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„Till Eulenspiegels Tochter“ wird 50+

Jubiläumsbewerbung bei „King George“           

„Jugendfrische hin und her, erst mit 50 ist man wer“. Dies hat sich die Aktionskünstlerin und „Autörin“ Heike Pauline Grauf „zur Feier ihres gezählten 50. und geschätzten 35. Geburtstages“ auch gedacht. Und darum hat sie Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal – von der Lokalpresse scherzhaft-ehrerbietig genannt „King George“ –  unter ihrem Pseudonym „Till Eulenspiegels Tochter“ zum 28.11. eine aussagekräftige Bewerbung als Stadtschreiberin und Hofnärrin „von Ihro Majestät“ zugeschickt.  Die anARGische Tat, genannt „Aktion 50 tu’s“, ist ein Seitenhieb auf die ARGE-Maßnahme 50+.            

 

http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/zwang/training.html

 

Finanziert werden kann die Stelle nach Graufs Meinung „völlig easy“ aus Rosenthals oberbürgermeisterlicher Privatschatulle – oder „ganz spottbillig“ über den Paragraphen 16 e) SGB II. Natürlich nur, „sofern der politische Wille vorhanden ist.“

 

Für den umstrittenen Beschäftigungszuschuß hat Grauf schon seit längerem die Berechtigung in der Tasche. Beim ersten Versuch, ihn zur Anwendung zu bringen, gab’s eine überraschende Mobbing-Affäre mit Vereinsausschluß, dessen Gültigkeit am 9. Dezember vor Gericht entschieden wird.  In die Mobbing-Affäre war auch der Würzburger Ordnungsreferent involviert, der Grauf  u.a. den KOD auf die Fersen hetzte, wo er nur konnte und auf die bühnenreife Idee kam, sie während eines gemeinsamen Spaziergangs bei der Polizei abzuliefern. In Herbi-Police gibt es sehr viel „Unsichtbares Theater“, allerdings meist unfreiwilliges.

 

Da Würzburgs Oberbürgermeister nach eigener Aussage allerdings „keine Probleme“ mit Grauf hat, sieht sie dem erneuten Versuch, bei der Stadt zu landen – wo sie nach eigener Ansicht auch unbedingt  hingehört –, nicht ohne Hoffnung entgegen. Sie habe eine Super-Stellenbeschreibung abgeliefert, von der die Stadt bei Umsetzung sehr profitieren würde. „Irgendwann gibt es kein Nein mehr. Und wenn doch, dann muß ich rebellischer als die Beatles und die Stones zusammen sein. Oder ärmer.“  Graufs „Haustheologe“ ist darüber hinaus der Auffassung, daß Rosenthal diese Stelle im Direktorium sozusagen von OB’s Gnaden einrichten könnte, ohne den Stadtrat oder sonstige Gremien bemühen zu müssen.

 

Obwohl Grauf der Gewissenentscheidung von „King George“ nicht ohne Emotionen entgegensieht, will sie versuchen, einigermaßen gelassen zu bleiben. Dies fällt ihr beinahe leichter bei Rosenthal als bei den zwei Würzburger Stadtrat-LINKEN, die mehrmals öffentlich(!) erklärt haben, weder 1€-Jobber noch 16e)-Anwärter in ihren Problemen, schlimmer noch: Wünschen unterstützen zu wollen, ungeachtet der Tatsache, daß diese sich mit der real existierenden Arbeitgebersubventionierung finanziell um 30 bis 100 Prozent oder mehr verbessern können – und dies auch irgendwann müssen, wenn sie nicht in die Privatinsolvenz rutschen wollen. Doch bei der LINKEN geht es an wichtigen Schaltstellen rabiat dogmatisch zu, wie wir aus Edith Bartelmus-Scholichs Ausführungen wissen, sofern wir es nicht am eigenen Leib erfahren. „Hartz IV muß weg – aber bis dahin gibt es auch von DIE LINKE“ nicht mehr Geld“. So ist es! Unsere Freunde lassen uns zugunsten armer Opel-Kinder über die Klinge springen und uns links(!) liegen. Die Zeiten, in denen Würzburgs LINKE-Stadträtin Brechbilder einen subversiven Arbeitslosen-Verein gründen wollte, „bei dem wir uns dann selber als 1€-Jobber einstellen“, sind längst vorbei. Wir sind jetzt wer. Wir werden wegen Ämterhäufung ins Guinness-Buch der Rekorde eingehen. Wir sind die Queen.

 

Da wäre es doch fast eine Erleichterung, wenn King George Till Eulenspiegels Tochter auf die Bewerbung kotzen würde, um  s i e  nicht in Versuchung zu führen und  s e i n e  Bauchgefühle nachhaltig abzuspalten. (HPG)

 

 

 

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Heike Pauline Grauf M.A.

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Till Eulenspiegels Tochter

 

An

Seine Majestät

King George

Main König im Rathaus zum GraufeneckArt

Rückermainstr. 2

97070 Herbipolis

 

Unser Zeichen:

Aktion 50 tu’s

 

Zum 28.11.2009

 

Mit Narren von Welt

bist du King und sparst Geld!

