Ein „Stadtgespräch“ zum Thema „Gesundheitsdeform“

Sonntag, 3. Juni 2007, 13:28

„Warten bis der Groschen fällt“ – BRD im Jahre 2006 
Drehbuch bzw. Hörspiel von Rita Schramm

Frau Schulz zu Frau Mayer am Marktplatz:  „Hast Du’s auch schon gehört?“ 
Frau Mayer: „Was?“ Frau Schulz:  „Na, das mit dem Otto“
Frau Mayer:  

„Welchem Otto?“
Frau Schulz: „Na, dem Ottl Staat, deinem Nachbar?“

Frau Mayer: „Nee, was war mit dem?“

Frau Schulz:
„Der hat doch Korruption fressen müssen, weißt Du das nicht?“

Frau Mayer: „Mach Sachen, davon hab ich nichts gewusst!“

Frau Schulz:
„Ja, den haben sie mit Korruptionsvergiftung notfallmäßig gestern abend ins Krankenhaus einliefern müssen, der war ganz schlimm d’ran.

Den mussten sie reanimieren, der wär sonst schon weg vom Fenster. Das hast Du gar nicht gewusst?“

Frau Mayer:

„Woher denn, ich war doch gestern gar nicht da. Und wie geht es dem jetzt, ist er über’m Berg?“

Frau Schulz:

„Nee, denk nur, der Arzt hat bei ihm Herzrhytmusstörungen mit schweren Aussetzern festgestellt. Der Otto hat kaum mehr einen Schnaufer gemacht, der war schon fast im Koma, so leblos hat der ausgesehen. Dem sein Herz ist bloß noch gerast, man hat kaum mehr einen Puls gefühlt und der Blutdruck war auch ganz niedrig.“ F

Frau Mayer: „Und wie ist das überhaupt passiert, was war denn da los?“

Frau Schulz: „Das weiß auch keiner, seine Ottilie hat nur erzählt, da war einer da, der ihm etwas ins Essen geschüttet hatte, damit er nix ausplaudern kann, was er über unsere Polit-Justiz-Korrumpel so alles weiß. – – Ich find das schlimm. “

Frau Mayer:
„Und was machen Sie jetzt im Krankenhaus mit ihm?“

Frau Schulz:
„Das glaubst Du ja doch nicht. Der hätte sofort eine Infusion bekommen sollen, aber jetzt hör, denen fehlt angeblich das Geld, besser gesagt, die Kostenzusage von der Krankenkasse dazu. – – Da kommt unsereins, hat ein Leben lang in diese Kasse eingezahlt und wenn ihm dann so etwas zustößt, dann haben die nicht einmal s’Nötigste für einen, um einen sofort zu versorgen. Was sagst Du dazu?“

Frau Mayer: „Das ist ja unglaublich, so eine Sauerei.“ – „Ja und jetzt?“

Frau Schulz: „Tja, jetzt geht die Maschinerie der Bürokratie los, dafür haben sie aber Geld. Die Krankenhausverwaltung hätt’ zwar gesagt, dass die Ärzte die notwendige Infusion schon mal ans Krankenbett bringen können, doch sie müssten zuerst die Kostenzusage von der Krankenkasse vorliegen haben, sonst kann er die Infusion nicht bekommen. Hast Du da noch Töne?“

Frau Mayer:
„Nee, das verschlägt jetzt sogar mir den Atem.“

Frau Schulz: „D’Ottilie hat mir erzählt, dass die Krankenhausverwaltung vom Krankenkassenvorstand gesagt hätte, dass sie selber noch gar keine Freigabe für die Kostenübernahme von der Politik hätte. Die müssten angeblich erst einmal das neue Gesundheitsreformgesetz beschließen, da sitzen die jetzt erst dran. Aber das könne dauern, hat die Ackermann von der Kasse gesagt.“

Die Presse hatte sich eingeschaltet – was eine Ausnahme darstellt – denn sonst interessiert sich die nicht für „Einzelschicksale“. Aber, weil’s jetzt eine Gesundheitsreform gibt, nur deshalb sei es für die interessant.

