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Deutschlands neue „Freiheitshelden“

von Thomas Repp,

Noch nie war Deutschland so gespalten wie Ende 2009. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Angesichts immer neuer Hiobsbotschaften scheint die Politik hoffnungslos überfordert zu sein. Verschärfend kommt die Berichterstattung mancher Medien hinzu.

 

Der Angriff einer offenbar psychisch kranken Frau auf Papst Benedikt XVI. ist kaum vorbei, da hat die Italienerin schon einen mehr als 61486 Mitglieder zählenden Fanclub im Internet-Netzwerk Facebook.  Die Lausitzer Runschau nimmt das zum Anlass soziale Netzwerke scharf zu kritisieren.
Sie fordert deshalb einen Ethik-Kodex im Internet und auch für soziale Netzwerke. Es würde immer Menschen geben, die nach Ruhm und weltweiter Bekanntheit gieren. Online-Netzwerke, in denen ein einzelner Mausklick dazu beiträgt, dass Menschen Fans und Freunde werden, förderten dieses Phänomen. Nicht umsonst gehöre es angeblich in herkömmlichen Medien zum guten Ton, bei der Berichterstattung über Suizide Zurückhaltung zu wahren, um Dritte nicht zur Nachahmung zu bewegen.

 

Meinungsvielfalt im Internet ist wahre Pressefreiheit

 Allerdings ging es hier nicht um einen Suizid. Und Suizide tot zu schweigen ist auch nicht immer die richtige Lösung. Eine Zunahme der Selbstmordrate bei verzweifelten Hartz IV-Empfängern zeigt die Verzweiflung der betroffenen Menschen auf. Es kann ein zwar drastisches aber sinnvolles Mittel sein hierüber zu berichten. Allerdings gilt hier wie überall: Pauschalisierungen sind weder angebracht noch hilfreich. Immer muss der Einzelfall genau betrachtet werden. Eine wirklich objektive Berichterstattung ist nicht möglich, weil der Faktor Mensch dies unmöglich macht. Auch Redakteure können sich nur ernsthaft bemühen objektiv zu bleiben – ganz können sie weder Verstand noch Gefühle abschalten. Deshalb erscheint es sinniger möglichst vielfältig zu berichten. Die Leser können sich dann aus der Fülle der Nachrichten selber ihr Bild machen. Dieses kann auf jeden Fall umfassender und objektiver ausfallen, als es ohne Internet und ohne soziale Netzwerke möglich wäre. Denn das Internet bietet die Möglichkeit seine Meinung zu veröffentlichen ohne an Vorgaben gebunden zu sein, die allzuoft an wirtschaftliche Interessen gekoppelt sind.


Journalistische Klasse bei Print-Medien häufig nur noch zweitrangig

Wir alle kennen die Situation: Medien werden eingestuft in hochwertig und schlecht aber auch in „links“ und „rechts“, manchmal sogar in „gut“ und „böse“. Eine herausragend negativ besetzte Stellung hat die BILD-Zeitung. Dennoch wird sie mit einer extrem hohen Auflage verkauft. Unter den Magazinen stechen „stern“, „Fokus“ und „Spiegel“ hervor. Allen drei Publikationen wird jeweils eine politische Richtung zugeschrieben.
Doch so schwarz-weiß geht es in der deutschen Medienlandschaft schon lange nicht mehr zu. Wie im tatsächlichen Leben die Konturen der neoliberalen Parteien immer mehr zu einem Einheitsgrau werden, so kann auch bei Magazinen häufig keine klare politische Zugehörigkeit mehr erkannt werden. Der früher als links deklarierte Spiegel beispielsweise entpuppt sich immer mehr als Sprachrohr neoliberaler Politiker, egal welcher Couleur.
Und auch die journalistische Klasse, mit der er sonst zu überzeugen wusste, scheint nicht mehr vorhanden zu sein. So schlachtete er eine angebliche und bis heute nicht bewiesene Beziehung zwischen Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht aus, ohne Rücksicht auf das Privatleben und die Privatsphäre der beiden Politiker zu nehmen. Die Art und Weise des Spiegel-Artikels deutete auf zwei Zielrichtungen hin. Das Magazin wollte „interessant“ sein und es wollte einmal mehr über Lafontaine hetzen und so politische Stimmung machen. Keinesfalls ging es hier um sachlich korrekte Berichterstattung. Kein Wunder, dass der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Ulrich Maurer, dem Spiegel vorwarf die Grenzen des journalistischen Anstands endgültig überschritten zu haben. „Das ehemalige Nachrichtenmagazin ist zum Boulevard-Blatt verkommen“, wetterte Maurer.