 

 

Bewerbung als Stadtschreiberin und Hofnärrin bei Ihro Majestät –

spottbillig mit § 16e!

 

 

Eure Majestät,

Erlauchter King George!

 

 

Zur Feier meines gezählten 50. und geschätzten 35. Geburtstages erlaube ich mir, Euch mit Glockenklang und Engels Gesang, will sagen Taubengurren und chorahnischem Surren, ein quasi moosaisches Ange-Boot zu übersenden. Denn, ohne Moos nix los.

 

Nehmet das Kindlein im Korbe, das nicht auf der Wassersuppn dahergeschwommen ist, an – und setzt es nicht aus, auf den Rilkeschen „Bergen des Herzens“! Gebt ihm vor allen keinen Korb – denn es hat ja schon einen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, so hat es schon ein ganzes Korbkunstwerk, welches in einem Keller von besseren Zeiten träumt.

 

Noch „kreist der große geborgene Vogel um der Gipfel reine Verweigerung“ – doch was riskiert  I h r  für eine warme Ratsstube im Dachstuhl und ein paar wenige Euro? Den ganzen Stadtrat könntet Ihr mit Eurer königlichen Privatschatulle gut und gerne auf den Mond schießen! Um wieviel mehr also könnt Ihr einer einzigen Bittstellerin ein Arbeitsplätzlein an der Sonne gewähren. Und das für fast null und nichts! Ihr wißt es doch: Der 16e) macht’s möglich. Doch auch ohne den hilfreichen Paragraufen brächet Ihr Euch keinen Zacken aus der Krone, um die Wurzel meines Übels zu beseitigen.

 

 

Gebet des Narren Tochter, der allzeit tat, was man ihn hieß und sich Wahrheitssager und Künstler nannte, darum Asyl in der zu Pias Zeiten närrisch eroberten Türmestube, auf daß die Stadt  Herbipolis unsterblichen Ruhm erfahre. Denn es mangelt dieser Stadt nicht an Nachtwächtern, Marktbärbeln und Krimiautoren, wohl aber an Wahrheitssagern und Künstlern, die ihr Rückgrat nicht wie eine Fischgräte durch die Verlängerung ihres Rückens im Abtritt hinuntersausen lassen, indem sie die Weichspülung betätigen.

 

Richtet mir, o Majestät, in der Türmestube einen kleinen Eulenverschlag mit Internetzugang ein und ich will mich nicht nur für Geld mit Wappen und Tracht sehen lassen, sondern auch bürokratiegeschädigte Bürger empfangen, ihnen ein Ohr leihen, ihre Beschwerden in bleierne Lettern fassen und an die richtige Stelle weiterleiten. Schon jetzt findet Ihr beispielhafte Zeugnisse meines Wirkens und damit meine Referenzen als kleine Guerilla-gardening-Bomben massenhaft über Euer Rathaus verstreut. Hier gibt es viel zu tun: Zum Beispiel sammeln, wässern, einpflanzen. Zu Lebzeiten! Der Satz, der mir fast täglich aus der Straßenbahn ins Auge sticht: „Die Menschen sind so. Sie können mit dem Künstler nichts anfangen, solange er lebt“, ist mir nicht nur verhaßt, sondern zutiefst suspekt. Er spornt mich sozusagen zu Höchstleistungen an.

 

Im Rahmen dieser eminent wichtigen Integrationsarbeit betrachte ich es als eine zentrale Aufgabe, zu jeder Stadtratsitzung in meinem närrischen Festtagskleide mit der spitzen Feder in der Hand zu erscheinen, auf meinem Schelmen-Schemel, erlauchte Majestät, zu Euren Füßen zu sitzen und fleißig mitzuschreiben, was das Zeug hält. Das Ergebnis wird den Bürgern und dem Stadtrat in der lokalen Presse oder aber in einer eigens anzufertigenden Broschüre regelmäßig mitgeteilt, auf daß die Wahnkrankheit des Menschengeschlechtes durch den Blick in den Narrenspiegel ein seliges Ende finden möge. Denn die Satire ist die so bittere wie süße, salzige und scharfe Panakeia, auch genannt Panazee: d a s  Allheilmittel, der gesuchte Stein der Weisen beim Ringen um die rechte Staatsform.