Frau Mayer zu Frau Schulz am Nachmittag: „Hast Du das in der Zeitung gelesen?“

Frau Schulz:
„Was?“

Frau Mayer: „Wart, ich les Dir’s vor, ich hab die Zeitung g’rad parat“:

>>Frau Ackermann, Gesunde Krankenkasse, Musterstadt, hatte im Fall Otto Staat telefonisch beim Landessozialministerium angefragt. Sie wollte den Landessozialminister sprechen, weil es sich um einen sehr wichtigen Notfall handelte, für den die Gesunde Krankenkasse die politische Kostenübernahmeerklärung brauche. Das Landessozialministerium, Abteilung Gesunde Krankenkassen erklärte, dass der Minister momentan nicht zu sprechen sei. 

Der sei derzeit mit seinem Jobwechsel zur Lottogesellschaft beschäftigt, dort sei der jetzt Chef. Deshalb müsse er jetzt sofort seinen Ministerschreibtisch räumen, das hätte nun Vorrang. Anschließend habe er noch seinen Resturlaub aus Ministerzeit zu nehmen.

Und die Nachfolge des Ministers ist auch noch nicht geklärt, da auch der Nachfolger vom Sozialminister ein „Weg-Renner“ ist.

Es sei zwar richtig, dass das Landessozialministerium für die Gesundheit der Bevölkerung vom Ländle zuständig sei, aber in diesem Fall liege die Sache etwas anders, weil derzeit ein Bundesgesetz beschlossen werden soll. Und für Bundesgesetze sei das Bundesministerium für Gesundheit und Soziales, die Frau Ministerin Ulla, zuständig. Das bearbeite seit Monaten das neue Gesundheitsreformgesetz.<<

Frau Schulz:

„Hm, ‚Bundesministerium für Gesundheit und Soziales’, so ein Quatsch, das ist doch das Bundesministerium für soziale Verunsicherung, so heißt das bei uns! Bei denen weiß doch keiner mehr aus dem Volk, wo er d’ran ist, was er noch an Sicherheit bekommt, die würden uns noch den Verstand rauben, wenn die nur könnten. Aber man soll ja so etwas nicht zu laut sagen, sonst fällt denen auch da noch etwas ein. Das ist ja ungeheuerlich, was die sich alle uns gegenüber leisten, das ist ja unglaublich!“

Frau Mayer weiter: „Jetzt hör nur, was die weiterschreiben, von der Presse: Die Ulla, also die vom Bundesministerium für G. u. s. S. habe erklärt, dass das Reformgesetz derzeit von den regierenden Parteien verhandelt würde.“

Frau Schulz: „Ich versteh gar nix, was ist den das Bundesministerium für G. u. s. S.?“

Frau Mayer: „Das ist das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung, die kürzen doch immer alles ab, damit man nicht mehr verstehen soll, wovon die reden. So machen die das doch auch mit den Umbenennungen von Ministerien und Ämtern, bis keiner mehr weiß wer wofür zuständig ist und was Sache ist, das hat System. Und nebenbei streichen sie dann Amtsleistungen und Leistungsansprüche von unsereins und wir haben deswegen das Nachsehen.“

Frau Schulz: „Ach so, jetzt versteh’ ich’s!“

Frau Mayer weiter: „Hör, was die weiterschreiben: Ministerin Ulla Schmidt erklärte, sie hätte noch keine rechtskräftige Reformvorlage dazu, sie würde aber, sobald diese vorliege, der Gesunden Krankenkasse sofort Bescheid geben lassen. Man möge sich aber noch etwas gedulden. Schließlich sei das ein langwieriger und schwieriger Prozess. Sie versicherte jedoch, dass die Bundesregierung postwendend von ihr in Kenntnis gesetzt würde, dass hier ein schwieriger Notfall vorliege, wies aber darauf hin, dass die finanziellen Reserven wegen der Anschaffung von Pockenserum und Patienten-Chipkarten knapp seien.“

Frau Schulz:
„Ja, dafür haben die Geld, für so einen Blödsinn, als gäb’s noch Pocken. Und wozu eine Patienten-Chipkarte? Die hat nur ein Schweinegeld gekostet, kein anderes Land hat so einen Blödsinn. Die und  ihr neumodisches technisches Zeug, das ist doch gar nichts für unsereins, wir brauchen die Versorgung vor Ort und sonst nix.

Die sorgen mit ihrer Patienten-Unterversorgung dafür dass es nicht einmal mehr Patienten gibt, ist’s nicht so? – Die und ihr Größenwahn, die haben’s doch bloß auf unser Geld abgesehen, mehr haben die erst gar nicht mehr im Sinn.

