Man soll nicht über Dinge sprechen, von denen man NICHTS versteht!

Montag, 2. März 2009, 08:50

(…und auch nicht DENKEN – denn DAS wird vielleicht bald bestraft…)

Es ist doch erstaunlich, in welch hohem Maße sich immer wieder Politiker, wissenschaftlich orientierte sog. „Fachleute“ u. dgl. mit den Problematiken beschäftigen, welche sich aus den Lebensbedingungen von Harz IV-Empfängern ergeben. Diese Feststellung an sich ist wohl schon ein Fehlgedanken, bzw. eine Fehlinterpretation. Denn das Problem ist der Harz IV-Empfänger selbst, wie läßt sich sonst erklären, daß ausschließlich Sanktionen, Kürzungen der Regelsätze und die offensichtliche Tatsache daß Harz IV-Empfänger grundsätzlich zu erhöhtem Konsum von Tabak und Alkohol neigen, erklären? Wobei letzteres den Schluß zuläßt, oder besser gesagt nichts anderes bedeuten würde, als das Harz IV krank macht, denn Alkoholismus ist eine anerkannte Suchterkrankung, deren beste Voraussetzung das Nichtbewältigen von Problemen in privaten (soziale und gesellschaftliche „Anteilnahme“ ist durch Harz IV erheblich eingeschränkt) und beruflichen (selbstredend) Bereichen darstellt. Mal abgesehen davon, das die Annahme und immer wieder angedeutete, dreiste Behauptung bzw. Unterstellung Harz IV-Empfänger würden ihre Regelsätze zu einem großen Teil in Alkohol und Tabak umsetzen, was eine Kürzung der Regelsätze rechtfertigen soll, eine absolute Frechheit, Diskriminierung und Verleumdung ist, wäre dies gleichzeitig ein Schuß ins eigene Knie derer, die dieses Gesetz auf den Weg gebracht und immer wieder verändert (verschlechtert) haben.




Es wäre wünschenswert und überaus wichtig für uns alle, wenn Politiker ihren Einfallsreichtum, ihre Energie und Beharrlichkeit Themen widmen würden, wo Handlungsbedarf oberste Priorität hat, spontan würden mir da solche Themen wie Amtsmißbrauch, Veruntreuung, Mißwirtschaft, Korruption, fehlende Untersuchungsausschüsse, Staatsverschuldung, Arbeitsplatzschaffung, Mindestlöhne, Ausbeutung, Pflegenotstand, Privatisierung usw. einfallen.
Jedesmal, wenn ein „Angriff“ auf Harz IV-Empfänger losgetreten wird, fragt man sich unwillkürlich, wovon in Wirklichkeit gerade abgelenkt werden soll. Arbeitslose Menschen werden hier seitens vieler unsozialer, inkompetenter Politiker regelrecht als Täter und Verursacher vieler sozialer Mißstände in diesem Land gegenüber der (noch) arbeitenden Restbevölkerung dargestellt. Dazu gehören auch Fernsehauftritte in sog. Talkshows wie Anne Will, bei denen eindeutige Fehlinformationen, im Grunde Lügen, über die Einkommensverhältnisse von Arbeitslosen Menschen getätigt werden, wie z.B. die Aussage, ein Harz IV-Empfänger könne ohne Abzug 400,-EUR dazu verdienen.

