Götz Werner – ein Rattenfänger mit dem Evangelium für die Schwachen im Geiste

Sonntag, 3. April 2011, 17:45

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/6/66/G._Werner_2007.jpg

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/6/66/G._Werner_2007.jpg

von Dr. Gero Jenner

Gleich einer der ersten Sätze aus dem 1000-Euro Buch ist entlarvend: Er wendet sich an die Halbgebildeten und solche, die es noch werden wollen. „Die erste Überlieferung einer Trennung von Arbeit und Einkommen findet sich in der Verfassung Spartas“ (S. 21). Jawohl, da wurden in einem Staat, schlimmer als die Gaddafi-Diktatur, Arbeit und Einkommen in der Tat sehr strikt getrennt. Mit unerbittlicher Härte niedergehaltene und ausgebeutete Untermenschen, die nahezu rechtlosen Heloten, durften die ganze Arbeit für die Herrenmenschen verrichten. Diese kamen dadurch in den Genuss eines bedingungslosen Grundeinkommens, von dem sie sehr bequem leben konnten.

Ich will Herrn Werner nicht unterstellen, dass er ähnliche Zustände für Deutschland herbeisehnt, aber es ist keine Unterstellung, wenn man zu ähnlichen Schlüssen gelangt, sobald man seine betörende Vision im Hinblick auf ihre Folgen und Voraussetzungen analysiert. Denn irgendwer muss das bedingungslose Grundeinkommen ja bezahlen! Wer es als Arbeitsloser bezieht, kommt dafür natürlich von vornherein nicht in Frage. Die Vermögenden aber auch nicht. Denn Werner will „auch nicht [die übermäßigen] Vermögen abschaffen,“ zumal im Grunde „sein [eigener] Reichtum allein ein virtueller ist“ (S. 246). Dass aus diesem virtuellen Reichtum ein ganzer realer und gewaltiger Zinsstrom fließt: leistungsloses Einkommen, erwirtschaftet durch die Heloten unten an der Basis, wird mit keinem Worte erwähnt.

 

Wer bleibt also als Lastesel übrig, um die schöne Neue Welt der Wernerschen Vision zu finanzieren? Wer sind für ihn die Heloten unserer Zeit? Das sind all jene Menschen, die heute noch eine Arbeit haben, vor allem der Mittelstand – Menschen, die immer härter arbeiten müssen und immer stärker zur Kasse gebeten werden, und deren Zahl zudem in stetem Rückgang begriffen ist.

Herr Werner ist ein Charismatiker der halben und allzu einfachen Wahrheit. So sieht er denn auch das Ende der Erwerbsarbeit nahen, wo wir alle nur noch ehrenamtliche Tätigkeiten verrichten. Er verrät uns nicht, wer dann noch das bedingungslose Grundeinkommen finanziert. Aber stimmt denn die von Jeremy Rifkin entlehnte Behauptung, dass wir in Zukunft zwangsläufig mit immer weniger bezahlter Arbeit zu rechnen haben?

Ja, sie stimmt, wenn man die Hauptursache für diesen Abbau, die neoliberale Politik der zwei vergangenen Jahrzehnte, auch in Zukunft weiter verfolgt. Für Deutschlands große Anleger lohnt es sich nicht länger, in unserem Land produzieren zu lassen. Die Renditen sind zu gering, weil die deutschen Beschäftigten nun einmal einen angemessenen Anteil am volkswirtschaftlichen Kuchen verlangen. Die reichsten Deutschen investieren ihr Geld lieber in Billiglohnländer. Dort sind die Heloten gefügiger. Wenn die reichsten fünf Prozent aber dennoch bereit sind, zu Hause zu investieren, dann sollen die Löhne möglichst niedrig, die Einkommen aus investiertem Kapital dagegen so hoch wie nur möglich sein. So wurde die Produktion um jeden Preis automatisiert und Arbeitsplätze verdrängt.

