Hartz IV: „Modern verwesender Arbeitsmarkt“

Sonntag, 3. Juni 2007, 13:20

Ein wahres Märchen von Rita Schramm
Das Gammelrecht – oder der Aufschrei der Buchstaben
 

Es war einmal ein Land, in dem diese Geschichte geschah. Viele Jahre lang passierte Schreckliches in diesem und durch dieses Land, zum Leidwesen, aber auch teilweise mit Billigung von Schichten seines Volkes. Die Politik und die Justiz, aber auch die Medien und deren sponsernde "Wirtschaft" waren korrupt und skrupellos. Sie gingen über Leichen. Das hatte in früheren Jahren bereits zu zahlreichen Kriegen und wegen der menschenunwürdigen Behandlung zu Massenmorden geführt. Doch das Volk, in dessen Land dies geschah, erkannte nicht, daß sich die Geschichte längst wiederholte.

So waren in den mächtigen Positionen des Staates stets noch die "alten" Verantwortlichen oder aber deren Gesinnungsgenossen und neuen Ideen-Nachfolger zu finden. Nach außen hin bemühten diese sich, über Jahre hinweg ein ganz anderes, viel freundlicheres Bild in der Bevölkerung und bei den Internationalen von sich zu machen, um im Ansehen des Volkes nicht Einbußen zu erleiden und um abzuwarten, bis die internationale Öffentlichkeit das Interesse an der Beobachtung dieser "Politik" und "Justiz" der Willkür verlieren. Aber zusehends fand zeitgleich ein Kampf gegen die "kleine", arbeitende Bevölkerung statt, das Proletariat. 

Man nahm ihm zum größten Teil zwecks Weltbeherrschung, Unterdrückung und Mundtotmachung die Arbeit und damit die Existenzgrundlage weg. Hierunter litten besonders die Familien, Frauen und Kinder, denen mittels Raubzug der Privatisierung und Teuerung der Zugang zu Schulbildung, Studium und Beruf geraubt wurde. Dem arbeitenden Rest der Bevölkerung widerfuhr in gleicher Zeit massiver Druck bei der Arbeit. Man drohte, wann immer sich Gelegenheit fand, und die fand sich immer, mit der Arbeitsplatzverlagerung, Lohnkürzung oder Kündigung.

Zu viele stünden, sagte man jenen, die noch beschäftigt waren, "auf der Straße", jederzeit und sofort zur Arbeit als "Ersatz" zur Verfügung und wären außerdem viel billiger. 

Schwerst Kranke und nicht mehr Arbeitsfähige wurden andererseits trotz unerträglicher Schmerzen massenweise zur Arbeit genötigt. Die Löhne und im Gefolge derer auch die Renten wurden angesichts dieser Verhältnisse unter die Armutsgrenze gedrückt. Die Absicherung der Bevölkerung für den Fall von Krankheit, Erwerbsunfähigkeit und Alter wurde schließlich ganz gestrichen. Familiäre Absicherung wurde respektlos attackiert. 

Die Möglichkeit, familiäre Notfälle aus eigener Kraft zu stemmen, wurden den Familien geraubt. Die Arbeitslosen wurden erniedrigt, diffamiert, willkürlich behandelt (=schikaniert) und in der Öffentlichkeit und den Medien von Seiten der Politik und Justiz durch allerlei Spitzfindigkeiten ihres Ansehens, Respektes und guten Rufes beraubt, ausgebeutet, versklavt und zu menschenunwürdigem Dasein unter behördlichem Einsatz von Aushorchungsmethoden gezwungen und kriminalisiert. Die Hetzkampagne war furchtbar und diente nur der Profitgier der Macher.
Anfänglich machte bei der üblen Nachrede gegenüber Arbeitslosen auch ein Großteil der Bevölkerung kräftig mit, weil sie den Lügnern aus Politik, Justiz und Medien (einschließlich Wirtschaftsexperten) blindlings glaubten und selbst habgierig, geizig, eitel oder aber schlichtweg nur desinformiert, gutgläubig oder naiv waren, bzw. sich gewohnheitsmäßig bequemten, ohne selbst nachzudenken, stets alles nachzuplappern, was andere sagten.