Chipkarte, wenn ich das nur schon höre. Da haben wir’s doch. Am besten man sagt ihnen gleich den Geheimcode von der Bankkarte, die PIN und die TAN, so dass sie direkt abbuchen können. Vielleicht ist ihnen ja deshalb die Idee mit der Patienten-Chipkarte gekommen, damit man später die Rechnungen von den Konten der Patienten direkt vom Arzt und Krankenhaus aus abbuchen kann. Da stecken doch wieder einmal die Banken- und Versicherungskonzerne dahinter, nicht, hab’ ich recht?“

Frau Mayer:
„Beruhige Dich, sonst müssen Sie Dich noch einliefern wegen einem Herzinfarkt, nur weil Du dich darüber aufgeregt hast und wer weiß, was Dir dann passiert?“

Frau Schulz: „Da hast Du wieder Recht. Hab’ ja neulichs so Probleme gehabt, dass mir die Gesunde Krankenkasse überhaupt meine Arzneikosten übernommen hat, nur weil der Arzt nicht eine extra Begründung dazu abgeliefert hatte. Da kann einem noch der Blutdruck in die Höhe schnellen, nur weil  einem die Gesunde Krankenkasse die Kostenübernahme verweigert. Ich glaube fast, das ist Absicht von denen und der Politik.“

Frau Mayer: „Du magst ja schon Recht haben, aber unsereins muß aufpassen, dass es nicht richtig krank wird, Du weißt schon. Halt Dir immer das mit dem Otto vor Augen!“

Frau Schulz am nächsten Morgen zu Frau Mayer:
„Guten Morgen!“

Frau Mayer: „Guten Morgen! Wie hast Du geschlafen, nach den Aufregungen von gestern?“

Frau Schulz: „Gar nicht gut, ich bin richtig gerädert! Ich hab’ schon einen Alptraum gehabt. Ich hab geträumt, ich wär krank geworden und der Arzt hätte gesagt, er könne nicht kommen, weil er das nicht mehr bezahlt bekommen würde. Stell Dir vor, so einen Mist habe ich geträumt.“

Frau Mayer:
„Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe gestern abend noch lang mit meinem Mann darüber geredet. Der hat sich auch mächtig darüber aufgeregt. Er hat gesagt, denen gehöre der Gehalt gestrichen, die in der Politik gehörten alle gefeuert, die seien das viele Geld nicht wert, was sie von uns bekommen.

Wenn unsereins so arbeiten würde, dann wären wir am nächsten Tag auf der Straße, hatte er gescholten. Aber wenn die auf der Straße sind, sag ich Dir, dann kassieren die nochmals kräftig ab, die und ihre großen Diäten und üppigen Pensionen, davon können wir nur träumen.“

Frau Schulz: „Ja, da hast Du Recht, mit solchen Pensionen, da lässt sich gut leben. Da kann ich mit meiner kleinen Rente, von der noch die Kranken- und  Pflegeversicherung mitsamt der neuen Rentensteuer abgezogen wird, mir nicht einmal mehr ein paar neue Schuhe leisten. Ich muß so schon sparen, wo ich nur kann und soll auch noch bei jedem Arztbesuch jetzt Praxisgebühren extra zahlen, für eine Gesunde Krankenkasse, die nix mehr zahlen will. Und die Mehrwertsteuer wollen die jetzt auch noch erhöhen, ich frag mich, wozu?“

Frau Mayer: „Zahlen, zahlen, zahlen, für nix und wieder nix. Ich möchte nur wissen, wo die all das Geld hinschmeißen und in welchen dunklen Kanälen die es verschwinden lassen, die vielen Millionen und Milliarden, Jahr für Jahr, davon sehen wir doch alle gar nix. Was machen die damit?“

Frau Schulz:
„Hast Du die Zeitung heute schon gelesen?“

Frau Mayer: „Ja, ich kann Dir heute wieder mehr dazu sagen, Du hast ja doch Deine Brille nicht dabei. Also stell Dein Hörgerät auf Empfang: – 

Die schreiben weiter:
>>Die CDU-CSU-Bundesregierung, unter Vorsitz von Frau Bundeskanzlerin
>>Merkel, teilt mit, dass sie ihren Gesetzesvorschlag
>>„Gesundheitsreform“ im Parlament eingebracht hätte. Ihr Konzept sei
>>die ‚Kopfpauschale’.<<