Doch das Hauptübel liegt nicht einmal in dieser Automation, viel davon ist echter technologischer Fortschritt. Das Hauptübel liegt in den hohen Zins- und Dividendenansprüchen des Geldkapitals und dem unablässigen Druck, das letzteres auf die Unternehmen ausübt, um deren Aktienkurse zu steigern und damit die Ansprüche auf steigende Renditen zu erfüllen. Dieser Druck sorgt dafür, dass ein gewaltiger Strom aus leistungslosem Einkommen die Vermögen der oberen fünf Prozent zu phantastischen Proportionen aufblähen konnte. Genau deswegen bleibt für die Heloten eben auch immer weniger übrig. Dies sind die Tatsachen, die Herr Werner, dieser unermüdliche Lobbyist des großen Geldes, geflissentlich unterschlägt.

Immerhin gibt es andere, die auch dieser Schicht zugehören, aber keine Hemmungen haben, solche Wahrheiten ungeschminkt auszusprechen. Den Millionären, die ihr Geld bei der Deutschen Bank anzulegen bereit sind, versprach Herr Ackermann eine Rendite von 25%. Im Unterschied zu Herrn Werner, der sich selbst wegen seines leider nur virtuellen Vermögens zu bemitleiden scheint, macht der Bankgewaltige gar kein Hehl daraus, dass er einen gewaltigen Strom aus leistungslosem Einkommen kreiert. Das ist nicht nur ein bedingungsloses Einkommen für Superreiche, sondern es ist noch dazu eines, das sich selbst unablässig vermehrt: aus sehr viel Geld wird immer noch mehr und mehr Geld. Unsere soziale Marktwirtschaft, die sich einst rühmte, die Leistung und nur diese zu honorieren, ist inzwischen weitgehend umgepolt. Wer zu der kleinen, aber ökonomisch und politisch tonangebenden Schicht von Hochprivilegierten gehört, über dem schüttet sie ihr Himmelsmanna von bedingungs- und leistungslosem Einkommen aus. Kein Wort zu diesen Fakten finden wir in dem geschwätzigen 1000-Euro Buch von Herrn Werner.

Die Vision eines bedingungslosen Einkommens für alle Menschen ist schön. Ich glaube auch, dass Herr Werner im Recht sein könnte, wenn er meint, dass aus ihrer Verwirklichung keine Schmälerung der Leistungsbereitschaft hervorgehen muss. Meiner eigenen in Wohlstand und Armut vertretenen Auffassung, die in wenig gefälliger Art die Gewährung einer Grundsicherung von der Bedürftigkeit abhängig macht, werde ich diese schöne Idee als Alternative entgegenstellen. Sie hat es zumindest verdient, versuchsweise eingeführt zu werden. Allerdings nur, wenn man auch klipp und klar den Lastesel nennt, der für die Idee zahlen soll. Herr Werner selbst zieht es ja vor, in diesem Punkt nebelhaft oder unseriös zu werden. Nebelhaft wird es, wenn er behauptet, man dürfe das Problem nicht auf Geld reduzieren, sondern müsse die Güter sehen, um die es dabei ja letztlich gehe. Ja, sollen wir denn seinetwegen wieder in die Steinzeit zurück marschieren? Heutzutage werden sämtliche wirtschaftlichen Transaktionen in Geld berechnet und sichtbar gemacht. Wenn die Mittelschicht zum eigentlichen Lastesel für die Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens wird, dann nützt es ihr wenig, dass man ihren Beitrag an den von ihr für andere produzierten Güter bemisst statt an dem Geld, das sie dafür zur Verfügung stellt. Beides läuft auf ein und dasselbe hinaus.