Sie, das heißt, jene Bevölkerungsschicht, hatte noch nicht begriffen, dass das, was mit den Arbeitslosen bereits seit Jahren/Jahrzehnten geschah, ihr künftiges eigenes Los besiegeln wird. Ein Los, das ebenfalls als Tribut für die Raubzüge der Reichen Pate stand.

Es war aber in den Reihen der Verantwortlichen des Staates vorbekannt, dass jahrelange Massenarbeitlosigkeit die Menschen unter solchen Bedingungen in den Freitod trieb.

Dies wurde sogar in der Geschichte des Landes durch eine Ursachenforschung bereits vor vielen Jahrzehnten festgestellt, weil man sich darüber wunderte, warum sich so viele Menschen das Leben nahmen, weshalb man dann beschloss, erstmals ab jenem Zeitpunkt die Arbeitslosen statistisch zu erfassen. Das lag aber inzwischen weit mehr als 50 Jahre zurück, dass diese Arbeitslosenstatistik sogar zum Politikum erklärt wurde. 

Das hatte aber, obwohl bekannt, keinerlei Auswirkung auf die Handlung von Politikern, Justiz oder Wirtschaftsbossen und schon gar nicht auf die Medien, welche maßgeblich die "öffentliche" Meinung mit dubiosen Berichtmethoden zu diesem Thema negativ prägten. 

Dazu dienten auch die von der Politik manipulierten statistischen Arbeitslosenzahlen durch ständig veränderte Erfassungsmethoden, Willkürgesetze und angeordnete behördliche Maßnahmen.

Bis dahin war in diesem Land so viel Schreckliches schon passiert, dass die Betroffenen und dadurch geschädigten Bürger in ihrer Not allerlei Beschwerden vortrugen. Sie machten es mündlich, das war erfolglos und später ohne Beweiskraft. Sie beschwerten sich schriftlich, massenweise, wiederholt, doch auch das half nichts. Die korrupte und reiche Machtgesellschaft scherte dies nicht, obwohl die Beweise erdrückend und das Unrecht am Volk himmelschreiend war, aber das interessierte die Justiz wiederum nicht. 

Diese Ignoranz, Arroganz, Habgier, Korruption, Herrsch- und Kriegssucht nebst Medienzensur und Wahlbetrügereien der Regierenden und verantwortlichen Machthaber war so schlimm, daß dadurch die Schulden billionenschwer waren, und damit die Abgaben- und Steuerlast für die Bevölkerung auf das 50- bis 100fache stieg, ohne dass das Volk dafür selbst irgend eine "Leistung" erhalten hätte. Im Gegenteil.

Mit dem Geldeinzug waren die Machthaber jedoch erst verzögert, damit das Volk nicht sofort merke, auf wessen Politik diese Zahllast zurückzuführen wäre und man ersann sich zwischenzeitlich allerlei Lügen, um dem Volke weis zu machen, dass es ja angesichts dieser Argumente (welche aber nichts als Lügen waren), doch massiv sparen müsse, um künftig immer mehr Geld an die ständig leere Staatskasse abzudrücken.

Dazu bediente man sich auch willkürlicher Vergleiche mit anderen Ländern. Das Volk litt zunehmend unter diesen Bedingungen und es wurde bald offenbar, dass die Macher und deren Korrumpel nicht das Geld wert waren, was sie alle aus Staatskassen erhielten, welches sie in Banken in aller Welt verschoben. 

Den so um ihr Lebensrecht betrogenen Bürgern blieb keine andere Wahl, als all diese ihnen widerfahrenen Unrechtshandlungen niederzuschreiben. Sie hatten kein anderes Ventil und pressten ihr Leid, ihren Kummer, ihre Sorgen und Nöte in Buchstabe und schrieben sie auf Papier.

