Finanzhaien“ von der Grafen-von-Zimmern-Realschule Meßkirch (Depotwert: 54 177,14 Euro). Die Bronzemedaille erringt „Interracial Partners AG“ (Depotwert: 53 346,07 Euro) vom Staufer-Gymnasium Pfullendorf.

„Ausschlaggebend für unseren Erfolg war, dass wir in Zeiten der Grippe und Schweinegrippe auf die Pharmakonzerne gesetzt haben“, erklärte Yannik Hofmann das Geheimnis des Erfolges seiner Gruppe. Einen Sonderpreis gibt es für die genaueste Tippabgabe auf den Wert des EuroStoxx 50 zum Spielende. Den besten Treffer landeten „Walters Jungs“, ebenfalls vom Staufer-Gymnasium.” (1)

Zweifellos ist es gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtig, Jugendliche auch im Schulunterricht auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld vorzubereiten. Warum diese Wissensvermittlung in Pfullendorf/Messkirch durch kapitalistische Eselstritte erfolgt und zu allem Überfluss auch noch durch mediale Verherrlichung von unsolidarischem sozialfeindlichen Verhalten belohnt wird, ist für den Verfasser dieser Kritik nicht mehr nachvollziehbar. Möglicherweise handelt es sich um eine neue Form von Kindesmißbrauch, die dringend ein Stoppschild benötigt?

5.1.2010. Joachim Weiss. / www.gegen-stimmen.de

Links & Quellen:
“Schweinegrippe: Christoph, Yannik und Tobias setzen auf Pharmakonzerne”, Artikel vom 4.1.2010 in der Schwäbischen Zeitung online lesen…