Abhängigkeiten verhindern objektive Berichterstattung

Der Spiegel steht nur stellvertretend für viele etablierte Medien. Der Welt beispielsweise hängt das Image an eine BILD zu sein, nur seriöser aufgepäppelt. Im Interview mit Gregor Gysi (DIE LINKE) fragte der Redakteur: „Sind sie dafür, dass die Stasi-Überprüfungen auch nach 2011, wenn sie nach dem Stasi-Unterlagengesetz enden sollten, fortgesetzt werden?“ Antwort Gysi: „Ich denke, dass Bild, Die Welt und die Union schon dafür sorgen werden.“ Deutlicher kann die Abhängigkeit von Zeitungsverlagen kaum dargestellt werden.
Diese Abhängigkeit hat viele Gesichter. Bei Magazinen und großen, überregionalen Tageszeitungen spielen oft politische Abhängigkeiten die größere Rolle, bei kleinen, regionalen Tageszeitungen die Auflagenhöhe. So schreiben die Husumer Nachrichten beinahe wöchentlich, oft mehrfach die Woche etwas über die freiwillige Feuerwehr. Der Grund ist klar: In der Feuerwehr sind sehr viele Menschen aus allen Gesellschaftsschichten vertreten. Das sind potentielle Leser. Interessante Projekte im sozialen Bereich mit einer hohen Erfolgsquote haben es ungleich schwerer auch nur kurz erwähnt zu werden. Von einer ausgewogenen Berichterstattung kann nicht mehr gesprochen werden. So hat der größte und auflagenstärkste schleswig-holsteinische Zeitungsverlag (s:hz) dem auch die Husumer Nachrichten gehört, im Sommer 2009 nicht einmal über eine Großdemonstration in Berlin berichtet. Dass dort 100.000 Menschen friedlich gegen Sozialabbau und für mehr soziale Gerechtigkeit demonstriert haben schien dem s:hz keine Silbe wert zu sein.
 

Opfer sind die Schwächsten

Gerade dieses Erlebnis lässt den Schluss zu, dass die Schwächsten der Gesellschaft die Opfer dieser Berichterstattung sind. Wieder einmal ist es der Spiegel, der die neue „Berichterstattung“ deutlich aufzeigt: "Deutschland braucht Hartz V" titelte heute Spiegel-Online und suggeriert damit, dass Hartz IV in Ordnung sei. Es müsse halt noch etwas nachgebessert werden. Genau diesen Tenor hat dann auch der Bericht. Allerdings stellt Spiegel-Online klar, dass es nicht etwa darum gehen könne die Situation von Arbeitslosen zu verbessern solange die noch arbeitslos sind: "Keine Almosen für die Bedürftigen sind gefragt, sondern Reformen im Interesse der Beschäftigten. " Der Spiegel setzt auf eine Offensive im Niedriglohnsektor. "Nötig ist eine tiefgreifende Reform des Niedriglohnsektors, ein Hartz-V-Gesetz, dessen Eckpunkte wie folgt aussehen würden: Flächendeckende Mindestlöhne, Rückbau der Minijobs, niedrigere Abgaben für Geringverdiener." Dieser Ansatz ist weder neu noch fair. Denn die Arbeitslosen bleiben bei ihm auf der Strecke.

