Aus Angst vor erneute Zugblockade: Hundertschaft Polizei im Bonner Hauptbahnhof

Dienstag, 5. Oktober 2010, 20:54

Bonn (pr-sozial) – Die Blockade eines Zugs, der am Samstag von 30 Stuttgart 21- im Bonner Hauptbahnhof  für fünf Minuten an der Weiterfahrt gehindert wurde,  hatte viele in helle Aufregung versetzt. Der “Generalanzeiger Bonn” warnte: “Bahnkunden müssen auch am Dienstag im Bonner Hauptbahnhof mit Verzögerungen im Bahnverkehr rechnen” Die Aufregung wurde perfekt, nachdem am Sonntag ein weiterer Aufruf über das Internet zu einer erneuten Protestaktion am heutigen Dienstagabend in Bonn aufrief.

Dem Aufruf waren dann viele gefolgt: Aktivisten der Bonner Jugendbewegung, Erwerbslosen Forum Deutschland, Gewerkschaftsmitglieder, eine Sambagruppe, Parteiangehörige und Ratsmitglieder der Bonner Bündnis90/Die Grünen sowie Mitglieder der Linkspartei. Ebenfalls gefolgt waren Einheiten der Bonner und der Bundespolizei, die von ihrer Anzahl den Demonstrationsteilnehmern deutlich machten, dass eine Blockade eines Zugs heute unrealistisch ist.  Eine Eskalation mit der Polizei wollten die S-21-Gegner dann auch nicht provozieren und nahmen deshalb nur den Bahnhof ein, um eine Solidaritätskundgebung für die Stuttgart 21-Gegner abzuhalten und Zugpassanten über die tragischen Vorfälle der gewaltsamen Räumung aus dem Stuttgarter Schlossgarten vom vergangenen Donnerstag zu informieren. Dabei wurde auch in Bonn die Forderung nach einem Rücktritt von Stefan Mappus in Sprechchören gefordert. Er und Deutsche Bahnchef Rüdiger Grube wären für die völlig überzogene Gewalt gegen Schüler und ältere Menschen verantwortlich. Das „Wahnsinnsprojekt“ Stuttgart 21 würde auch der Region Köln/Bonn schaden, denn mit den für Stuttgart 21 benötigten Milliarden würden Mittel gebunden, die überall im Bundesgebiet für den dringend notwendigen Schienenausbau im Regionalverkehr fehlen. Deshalb lautete auch ein Slogan „Bürgerbahn statt Aktienbahn“.

Eine Abschlusskundgebung und Sambarhythmen auf dem Vorplatz des Bonner Bahnhofs beendete die Kundgebung. Bonner Bürgerinnen und Bürger zeigten Verständnis und Sympathie den Protest. In Gesprächen hielten sie Widerstand und zivilen Ungehorsam für gerechtfertigt. Weitere Solidaritätsaktionen sind geplant.

Martin Behrsing

6 Antworten zu: Aus Angst vor erneute Zugblockade: Hundertschaft Polizei im Bonner Hauptbahnhof

  1. Zitat: \Das „Wahnsinnsprojekt“ Stuttgart 21 würde auch der Region Köln/Bonn schaden, denn mit den für Stuttgart 21 benötigten Milliarden würden Mittel gebunden, die überall im Bundesgebiet für den dringend notwendigen Schienenausbau im Regionalverkehr fehlen.\

    Drehen wir den Spiess um: Wieviel hat Baden-Württemberg schon in Euer Land reingepumpt? Siehe Länderfinanzausgleich, bitte nachlesen!

  2. Nichts gegen Proteste gegen Stuttgart 21. Auch in Bonn kann so etwas sinnvoll sein, wie man daran sieht, dass für sinnvolle Projekte Geld fehlt, das in Stuttgart verbuddelt werden soll.

    Aber Züge zu blockieren ist das falsche Mittel. Damit trifft man weniger die DB, schon gar nicht die Politik, sondern die Fahrgäste. Und die Bahnkunden haben schon genug unter diesem Unternehmen zu leiden. Nicht zuletzt in Stuttgart, wo schon in der frühesten Phase die Bauarbeiten zu vielen Verzögerungen und Fahrplanausdünnungen führten.

    Also denkt euch bitte was anderes aus. So gibt es keine Unterstützung des Protests.

    • lieber heint bosdorf,

      ich will ja nix sagen aber ich sass in dem zug und war einer -von vielen – passagieren, die das anliegen verstanden haben und gleich zum anlass für diskussionen mit verärgerten fahrgästen genommen haben.

      ihre argumentation, dass fahrgäste gestört würden, ist insofern nicht nur falsch sondern gefährlich, als dass wir dann auch im krankenhaus nicht hätten streiken können (die armen kranken) und im nahverkehr nun auch nicht. das lässt sich dann immer weiter spinnen und hinterher sind wir bei einer postkartenaktion oder kundgebungen im gewerbegebiet auf einem parkplatz.

      solidarischer gruss
      t., unikliniken bonn