 

Wenn Herr Werner einmal auf die großartig ausladende Geste verzichtet und von der Nebulosität zum konkreten Argument übergeht, dann wird er leider auf der Stelle unseriös. Die Einkommenssteuer will er durch eine entsprechend erhöhte Mehrwertsteuer ersetzen, die dann die Finanzierung des Grundeinkommens ermöglicht. Aber für die Mehrwertsteuer kommen vor allem die Ärmsten und die Mittelschicht auf, also jene, die den größten Teil ihrer Einkommen konsumieren. „Man kann davon ausgehen, dass Reiche auch mehr konsumieren, also werden sie auch mehr Steuern zahlen“ (s. 245). Herr Werner, der so gern große Namen zitiert, um sich in ihrem Lichte zu sonnen, sollte wissen, dass schon Keynes diese Behauptung als unwahr entlarvte. Relativ am wenigsten werden jene durch die Mehrwertsteuer belastet, die so viel Einkommen und Vermögen besitzen, dass sie nur einen Bruchteil davon für den Konsum verwenden.

 

Ja, das bedingungslose Grundeinkommen ist eine betörend schöne Idee. Wenn eine Vermögenssteuer dafür sorgen würde, dass die Geldmassen in den Händen der oberen fünf Prozent auf einen individuellen Betrag zusammengestutzt werden, der für einen stark gehobenen – meintwegen auch sehr luxuriösen – Konsum während ihrer ganzen Lebenszeit ausreicht (denn Leistung ist selbstverständlich zu honorieren), dann würden so gewaltige Mittel zusammenkommen, dass die schöne Idee leicht finanzierbar wäre. Herr Werner braucht also nur über den eigenen Schatten als einer der reichsten Deutschen zu springen, indem er sich zum Fürsprecher eine solchen Lösung macht, um nicht in den Verdacht der Scheinheiligkeit zu geraten. Zumindest würde man ihm dann lautere Absichten zuerkennen.

 

Doch selbst dann ergeben sich Schwierigkeiten. Nehmen wir an, dass es gelänge, die großen Vermögen für diesen Zweck abzuschmelzen. Gehen wir noch einen Schritt weiter, indem wir einen – in meinen Augen keineswegs wünschenswerten – Zustand betrachten, wo alle die vorhandene Arbeit teilen und ziemlich das gleiche Einkommen beziehen. Also ein Staat der blauen Kittel, wie er unter Mao zeitweise existierte. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde unter dieser Voraussetzung offenbar seinen Sinn einbüßen, denn jeder würde es dann ja mit eigener Arbeit für sich selbst bezahlen. Er würde mit der linken Hand geben, was er mit der rechten genommen hätte. Selbstverständlich würden die Menschen alsbald zu dem Schluss gelangen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen nur den Bedürftigen gewährt werden sollte. Mit anderen Worten, würde man genau dort ankommen, wo man heute schon ist: bei einer bedarfsabhängigen Grundsicherung. Herr Werner, dieser grandiose Vereinfacher, hat schlicht übersehen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen nur dort einen Sinn ergibt, wo eine große und wachsende Kluft zwischen Arm und Reich existiert.

 

Lesen Sie auch: Gegen die Grund-Ab-sicherung der Privilegierten, für eine Grundsicherung in sozialer Verantwortung

10 Antworten zu: Götz Werner – ein Rattenfänger mit dem Evangelium für die Schwachen im Geiste

  1. „Doch selbst dann ergeben sich Schwierigkeiten. Nehmen wir an, dass es gelänge, die großen Vermögen für diesen Zweck abzuschmelzen. Gehen wir noch einen Schritt weiter, indem wir einen – in meinen Augen keineswegs wünschenswerten – Zustand betrachten, wo alle die vorhandene Arbeit teilen und ziemlich das gleiche Einkommen beziehen.“

    Wie kommen sie darauf? Sie ziehen völlig falsche Schlüsse.

    „Herr Werner, dieser grandiose Vereinfacher, hat schlicht übersehen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen nur dort einen Sinn ergibt, wo eine große und wachsende Kluft zwischen Arm und Reich existiert.“

    Das ist in Deutschland nicht der Fall?

  2. Erst das BGE ohne das jetzt herrschende WeltfinanzBetrugssystem (Geld aus dem Nichts „erschaffen“, verleihen und darauf Zinsen verlangen = also staatlich legalisierter Betrug) schafft demokratische und humane Verhätnisse.

