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Über Hartz IV, Tabak und Konsumenten

Foto: (C) pixelio.de

Von Mario Nette

Die Debatte darum, ob man Sozialleistungsbeziehern den Regelsatzanteil für Bier und Tabak streichen sollte, ist völlig substanzlos und verlogen, lässt sich als Lektüre einer großen, deutschen Hetzschrift aber hirnmissachtend konsumieren.

Denn einerseits warf man den Leistungsbeziehern noch vor wenigen Tagen vor, sie könnten mit Geld nicht umgehen und daher muss von-der-Leyensches Plastikgeld für die Kinderbildung eingeführt werden. Andererseits sollen diese ach so verantwortungslosen Kreaturen jetzt auf einmal zumindest so verantwortlich sein, dass sie entweder mit dem Tabak- und Alkoholkonsum aufhören oder aus anderen Positionen ihres eigenen Regelsatzes ihr Bedürfnis befriedigen – jedenfalls aber nicht aus dem der Kinder! Dabei zeigt doch die Erfahrung mit Sanktionen, dass eine komplette Bedarfsgemeinschaft quasi in Sippenhaftung genommen wird, wenn Geldleistungen teilweise oder ganz gestrichen werden.

Neben dieser gravierenden Tatsache stehen weitere Ungereimtheiten im Raum. So z. B. jene nach der Soziokultur Deutschlands. Wer kann ernsthaft verneinen, dass viele Menschen in diesem Land zum Fußballspielgucken ihr Bierchen trinken? Oder zu einer Feierlichkeit mit Sekt anstoßen? Wo sind die Diskotheken, die ohne Alkohol oder Zigaretten auskommen? Was wäre das Oktoberfest ohne Bier? Welch schlechte Produkte müssten unsere Eliten auf Banketten, Empfängen und dergleichen konsumieren, gäbe es keine Zigarren und keinen Champagner mehr? Alkohol und Tabak ist in fast jeder Munde. Lediglich die, die sich bewusst gegen diesen Konsum entschieden haben (merke: viele hätten die finanzielle Möglichkeit zum Konsum) sind ausgenommen. Und nun maßt sich dieses saufende und rauchende Volk an, denen, die es abgeschoben hat, eine „bessere Kultur“ aufzschwatzen?

Und vergessen Sie nicht den Cherry, Brandy, whatever für den nächsten Braten, das Bier fürs nächste Grillen. Prost Mahlzeit! (Mario Nette)