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Geld für Leistung!

Wirtschaftsjunioren möchten gute Noten „belohnen“!

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Graf

Laut einem Bericht von open-report.de und mittlerweile zahlreichen anderen Newsportalen und Zeitschriften im Internet haben die sogenannten Wirtschaftsjunioren eine Belohnung für die Kinder von Arbeitslosengeld II Empfängern gefordert, die in deren Augen von „geistiger Armut“ betroffen oder bedroht sind.

Glaubt man der Berichterstattung, so fordern diese Wirtschaftsjunioren tatsächlich einen Betrag von bis zu 100 Euro für Kinder, die dem Sachbearbeiter ihrer Eltern bei ARGE oder Job-Center, ihr Zeugnis vorlegen wenn in diesem ein Notendurchschnitt von 2,5 oder besser erreicht wird. Verkauft wird das Ganze als Anreiz für Leistungen und einer Chance „den Teufelskreis Hartz IV zu durchbrechen“.

In ihrer Euphorie über diese Forderung, die ihr „juniorenhafter Wirtschaftsgeist“ als Auserwählter zu verkündigen hat, glauben sie doch tatsächlich dass nun viele der Betroffenen von ihren Sesseln, ihrem Sofa, ihren Küchenhockern und unter den Brücken aufspringen werden und vor Freude in den Chor der Befreiten von Bildungsnot einstimmen werden? Ob der Club der wirtschaftlich Gewindelten da nicht einer Täuschung unterliegen könnte? Viel zu sehr haben deren Senioren die Menge der Arbeitenden bisher ausgebeutet und tun es immer noch. Mit 1- Euro – Jobs, 0 – Euro – Jobs, kostenlosen Praktika, Urlaubsverzicht, Überstunden ohne finanziellen Ausgleich, Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld usw. haben sie viele derer vergrellt, deren Kinder nun durch diese Forderung angesprochen werden sollen. Vielleicht hofften die Wirtschaftsjunioren auch, dass in der Freude über mögliche zusätzliche 100 Euro für den Nachwuchs, die meisten der Betroffenen auch die pauschale Verurteilung ihrer selbst als Bildungsprekärer in der Aussage übersehen wird?

Doch nicht allein die Pauschalierung der Bezieher von ALG II als bildungsferne Subjekte ist der Hammer in der zititerten Aussage des Berichts. Nein, auch die Hoffnung, die ich hier hinein interpretieren muss, dass die Betroffenen doch die eigentliche Intention solcher Maßnahmen geflissentlich übersehen möchten. Wird bereits in der Schule begonnen, Zeugnisse einem Sachbearbeiter in ARGE oder Job-Center vorzulegen, so hat man doch hier bereits bei den Jüngsten unter uns eine Konditionierung hin zur kritiklosen Vorlage jeglicher Unterlagen in der nachfolgenden Zeit. Diese Kinder werden weitaus weniger Schwierigkeiten bereiten, sich in allen Dingen vor dem „Staat“ bloßzustellen, als ihre Erzeuger. Und sie werden ihren Nachwuchs bereits in diese Kritiklosigkeit hinein erziehen. Nicht zu vergessen, dass mit einer solchen Maßnahme die Eltern einen Teil ihrer grundgesetzlich garantierten Erziehungshoheit an den Staat abgeben und das für einen Judaslohn von 100 Euro. Und den Jüngsten werden, mit einem Zuckerle, suggeriert, wer Bildung haben möchte, der leiste gefälligst etwas dazu. Und schon sind wir wieder da, wo breite Teile der Wirtschaft und der Politik auch hin möchten, in einem Land in dem es nur eine Leistung gibt, wenn eine Gegenleistung stattfindet. Und diese hat gefälligst für den Gegenleistungsempfänger kostenlos zu sein. Nun möchte ich den Wirtschaftsjunioren ja nicht unterstellen, dass sie das Ausmaß ihrer Forderung tatsächlich wirklich detailliert erkannt haben. Das glaube ich so nicht einmal. Nein, sie haben sich zur Gallionsfigur ihres Verbandes machen lassen, der in Zusammenarbeit mit den neoliberalen Bestrebungen der Politik das Volk mit Zuckerbrot und Peitsche führen möchte.

Die Leistungen an sich werden, so erscheint es einem doch mittlerweile sehr klar, möglichst gering gehalten auch entgegen einer Entscheidung des Bundesverfassungsgericht und mit einem Zuckerbrot wie diesen 100 Euro für gute Noten, werden bereits die nachfolgenden Generationen in die Richtung einer staatlichen Kontrolle und der Pauschalierung des Lebens an sich konditioniert. Nun, die nachhaltige Umgestaltung der Gesellschaft, in welche Richtung auch immer, beginnt an der Wiege.

Der Bericht auf www.open-report.de