    Links:
    http://174.132.8.93/fw-tv/html/prof__berger.html
    http://www.hintergrund.de/20090217354/wirtschaft/welt/die-finanzmarktkrise.html
    http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/monetative.htm

    Das Paradies auf Erden, das Goldene Zeitalter, ist auch aus wirtschaftlicher Sicht möglich, und die Lösung ist viel einfacher, als die Nationalökonomen es uns weismachen wollen. Prof. Wolfgang Berger erklärt hier, was wir ändern müssen, damit das Geld wieder fließt, die Arbeitslosigkeit verschwindet, die Preise sinken und wir nur noch 20 bis 30 Stunden pro Woche arbeiten müssen.
    Geld muss fließen Kleiner Trick mit großer Wirkung: das Ausgeben belohnen, nicht das Festhalten.

    Von Wolfgang Berger (www.business-reframing.de)
    Die Wirklichkeit hat die herrschende Lehre der Ökonomie, der die meisten Politiker folgen, längst widerlegt. Nach Max Planck müssen die Vertreter einer widerlegten Lehrmeinung erst aussterben, bevor sich die Fachwelt umorientiert. Für die falschen Lehrmeinungen bezahlen weltweit eine Milliarde Arbeitslose mit ihrer Menschenwürde und in jeder Stunde dreitausend Menschen, die verhungern und verdursten, mit ihrem Leben.
    Die Lösung ist einfach. Keine der etablierten politischen Parteien kennt sie. Irving Fisher (Amerikas bedeutendster Ökonom), John Maynard Keynes (der bekannteste Ökonom des 20. Jahrhunderts) und Albert Einstein (der größte Physiker des 20. Jahrhunderts) aber haben sie gewürdigt. Wir können die Marktwirtschaft ohne ökologischen oder sozialen Kollaps weiterentwickeln und mit einer „Fairconomy“ unsere Probleme lösen!
    „Wer Silvio Gesell kennt, der braucht die übrigen Werke der Volkswirtschaftslehre nur als Kommentar zu lesen; und wer ihn nicht kennt, der sollte deren Lektüre unterlassen, denn er versteht doch nichts davon – genauso wenig wie die Verfasser der Werke“, hat ein Zeitzeuge über diesen wichtigen Geldtheoretiker gesagt, der von 1862 bis 1930 gelebt hat und dem wir diese einfache Lösung verdanken.
    Dass Silvio Gesell heute weitgehend unbekannt ist, hat er mit anderen großen Geistern der Menschheitsgeschichte gemeinsam, deren Bedeutung die Nachwelt erst nach ihrem Tod erkannt hat. Bis seine Gedanken Wirklichkeit geworden sind, wird die Welt nicht zur Ruhe kommen. Bis dahin aber kann jeder wählen – zwischen schweigender Mitschuld und mutiger Rede oder Tat. Dieser Beitrag soll
    hierfür eine Entscheidungshilfe anbieten.Metamorphose © Waldah, Walter.Wesinger@t-online.de