Es waren Berge von solchen Quälereien niedergeschrieben worden, die als Beweis für vergammeltes Recht (=Unwort für Unrecht) jederzeit nachlesbar dastanden. Es heißt ja auch, Papier sei geduldig.Inzwischen hatten die Machthaber mehrfach Recht und Gesetz geändert, auch das geschah mit Buchstaben und auf Papier.

Zudem sollte eine Rechtschreibreform nach der anderen den Buchstaben und damit auch den Wörtern, deren Sinn und Inhalt (mitsamt dem festgeschriebenen Recht) mit Gewalt verändern, was in jener Zeit binnen weniger Jahre des öfteren geschah, genau so wie massenweise Etikettenschwindel und Umbenennungen stattfanden. Zudem wurden die Wörter mit immer mehr Abkürzungen verkrüppelt und somit sinnentstellt. 

Unwörter kamen in Mode und die Sprache litt am Verfall der guten Sitten und der inzwischen verrauhten Kultur, welche somit zu modern (= verwesen) begannen. 

So gequält und erpresst wurde es schließlich sogar den Buchstaben zuviel.
Sie hatten es satt, das stumme und "ausgelagerte" Gewissen skrupelloser Leute zu sein. Sie, das heißt, die Buchstaben konnten und wollten den auf ihnen abgeladenen Druck, den unerträglichen Schmerz und das fürchterliche Leid nicht mehr länger ertragen, der unter dem ihnen aufgestülpten Maulkorb (Zensur) riesengroß geworden ist.

Sie machten sich nunmehr explosionsartig Luft, stülpten den Maulkorb ab, erhoben sich vom Papier und standen auf. Sie schrieen lautstark das Leid aus sich heraus, um sich davon zu befreien. Der Schrei war fürchterlich und schmerzhaft laut. Nie hatte man bislang so etwas erlebt. Keiner wusste, dass Buchstaben zu so etwas fähig wären. 

Ja, so gingen die Buchstaben buchstäblich donnernd ertönend und vor Zorn mächtig fibrierend zu den Verursachern des auf den Buchstaben abgeladenen Unrechts, um es ein für allemal abzustellen. Sie hatten es satt, zu alldem immerzu tonlos zu bleiben und suchten sich die Verursacher des Unrechts als Tonträger aus, um sie mit deren eigenem Unrecht zu konfrontieren und sie zu erschüttern, um ihnen den Ton und die Gewalt heimzuzahlen, welche für all das Unrecht Pate stand und ob ihrer Grausamkeit eines Besseren zu erhellen.

Da freute sich nun das inzwischen wieder leer und unbeschwert gewordene Papier und dankte den Buchstaben. Es flatterte in die Luft und tanzte, ob der nun stattfindenden Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe.

Denn selbst die Buchstaben der Willkürgesetze und Willkürurteile, der Korruptionsverträge, Bespitzelungsprotokolle als auch Medienlügen, ja auch diese bislang niedergeschriebenen Buchstaben standen auf, vereinigten sich und fingen an, sich auf ihre Art an den Übeltätern zu rächen. 

Sie sangen einen Freudenchor der Freiheit und des Rechts, ein Schandlied für die Schänder.

Und seither wagte keiner mehr, mit Buchstaben, Wörtern und Papier so frevelhaft umzugehen, denn jeder musste erkennen, auch diese haben Rechte und Kraft – notfalls, um sich selbst zu wehren. Ihre Zeit war nun gekommen.

Seitdem haben auch Frauen und Kinder wieder Freude und etwas zu Lachen, weil es seither kein Gammelrecht mehr gibt. 

Das ist ein Ende einer Geschichte, das in Zukunft wahr wird und auf dass alle ein menschenwürdiges Leben haben.