 

Die Demokratie kann es nicht sein – denn wenn das Volk regieren wollte oder könnte!, so würde es der Qual zuerst einmal die rechte Wahl vorziehen. Aber so wenig wie das Hirn scheißen kann, so wenig hat der Arsch eine Wahl, dies zu lassen. Der gute alte Platon hatte schon recht, zumindest zum Teil. Es gibt organische Vorgaben, gegen die keine Revolution etwas ausrichten wird: Aus einem handwerklich begabten Pfaffensohn wird keine Schule eine hochintellektuelle Päpstin machen, aus einem Phlegmatiker kein Seelenklempner einen Feuergeist, aus einem Geigenvirtuosen kein Hartz IV-Amt einen glänzenden Latrinenmann und aus einem Arsch wird ein Hirn – aber was für eins! – vermutlich nur durch Manipulation der Gene. Diese aber verabscheut jede demütige Ethik. Die Natur kennt nur den Einzelfall, die Verallgemeinerung, die der gestürzte Mensch in seiner Habgier und zur scheinbaren Vereinfachung erfunden hat, ist ihr egal.  Das „Volk“ ist somit ein Gaukelspiel, mit dem uns der „Staat“, den eine Handvoll Verbrecher erfunden hat, nach Strich und Faden über den Löffel barbiert. Das Volk – der alte Soldat mit dem zahnvortäuschenden Löffel im eingefallenen Maul – muß endlich abdanken, um den Individuen, die in Wahrheit existieren, zu ihrem alleinigen und angestammten Rechte zu verhelfen.

 

Der „völkische“ Wahn, der uns aus dunklen Zeiten verfolgt, muß ein Ende haben. Niemals können Revolution und Aufklärung gemeint haben, daß ein VOLK regieren solle, sondern einzig Weisheit und Vernunft. „Habe MUT, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ so lautete die Losung. Was daraus gemacht wurde, das haben wir erlebt: Selbsternannte Tyrannen hatten den  frevlerischen Übermut, sich ihres eigenen Volkes zu bedienen, und wie eh und je, waren demokratische Wahlen  nichts als eine Farce. Die Demokratie ist nicht die beste aller schlechten Staatsformen, die Demokratie ist ein Denkfehler.

 

Dabei rede ich mit meinem SCHEINBAR verfassungsfeindlichen Angriff auf  unsere „Staats“form weder der Anarchie das Wort, noch wünsche ich eine weitere Revolution oder einen abrupten Sturz des Systems. Ich habe lediglich den Mut, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen und konstatiere: Selbst wenn die Demokratie letztendlich kein Denkfehler wäre, so leben wir gegenwärtig dennoch ganz und gar nicht in ihr. Wir leben vielmehr – wofür „KING GEORGE“ der beste Beweis ist – in einer Vielzahl von kleinen halbabsolutistischen Monarchien, die von Hofschranzen, genannt Stadträte oder sonstige politische Abgeordnete mit ihrer Leibeigenen, der Hofpresse, aufgeblasen und mit gespenstischem Leben gefüllt werden. Nein, ich sehe keine Spur von Volk – und alles ist Frisur. Hier die alte Tonsur – und dort die alten Zöpfe. Nein, im „Allgemeinen“ hat sich nichts geändert und wird sich vermutlich niemals etwas ändern.

 

Nur im Besonderen, dort, wo das Individumm erwacht, besteht die Möglichkeit für eine grundlegende Transformation. Kein Reicher braucht Vorschriften, um sein Vermögen freiwillig an Arme zu verschenken, kein geknechteter Arbeitnehmer braucht die Erlaubnis, dem Arbeitgeber die Stirne zu bieten, kein Mensch braucht ein Gesetz, um auf den verbrecherischen Genuß von Fleisch aus Massentierhaltung zu verzichten, besser noch auf den Verzehr von Mitlebewesen überhaupt. Wer ein Gewissen besitzt und die Fähigkeit des Mitfühlens, bei dem geht alles ganz von selbst. Wie beim gesunden Körper. Der Darm entleert sich, weil es seine natürliche Aufgabe ist, und das Hirn denkt, weil es nicht anders kann.

 

Und darum bitte ich Euch, King George, in diesem historischen Augenblick, das gesunde Individuum in Euch zum Leben zu erwecken und eine Gewissensentscheidung über des Narren Tochter zu fällen. Schon lange habe ich meinen Geist in meines Vaters Hände gegeben. Vor Deine Füße, König, werfe ich meinen Leib.

 

Du hast die Macht, mit einem winzigen Augenschlag, mit einem winzigen Betrag und einem kleinen Paragraphen, die kleine Welt, die Du regierst, großartig zu verändern.

 

Könige brauchen Narren. Auch bist Du schon fast so alt wie das ausgediente Volk und hast nichts mehr zu verlieren. Edelmütiger und rühmenswerter wäre zwar, Du hättest etwas zu verlieren.

 

Dennoch rate ich Dir: Tu’s!

 

Denn es geht um viel. Mein Leben ist der Testlauf, ob man’s nicht doch auch mit natürlicher Begabung und Ehrlichkeit zu etwas bringen kann außer dem beklagenswürdigen van Gogh-Syndrom.

 

Mit dem bislang erfolglosen 35-jährigen Einsatz dieser Werte und Verlustiggehen eines gesicherten bürgerlichen oder auch nur halbwegs existenzsichernden menschenwürdigen Lebens grüßt vom Rande der Gesellschaft unbeugsam und resistent

 

 

 

 

Till Eulenspiegels Tochter

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt:

Heike Pauline Grauf M.A.

97080 Würzburg

fool-time@gmx.de