    Fließendes Geld
    „Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, dass sie kein Geld haben“ lästert Kurt Tucholsky und ergänzt: „Das hat mehrere Gründe. Die feinsten sind die wissenschaftlichen.“
    „Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles“ sagt Goethe und meint natürlich ebenfalls Geld, denn zu seiner Zeit hat es Gold-Währungen gegeben. Wenn wir die Geschichte studieren, ist es erstaunlich, dass die Zeiten großer kultureller Blüte und eines breiten Wohlstands in der Bevölkerung Zeiten waren, in denen nicht Edelmetalle als Zahlungsmittel dienten, denn davon gibt es tatsächlich zu wenig. In den „Goldenen Zeiten“ sind aus diesem wunderschönen Metall Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände hergestellt worden. Als Zahlungsmittel aber hat etwas gedient, das wir heute „fließendes Geld“ nennen.
    Ein altes Sprichwörter verrät uns, worauf es ankommt: „Taler, Taler, du musst wandern, von der einen Hand zur andern“ heißt es, seit 1517 der Joachimsthaler Groschen das gängige Zahlungsmittel in Mitteleuropa ist – eine Münze aus dem Silberbergbau von St. Joachimsthal im böhmischen Erzgebirge, die kurz „Thaler“ genannt wird.
    Weil der Materialwert der Münzen seinem Zahlungswert entspricht, wandert er nicht, verbreitet dadurch große Not, und die Leute erinnern sich an bessere Zeiten. Sie wissen, dass der Taler wandern muss, damit diese Zeiten wiederkehren, aber sie verstehen nicht, was ihm fehlt, dass er das partout nicht tut. Bis 1907 gilt der preußische Taler in Deutschland. Danach wird alles Edelmetall eingeschmolzen, um die Aufrüstung des Kaiserreichs zu finanzieren.
    Die Phönizier haben das Geld erfunden, nur leider viel zu wenig. „Der Rubel muss rollen“, sagt ein anderes Sprichwort und drückt damit aus, dass das Geld und das Rad viel gemeinsam haben. Beides sind Erfindungen, die am Anfang der ersten großen Zivilisationen stehen. Heute läuft das Rad sichtbar an Fahrzeugen und unsichtbar in Motoren, Maschinen und Apparaten. Ein Rad erfüllt seine Funktion nur, wenn es sich dreht – nach Möglichkeit ohne Reibungsverlust. Deshalb sind Achse und Nabe immer weiter entwickelt worden. Kugellager und Walzenlager sind erfunden und immer bessere
    Schmiermittel eingesetzt worden. Die modernen Naben mit Dauerschmierung müssen kaum
    noch gewartet werden.
    Auch Geld zirkuliert unsichtbar wie das Rad in einer Maschine und erfüllt seine Funktion nur, wenn es reibungslos umläuft – also fließt. Auch beim Geld sollte die „Nabe“ dauergeschmiert sein. Seit Jahrhunderten hat es immer wieder Wirtschaftskrisen gegeben. Immer ist es die Geldzirkulation gewesen, die nicht funktioniert hat – in der „Nabe“ hat es geharzt. Wenn das Geld nicht fließt, fehlt es dort, wo es gebraucht wird – bei denen, die arbeiten und konsumieren wollen. Dort ist es dann zu wenig. Angesammelt hat es sich dafür in den großen „Finanzstauseen“ von Investmentfonds, die damit in einem globalen Monopoly die Preise von Aktien, Grundstücken und Rohstoffen in die Höhe treiben.

    Die Erfindung des Geldes im Zweistromland
    Am Unterlauf von Euphrat und Tigris – der Wiege unserer Zivilisation im heutigen Irak – erfinden die Sumerer vor 8.000 Jahren die Schrift und das Metallhandwerk und verwandeln ein trockenes Tal in ein landwirtschaftliches Paradies. Ihre Hauptstadt Babylon gilt später als die schönste Stadt der Welt, mit einem schier unermesslichen Reichtum. Nach dem Urteil des Propheten Jesaja ist ihr Reich „das schönste und herrlichste unter den Königreichen“.
    Der griechische Tourist und Schriftsteller Herodot besucht Babylon im 5. Jahrhundert v. Chr. und beschreibt die Stadt überschwänglich: Sie hat die Größe des heutigen Paris. Die Stadtmauern sind gewaltig hoch, und oben auf den Mauern fahren Wagen mit sechs Pferden. Mit ihren prachtvollen Tempeln, weitläufigen, künstlich angelegten Kanälen und hängenden Gärten ist sie für Jahrtausende – Jahrtausende! – die schönste und reichste Stadt der Welt.
    Das Geheimnis dieser langen Epoche von Wohlstand, Frieden und kultureller Blüte ist fließendes Geld: Die Sumerer haben den Schekel erfunden (Israel benutzt dieses Wort heute für seine Währung). „Sche“ bedeutet Weizen und „Kel“ ist ein Maß für 16½ Gramm – soviel, wie eine Kelle fasst. Mit Münzen im Wert eines Schekels Weizen werden die schönen Priesterinnen im Tempel der Fruchtbarkeitsgöttin Astarte bezahlt. So brauchten die Männer den Weizen nicht in den Tempel zu bringen.
    Die Lösung ist einfach, aber keine der etablierten politischen Parteien kennt sie.
    Wenn der Weizen alt ist und verdirbt, werden die Schekel auch alt und verderben. Und wenn er alle ist, sind die Schekel wertlos, denn für die nächste Ernte werden neue geprägt. Der Schekel vereinfacht den Tausch. Aufzubewahren ist er nicht besser und nicht schlechter als Weizen. Wir können auch sagen, dass die Währung durch Weizen gedeckt ist. Aufheben lohnt sich nicht. Also geben die Leute sie aus und leben gut. Das ist die Quelle ihres Reichtums.
    So weit bekannt, geht dieses blühende Reich unter, als seine Bewohner bequem und leichtsinnig geworden sind. Sie schützen sich nicht mehr und werden von Feinden erobert, die glauben, Reichtum lasse sich rauben und trotzdem erhalten. Die Quelle dieses Reichtums aber – fließendes Geld – lassen sie versiegen, und so bleiben letztendlich nur Ruinen.