Frau Schulz: „Was ist denn auch das schon wieder, ‚Kopfpauschale’, die schmeißen mit Wörtern um sich, mit denen kann doch kein Mensch etwas anfangen. Das ist mal wieder so ein Bürokratendeutsch, wem das bloß immer einfällt. Das sind nur Begriffe, die uns wohl den Kopf verdrehen sollen, damit wir nicht mehr mitbekommen, wo’s bei denen lang geht?“

Frau Mayer: „Hör mal, was sie weiter schreiben, die erklären’s ausnahmsweise auch noch: >>Unter ihrem Reform-Modell der Kopfpauschale versteht die CDU-CSU, dass die Bürger als Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen  regelmäßig pro Monat ihren Pflichtbeitrag begleichen und trotzdem die Arzt-, Therapeuten- und Krankenhausrechnungen privat bezahlen. Hinterher können die Patienten dann einen Anteil des zuviel bezahlten Geldes zur Rückerstattung bei den Krankenkassen beantragen. Wann und wieviel Prozent davon dann rückerstattet würden, das sei noch nicht geklärt.<<“

Frau Schulz: „Was, wir sollen nicht nur die monatlichen Kassenbeiträge und Praxisgebühren und Arzneimittelzuzahlungen bezahlen, sondern auch noch die kompletten Arzt-, Therapeuten- und Krankenhauskosten, die spinnen doch. Und ob wir dann überhaupt noch etwas von unseren 200 % zuviel bezahlten Geldern sehen, das überlassen sie dann auch noch dem lottomäßigen oder willkürlichen Zufall? Ist ja toll. 

Die ziehen, wenn’s so weitergeht, uns allesamt noch die Haut vom lebendigen Leibe, damit sie ihre Taschen mit Geld voll stopfen können. Die haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank.“

Frau Mayer:
„Hör, was die andere Hälfte von der Bundesregierung sagt, die schreiben auch dazu was:

>>Die opponierende SPD-Bundesregierung habe erklärt, dass sie mit dem Konzept der Bundeskanzlerin, sprich dem Unions-Vorschlag von CDU-CSU, der Kopfpauschale nicht einverstanden sei. Die SPD habe daher einen eigenen Reform-Vorschlag eingebracht, nämlich eine  „Bürgerversicherung“. 

Frau Schulz: „Was ist denn das schon wieder, eine Bürgerversicherung? – Ich glaube, die reden von der Bürgerverunsicherung! – Ha!“

Frau Mayer:  „Hör, die schreiben folgendes: Mit Bürgerversicherung will die SPD ein sozialeres Konzept anbieten. Was die SPD allerdings unter der Bürgerversicherung verstehe, wisse die selber noch nicht, das müsse erst noch geklärt werden. Schließlich wisse man noch nicht, wer eigentlich „Bürger“ sei. Hier müssten zuerst die Begriffe geklärt werden. In den Reihen der SPD geht die Rege Diskussion darüber, denn so wisse man nicht, ob unter „Bürger“ der Kunde, der Vertragspartner, der Klient, der Hilfsbedürftige, der Demokrat, der Wähler von Sozialleistungen oder der Wähler von Sozialleistungserbringern oder gar der Wähler von Politik verstanden werden soll, oder ob es der Steuerzahler, der Kassenpatient, der Privatpatient oder der Selbstzahler oder nur der Beitragszahler, das GKV-Mitglied oder das Mitglied der Gesellschaft, das Mitglied der Familie beziehungsweise der Beitragsgemeinschaft sein soll oder nur der Versicherte, der Kostenverursacher, der Kostenträger, der Vollbetreute, der Gelotste oder doch nur der Verbraucher.“

Frau Schulz: „Ich glaube, die reden hier nur noch vom Verbraucher, dem unter diesen Umständen ja sicher bald das Licht ausgeht!“

Frau Mayer: „Ja, da hast Du sicher Recht, es ist eine Zumutung, was die hier an Arbeit abliefern, es ist eine Schande für das ganze Volk, so etwas als Regierung zu haben, das strapaziert schon die Nerven, da braucht man nicht mal mehr eine Partei zu nennen, die sind doch alle gleich! Alle gleich, vor dem Gesetz, ha, ich lache, da möcht’ ich mal wissen, wer da vor welchem Gesetz gleich ist. Die sind doch bestimmt ‚gleicher’. Wenn die in den Spiegel schauen, dann sollte es den zerreißen!“