So und nun zu Herrn Phillip Mißfelder… – ist sich der junge Mann eigentlich bewußt, das er, wäre er Kind von Harz IV-Empfängern erst seit 4 Jahren das Recht hätte auf eigenen Füßen stehen zu dürfen, natürlich vorausgesetzt er hätte kein Abitur gemacht und studiert und sich mit Bafög und Nebenjob aus der Bedarfsgemeinschaft verabschieden können. Wir wollen doch nicht die Tatsache vergessen, das die jungen Menschen, welche eine normale Berufsausbildung beginnen weder nebenbei einen Nebenjob ausüben dürfen/können, noch die Erlaubnis ihres zuständigen JobCenter´s bekommen in eine eigene Wohnung zu ziehen, da sie dann jeglichen Anspruch auf Hilfe zum Lebensunterhalt, bzw. Kostenübernahme für Wohnen verlieren. Sie verdienen ja schließlich eigenes Geld und dürften erst ausziehen, wenn sie sich das auch leisten können. Ein Koch-Azubi z.B. 310,-EUR im dritten Lehrjahr und bitteschön davon darf er 100,-EUR abzugsfrei behalten und von den restlichen 210,-EUR darf er 20% behalten, also 42,-EUR. Das bedeutet nichts anderes, als das ein 18 bis 25jähriger Auszubildender mit einer Ausbildungsvergütung von 310,-EUR ganze 142,- EUR von seinem zum Teil hart und mit Überstunden erarbeiteten Geld „behalten“ darf, davon muß allerdings noch das Monatstiket mit 55,-EUR abgezogen werden, verbleiben dann noch ganze 87,-EUR. Na wenn das nicht die besten Voraussetzungen für einen jungen Menschen sind, mit 25 Jahren endlich auf eigenen Füßen stehen zu können/dürfen! Was hat man sich für den Start ins unabhängige Leben nicht alles zurücklegen können für Kaution, Wohnungseinrichtung angefangen beim Besteck über Bettwäsche, bis hin zum eigenen Kühlschrank, bzw. Kücheneinrichtung (viele Wohnungen stellen ja seit Jahren nur noch eine Spüle und einen Herd zur Verfügung… Na ja und sollte man als junger Mensch Unvernünftigerweise seine 87,-EUR einfach „sinnlos“ ausgegeben haben, sind da ja noch Mami und manchmal auch der Papi, die mit ihrem Harz IV-Einkommen schließlich ihr Zigarettengeld und oder Biergeld zurück gelegt haben…

Ich möchte auch noch erwähnen, das ich hier nicht zufällig von hart erarbeitetem Geld geschrieben habe, denn die Lobby der Arbeitgeber, welche seit vielen Jahren stetig gestiegen ist hat ein Maß erreicht, das einen Arbeitnehmer, man kann durchaus sagen zu einem „modernen Sklaven“ macht und das schließt auch Auszubildende mit ein. Überstunden sind die Regel, sie sind teilweise lt. JuSchG weder erlaubt, noch werden sie vergütet oder können „abgebummelt“ werden, aber es gibt keine Wahl, wie im „normalen“ Arbeitsleben vielerorts bereits seit Jahren praktiziert. Jeder Betroffene ist bestens darüber informiert, sollte er ein Problem damit haben… es stehen genug Menschen auf der Straße, die nur auf einen Platz warten…

Es ist wirklich sehr bedauerlich, das Herr Mißfelder nicht in der Lage ist, sich vorzustellen mit seiner jungen Familie durch Arbeitslosigkeit  nach 12 Monaten ALGI Harz IV-Empfänger zu werden und nachzuempfinden, wie man sich seinen Kindern gegenüber fühlt, die diese Entwicklung mit voller Härte trifft, ohne das sie sich auch nur das geringste zu schulden kommen lassen haben!
Herr Mißfelder mag ja gern Historiker sein und auch gern Rechtswissenschaften studiert haben, ich spreche ihm mit seinen 29 Jahren jegliche soziale Kompetenz ab, etwas anderes lassen seine Äußerungen gar nicht zu!
Letztendlich liegt sein Interessenschwerpunkt ja in der Wirtschaft und die geht ja bekanntlich auch gern mal über Leichen.

Dazu fallen mir doch glatt die täglich und permanent verlautenden Werbebotschaften der „Getränkeindustrie“ ein mit ihren Slogan frei nach dem Motto: „ Die schönste Belohnung für einen erfolgreichen Tag.“ z.B., oder „…wählst du ein Bier, das zu dir paßt: souverän, selbstbewußt und weltoffen.“

Na dann PROST Herr Mißfelder!