Wir-sind-wichtig

Freitag, 22. August 2008, 15:16

Beruflicher Erfolg ist der Fetisch der modernen Zeit. Über seine Schattenseiten für die Lebensqualität vieler Menschen, bei denen seelische Störungen stetig zunehmen, wird jedoch erstaunlich oft geschwiegen. Dabei treten sie immer sichtbarer zutage.

Geschäftsmänner sind gesellschaftlich hoch angesehen, Karrierefrauen werden gefördert und bewundert. Häufig sind es ungebundene Singles, die sich einen komfortablen Lebensstil leisten können – verbunden mit dem Bewusstsein, eine wichtige Rolle für ihr Unternehmen zu spielen. Was jedoch in ihnen vorgeht, wenn sie abends die Tür zu ihrer leeren Wohnung hinter sich zuziehen oder wenn sie an einem schönen Tag alleine auf einer Parkbank sitzen und wieder einmal niemanden zum unterhalten haben, darüber wird nur selten in den Massenmedien berichtet. Einsamkeit hat keinen hohen Nachrichtenwert.

Für viele mehr oder weniger beruflich erfolgreiche Alleinstehende beginnt spätestens in der Mitte ihres Lebens das große Zweifeln über die Richtigkeit längst getroffener Entscheidungen zugunsten der Karriere und gegen traditionelle familiäre Bindungen. Dies gilt für Frauen und Männer gleichermaßen, auch wenn sich bei ihnen die sichtbarsten Auswirkungen unterentwickelter sozialer Bindungen voneinander unterscheiden: Frauen flüchten sich oftmals in Depressionen, Männer verweigern häufig das Erwachsenwerden. Es stellt sich schon seit langem die Frage, ob durchökonomisierte moderne Biografien nicht weit über ein erträgliches Maß hinaus den Anforderungen des kapitalistischen Marktsystems Rechnung zollen.


Die Berliner Aktions- und Politikplattform moderne21 widmet sich der Furcht moderner Individualisten vor der Einsicht, ihr Leben allzu sehr nach den Erfordernissen der Marktwirtschaft westlicher Prägung auszurichten und einen viel zu hohen Preis dafür zu zahlen oder bereits unwiderruflich gezahlt zu haben. Der Name der neu gestarteten Projektreihe `Wir sind wichtig´ spielt auf den von Politik, Wirtschaft und Medien immer wieder neu genährten Mythos an, ausschließlich über beruflichen Erfolg und `Karriere´ könne der eigenen Existenz Bedeutung verliehen werden.


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