Frau Schulz:
„Da möchte man bloß noch schreien, findest Du nicht?“

Frau Mayer:
„Stimmt! Aber jetzt hör, was die im Kommentar dazu weiterschreiben:
>>Das Gesetz sei in Wahrheit nichts Halbes und nichts Ganzes, was sie
>>jetzt als Entwurf eingebracht haben. Da sei von jedem Vorschlag etwas
>>übernommen, aber ohne logisches Gesamtkonzept und so sei dieses Gesetz
>>nun als gemeinsamer Vorschlag an den Bundesrat zur Anhörung der
>>Länderministerpräsidenten vorgelegt worden. Das wäre erforderlich,
>>weil ja die Länderministerien wegen deren Zuständigkeit bezüglich
>>Kostenentscheidungen anzuhören seien.<<“

Frau Schulz: „Es ist nicht zu fassen, da geht unsereins das Licht aus und die debattieren noch ein Langes und ein Breites und verprassen dafür auch noch unser Geld und sacken dafür auch noch einen großen Batzen an Kanzler-, Ministergehälter und Parlamentsdiäten ein, verschreiben unnütz Papier, telefonieren und reisen in der Welt herum und herauskommen tut nix als Murks, weil jeder von denen schön dastehen und sich auf unsere Kosten hervortun will. Die haben vom Sparen doch überhaupt keine Ahnung, die können doch nur Geld verprassen und im Luxus leben.“

Frau Mayer: „Ja, die haben halt noch nicht das Buch „Die Pflicht zur Faulheit“ von dem Professor Dr. Joachim Hirsch gelesen, sonst wüssten die, dass nicht die Menge der Arbeit, sondern die Qualität derselben und der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen das Maßgebliche und Wichtige sind, welche über gute oder schlechte Noten für eine Arbeit entscheidend sind. 

Den Schaden, den die anrichten mit ihren vielen unnützen Gesetzen, den kann man auch nicht mit noch mehr Gesetzen ausgleichen. Aber das verstehen die wohl nur, wenn sie selbst einem solchen Gesetz zum Opfer gefallen sind.“

Frau Schulz: „Da hast Du sicher wieder einmal Recht. Die wissen ja schon längst nicht mehr was die alles geschrieben haben, die haben doch längst den Überblick verloren. Wenn Du die heute etwas fragst, kennen die sich heute ja selbst nicht mehr aus, dann gehen die her und sagen Dir, Du sollst Dich von einem Anwalt beraten lassen. Weil die von der Politik von ihrem eigenen Geschäft keine Ahnung haben, deshalb brauchen die selber immer mehr Juristen in ihren eigenen Reihen und selbst die blicken’s nicht mehr, vor lauter Gesetzen, Ausnahmen und Sonderregelungen und schlampig arbeiten tun sie ja alle. Wenn Du genau hinschaust, weiß von denen keiner mehr, was für unsere Gesellschaft das Wichtige ist, die verzetteln sich doch schon seit langem in Nebensächlichkeiten und die machen sie dann zur Hauptsache. Hast Du gewußt, daß einmal ein Richter gesagt hat: >Wir machen aus Recht Unrecht und aus Unrecht Recht?< Aber genau so ist es, der hat es sogar selbst auf die Reihe bekommen, das mit der Macht und der Willkür.“ 

Frau Mayer:
„Du bringst es auf den Punkt. Schöner hät’ ich das auch nicht sagen können, Du sprichst mir aus dem Herzen.

Mal sehen, was die wohl morgen bringen. 
Weiß man jetzt schon etwas über den Otto?“

Frau Schulz: „Ne, da hat sich nichts verändert, der ist nach wie vor in höchster Lebensgefahr. Seine Frau ist zwar fast die ganze Zeit bei ihm, aber ansprechbar ist er nur ganz selten, es steht wirklich schlimm um ihn.“

Frau Mayer: „Wenn Du Ottilie siehst, sag ihr einen Gruß und ich wünsche ihrem Mann alles Gute.“

Frau Schulz: „Mach ich, das richte ich aus.“ 

Frau Mayer am nächsten Morgen: „Guten Morgen Frau Schulz, gut geschlafen?“

Frau Schulz: „Nee Du, schlafen, das ist nicht mehr drin. Ich bin die ganze Nacht wach gewesen und hab mich hin und her gewälzt. Ich hab keine Ruh mehr seither. Das mit dem Otto geht mir dermaßen nach, das kann ich gar niemandem erklären wie. Das schafft mich richtig.“

