Die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen

Dienstag, 27. Februar 2007, 21:38

Die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen".Das war der Satz der hier die Blödzeitung und die etablierten Parteipolitiker aufheulen ließ. Das es aber hier und anderswo, hunderte von Millionen Menschen gibt, die diesen Satz ebenfalls als Gebetbuch tragen, hat sich wohl noch nicht rumgesprochen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Der Staat, der Terrorist und die späte Rache!

Nach 24 Jahren Vollzug richtet der ehemalige RAF ,,Terrorist’’ Christian Klar zum einen, ein Gnadengesuch an den amtierenden Bundespräsidenten, zum anderen ein Grußwort an die in Berlin stattfindende Rosa-Luxemburg Konferenz.
Beides sind von einander getrennte Dinge und doch passen sie nahtlos ineinander.

24 Jahre ununterbrochene Gefangenschaft,  haben  Christian  Klar bewogen, zum zweiten mal ein Gnadengesuch zu schreiben. Das erste erhielt noch der damalige Bundespräsident Johannes Rau, der obwohl nach allgemeiner Auffassung, bekennender Christ, es ablehnte Gnade zu erteilen. Bruder Johannes sah nach eigenem Bekunden nicht das Leuchten der späten Reue auf Klar’s Gesicht und folglich gab es auch keine Unterschrift.  Manchmal glaube ich wenn Jesus Christus noch einmal diesen Planeten besuchen könnte und sehen würde, mit welcher unchristlichen Härte seine Jünger hier ans Werk gehen, der Meister würde an sich selbst verzweifeln. Nun aber tat Klar was andere auch machen, er schrieb ein zweites Gesuch in der Hoffnung auf den Nachfolger von Rau der auch praktizierender Christ ist und folglich dessen Gebote kennen sollte.  Danach setzte er sich in seiner Zelle hin, nahm den Kugelschreiber oder was auch immer und  richtete das Grußwort an die Menschen auf oben genannter Konferenz, in dem er zur Überwindung des Kapitalismus aufrief und auf eine bessere Weltordnung hofft. Das dann zu allem Überfluss auch noch von Prof. Fink verlesen, der als der Stasi Freund schlechthin beschimpft wird, galt nun als das non plus ultra der nicht auf Knien getätigten Reue. Das reichte um alle Rachegeister blitzschnell auf den Plan zu rufen. Von Bosbach (CDU) Söder (CSU) Thierse(SPD) bis hin zu Westerwelle (FDP) schienen alle nur darauf gewartet zu haben das so etwas passiert. Nun jault die gesamte politische Elite auf  und ruft im Chor nach dem Scharfrichter. Meinungsfreiheit ja sicher, aber nicht für Knackis über 54 Jahre. Freiheit in Wort und Schrift, na selbstverständlich, hat das Bundesverfassungsgericht ja heute bestätigt, aber bitte nicht für einsitzende ex- Terroristen. Alles schreit und geifert und die Blödzeitung gibt wie immer dabei die Marschrichtung an. Nur wenn man das Grußwort als Maßstab für seine Gesinnung nimmt, was kommt eigentlich dabei heraus. Den Kapitalismus abschaffen, ja wollen viele, darunter auch ich. Eine andere politische Ordnung, ja wollen ebenfalls viele, darunter auch ich.  Und ich gehe da noch weiter als Christian Klar. Bei einer neuen Weltordnung kann ich mir gut vorstellen dass diejenigen die jetzt  am heftigsten nach Rache schreien, in Bruchsaal und Moabit sitzen würden und  dann  aus ihren Zellen Gnadengesuche  z.B an mich richten müssten. Ich bin aber kein praktizierender Christ, ich bin und das macht den Unterschied, getaufter Katholik und somit nicht zur Barmherzigkeit meinen Feinden gegenüber verpflichtet.

Zum Schluss noch folgende Bemerkung. Ich will hier weder die Taten eines Christian Klar en beschönigen noch Mord und Totschlag legalisieren. Ich will ganz einfach dass ein Mensch nach einem vierteljahrhundert im Gefängnis die Chance erhält seine sich dort bewahrte freie Meinung auch fürderhin in Freiheit auszuüben. Wenn er in seinem Grußwort zu Mord und Totschlag aufgerufen hätte, dann dürften die jetzigen Schreier noch lauter schreien, aber nur weil einem populistischen Boulevardblatt und einigen ProvinzpolitikerInnen die Abschaffung des Kapitalismus nicht behagt, hier gleich eine weitere Karriere im Terrorgeschäft zu vermuten , geht entschieden zu weit. Nun dürfen wir aber alle gespannt sein wie Herr Köhler sein praktizierendes Christentum sieht und entscheidet. Jesus hätte ohne auch nur einmal zu zögern zu Gunsten des Sünders entschieden. Bei Herrn Köhler habe ich da jetzt so meine Zweifel.

K.H. Strohmeier, Gelsenkrichen