In die gleiche Kerbe schlägt heute die WELT. "Hartz IV ist verhasst, aber erfolgreich" titelt WELT-Online heute. Auch sie beschreibt wie dumm die Massen sind, die nicht erkennen, dass die Arbeitslosenquote doch um mehr als zwei Millionen Arbeitslose gesunken sei. Doch die WELT leugnet sogar jede Form materieller Armut und gibt die Schuld den arbeitslosen Menschen: "Wenn es ein Massenelend gibt in Deutschland, dann sicher kein materielles in Wärmestuben und an kostenlosen Mittagstafeln, sondern ein Bildungselend vor Flachbildschirmen und Spielkonsolen." Damit erklärtt sie alle Studien von Wohlfahrtsverbänden und Gewerkschaften als falch, damit schimpft sie über das Stöhnen der hochengagierten Mitarbeiter bei Tafeln und Suppenküchen und nicht zuletzt erklärt sie damit alle Betroffenen zu Sozialschmarotzern. So verbohrt sind nicht einmal neoliberale Parteien wie CDU oder FDP.
Interessant ist auch die Strategie, die sowohl Spiegel als auch WELT fahren. Um sich nicht angreifbar zu machen, deklarieren sie die Stimmungsmache als Kommentar. Die WELT geht jedoch noch weiter. Sie baut eine Umfrage in den Kommentar ein. "Sollten die Hartz-IV-Bezüge gekürzt werden?" fragt sie. Um ca. 16.45 hatten bereits knapp 5500 Menschen abgestimmt.  41% meinten: "Ja, dann werden sich die Arbeitslosen eher um einen Job kümmern."
 

Gegenwehr tut Not

Angesichts der Meinungsmache etablierter Medien erscheint der eingangs erwähnte, mahnende Kommentar der Lausitzer Rundschau wie blanker Hohn.  Wenn die Lausitzer Zeitung tatsächlich meint, dass es immer "düstere Ecken" im Netz geben wird,  "die nur vom roten Licht der Pornografie erleuchtet wird", hat sie sicher Recht. Doch auch hier gilt: Jeder fasse sich an seine eigene Nase!
Derzeit gehört die deutsche Presse 200 Familien, die den Ton angeben. Und gleichgültig ob Magazin; Wochenzeitung oder Tageszeitung – es gibt nur einige wenige Printmedien, die nicht "vom roten Licht der Pornografie erleuchtet" werden, wenn politischer oder wirtschaftlicher Druck wächst.  Nicht umsonst fordert Oskar Lafontaine schon länger eine alternative Medienlandschaft. Da kann man nur rufen: Internet-User aller Länder ruft Eure Wahrheit heraus!


Fairness ist wichtig

Dies scheint in der Tat der einzig legitime und gangbare Weg zu sein, um sen scheinbar "übermächtigen" Mainstreammedien zu trotzen. Das Internet bietet jedem die Möglichkeit sich frei zu äußern. Für einige Themen, wie beispielsweise Hartz IV, haben sich hier bereits Plattformen gebildet, die diesen Bereich fachlich sehr solide und dennoch journalistisch ansprechend abdecken. So erfahren Besucher der Website nicht nur Hilfe und wertvolle Tipps, vielmehr erleben sie auch den Versuch, dass Langzeitarbeitslose integriert und nicht ausgegrenzt werden. Eine herausragende Rolle spielt hier das Erwerbslosenforum Deutschland.  Sinnvoll erscheinen jedoch auch Netzwerke, in denen Qualität zählt und gleichzeitig über eine möglichst große Themenpalette berichtet wird. Dies kann wohl nur über die Vernetzung mehrerer Webseiten geschehen. Doch hier – wie auch bei Einzel-Internetplattformen – gilt: Fairness geht vor! Sonst begeben wir uns in die selbe dunkle Ecke wie die anderen Medien.

Welcher Weg auch immer eingeschlagen wird: Wer sich fair und engagiert im Netz gegen die unreflektierte und häufig schlicht falsche Berichterstattung der Mainstreammedien wehrt, gehört zu den neuen Freiheitshelden Deutschlands. Den etablierten Medien hingegen kann wohl nur der Titel "Mauerbauer" gegeben werden.

 

Mit freundlicher Genehmigung:
http://fair-berichten.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1082&Itemid=181