Die Ärmsten zahlen die Zeche

Samstag, 27. September 2008, 12:47

Ein 700 Milliarden Finanzrettungspaket brauchen die Ärmsten und nicht die Banken, denn die Ärmsten zahlen die Zeche der Reichen

In diesen Tagen erleben wir eine Debatte über eine wirtschaftliche Rettungsaktion zur Lösung einer Finanzkrise, die droht, die Wirtschaft der am meisten entwickelten Länder zu erschüttern und Abertausende von Familien arbeitslos werden zu lassen. Im US-Parlament wird das 700 Milliarden US-Dollar teure Finanzrettungspaket der Bush-Regierung heftig diskutiert, und die amerikanische Regierung versucht, die Verluste der amerikanischen Banken weltweit zu sozialisieren.
Diese Aktion ist von ungeheurem Ausmaß. Die Beträge übertreffen jene um ein Vielfaches, die für die gesamte internationale Hilfe zur Bekämpfung der weltweiten Armut bereitstehen.

Da stellen sich doch sofort zwei Fragen: Wie kann es zur Aufstellung einer Rettungsaktion für ein marodes, neokapitalistisches Finanzsystem kommen, während es fast aussichtslos ist, den weitaus geringeren Betrag für das Überleben des Ärmsten dieser Erde zu bekommen? Wie sind wir in der Lage Mittel zu finden, um eine marodes Finanzsystems zu retten, während wir nicht in der Lage sind, die notwendigen Mittel für Investitionen in die Entwicklung der ärmsten Regionen der Welt zu stecken? Die für eine Soforthilfe in den ärmsten Ländern nötige Summe steht in keinem Verhältnis zu den ungeheuren Höhen der Summen, die für Rüstung ausgegeben werden. Weniger als die Hälfte der weltweit für die Rüstung bestimmten Summen würde ausreichen, um den Millionen Armen dauerhaft aus der Not heraus zu holen.

Nach offiziellen Angaben leben heute in Afrika 535 Millionen Menschen ohne Stromversorgung. Diese Zahl wird bis 2030 voraussichtlich auf 586 Millionen ansteigen. Die Staatschefs der G8 Staaten verpflichteten sich 2000 selbst, die Armut bis 2015 zu halbieren. Daher sind sie jetzt gefordert, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um extreme Armut, Hunger, Krankheiten und Analphabetismus zu bekämpfen. Vor 60 Jahren erfolgte die weltweite Deklaration der Menschenrechte. Deshalb muss jetzt der gemeinsame Kampf gegen extreme Armut, Hunger, Analphabetismus und Krankheit verstärkt werden. Dies ist nicht bloß ein Akt der Großzügigkeit und der Nächstenliebe. Wir leben in einer Welt, in der wir alle Verantwortung für die Ärmsten haben. Der Tod von fast zehn Millionen verhungerter Kinder pro Jahr ist eine Abscheulichkeit. Das kann nicht länger toleriert werden. Ist das Menschenwürde? Haben die Politiker ihre Versprechungen zur Halbierung der weltweiten Armut bis zum Jahr 2015 schon vergessen?

Ein weiteres Problem ist die Umweltverschmutzung. Der dadurch ausgelöste Klimawandel betrifft alle Menschen. Allerdings werden die Armen von den Auswirkungen ungleich härter getroffen als die Reichen. Es ist paradox, dass gerade die Ärmsten für die von den Reichen verursachte Umweltverschmutzung bezahlen müssen. Die Habsucht einiger weniger und der Klimawandel machen viel vom Fortschritt in den Entwicklungsländern zunichte. Das hat wesentliche Auswirkungen auf die Armutsbekämpfung. Die führenden Politiker der Welt müssen jetzt endlich die Beseitigung der Armut zu realisieren. Denn wir leben in einer Welt, in der alle Menschen Platz haben.

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