Frau Mayer:
„Kann ich verstehen, mir geht es ja schon ganz ähnlich. Auch mein Mann hat die letzte Nacht kaum geschlafen. Immer wieder haben wir in der Nacht darüber gesprochen, es hat uns auch keine Ruhe gelassen.“

Frau Schulz:
„Hast Du gestern abend im Fernsehen die Nachrichten gesehen?“

Frau Mayer:
„Ja, das war’s ja, was mich so beunruhigte. Da hatte doch der Ministerpräsident Öttinger erklärt, dass sie als Ministerpräsidenten keine Kompromisse mit der Oppositionsregierung machen werden und wenn, dann nur zu den Bedingungen der Länderministerpräsidenten.

Da geht unsereins das Licht aus und die bocken noch mit Politikgeklüngel, daß es der Sau graust. Die wollen nur einen Kompromiss eingehen, wenn etwas von der Förderalismusreform für sie herausspringen würde, und zwar das, was ihnen passt. Sie seien das gewohnt, immer ihr eigenes Süppchen nach hessischer Art zu kochen. So ist das“

Frau Schulz: „Von denen ist auch jeder sein privater Landeschef, die machen mit uns doch auch was sie wollen. Die torpedieren, wo sie nur können, die müssen das ja nicht bezahlen, ich glaube die verursachen die meisten Kosten und den meisten Mist. Dafür darf dann einem von uns das Lebenslicht ausgehen, das schert die doch reichlich wenig. Hauptsache deren Gehälter und Diätenerhöhung flutscht.“

Frau Mayer:  „Du sagst es. Genau das hatte er auch erklärt, das mit der Gehaltserhöhung für sie selber, das müsse trotz knapper und verfassungswidriger Haushaltslage dennoch möglich sein.“

Frau Schulz: „Was? Gehaltserhöhung?“

Frau Mayer: „Ja, Du hast richtig gehört, die wollen sich schon wieder eine Gehaltserhöhung genehmigen. Der Öttinger hatte das erklärt. Unsereins erzählen sie, wie wir uns begnügen müssen und wo wir zu sparen haben und dann schieben sie sich das Geld und die Gewinne in die Taschen. Ich möchte nicht wissen, was die alles so einschieben und woher, ich glaub mir würde davon nur schlecht.

Diese Burschen Länderminister sind wahrlich Weltmeister im Verschieben von Kosten zwischen Bund und Ländern und Korruption ist für manch einen von denen auch kein Fremdwort mehr, was da schon alles gelaufen ist –  man braucht ja nur aufhorchen, wenn wieder mal was an die frische Luft geraten ist, weil’s vor lauter Schweinerei bis nach draußen gestunken hat. Das war doch auch so mit dem Ex-Wirtschaftsminister Döring und der Ex-Justizministerin Werwigk, das waren ja auch solche ‚Luftgeschäfte’, da möchte man gerne mal bohren. Aber da wird nicht ermittelt, da ist Ruhe hinterm Berg und man hört und sieht ja auch gar nix mehr von dieser Sache. Das ist schon auffällig komisch, nicht wahr? Und dabei sind die nur Beispiele für vieles. Oder hat man je gehört, daß der Kohl für seine Parteispendenaffäre in den Knast mußte? Da hat er uns 10 Punkte auf’s Auge gedrückt nach der Wiedervereinigung und anschließend hat er die Verfassung ausgehebelt. Aber davon darf das kleine Volk wie wir ja nichts wissen, das weiß ich nur vom Otto, der hatte diese Schweinerei erst kürzlich aufgedeckt. ich glaube, das war die Ursache für diesen Anschlag, damit das Volk nichts davon erfahre.“

Frau Schulz: „Das hört sich ja an wie der Fall mit dem russischen Spion. Hör auf, sonst wird mir schlecht, mir ist schon schwindlig.“

Frau Mayer: „Tja, so ist das halt mit der Gerechtigkeit in diesem demokratischen Rechtsstaat! Aber jetzt hör ich auf, nicht dass Du doch noch ins Krankenhaus eingeliefert werden musst, wo Du Dir das ja gar nicht mehr leisten kannst. Da muß man ja auch noch mal für ein Paar Wochen im Jahr extra bezahlen. Das kannst Du mit Deiner kleinen Rente ja gar nicht mehr. Also denn, bis morgen!“

Frau Schulz: „Bis morgen!“