    Hochmittelalter und Hansestädte
    Eineinhalb Jahrtausende nach dem Zerfall des Römischen Reiches wird Europa von einer geldpolitischen Innovation aus dem mittelalterlichen „Winterschlaf“ erweckt: Der Erzbischof von Magdeburg und die Stauferkönige wissen nicht, wie sie ihren Haushalt finanzieren sollen. Sie führen die „Brakteaten“ ein – aus dünnem Blech einseitig geprägte Münzen, die unter dem Bild des Fürsten oder Königs das Jahr zeigen, in dem sie gültig sind. Diese Münzen werden jährlich „verrufen“ – für ungültig erklärt. Mit einem „Abschlag“ von 20 Prozent können dann 100 alte Münzen gegen 80 neue, gültige Münzen umgetauscht werden. Mit dem Abschlag finanzieren die Herrscher den Staatshaushalt.
    Und weil das so einfach ist, machen die meisten europäischen Monarchien zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert es ihnen nach. Was die mittelalterliche Hochkultur mit fließendem Geld erschafft, lässt uns heute nur noch staunen:
    Die vielen wunderschönen mittelalterlichen Städte werden gegründet oder prachtvoll ausgebaut: Colmar, Tübingen, Rothenburg, Regensburg, Passau, Prag, Görlitz, Quedlinburg, Xanten, Antwerpen, Luzern, Zürich, Graz, Salzburg und all die unzähligen malerischen Fachwerkstädte überall in Mitteleuropa. Fast alle großen Dome und Kathedralen Europas werden in dieser Zeit erbaut – unter anderem die in Köln, Fulda, Straßburg und Freiburg.
    Und die Hanse verwandelt ärmliche Fischerhäfen rund um die Ostsee in Oasen blühenden Reichtums: die Hansestädte.
    Die Fünftagewoche wird fast überall eingeführt – ganz ohne Gewerkschaften: außer dem Sonntag ist der „blaue Montag“ arbeitsfrei. Teilweise gibt es sogar eine Vier-Tage-Woche, und die wöchentliche Arbeitszeit beträgt vielfach nur 30 Stunden. Der Kulturhistoriker Egon Friedell beschreibt die üppigen Festgelage des einfachen Volkes mit Gauklern und Geschichtenerzählern, Musikanten und Troubadouren – da läuft jedem von uns heute das Wasser im Munde zusammen. Es ist eine Zeit, die überquillt vor triefendem Hochgenuss.
    Was ist das Geheimnis dieser wirtschaftlichen und kulturellen Blüte? Weil am Ende eines Jahres auf die Brakteaten eine 20prozentige Steuer zu zahlen ist, investieren die Leute ihr Geld lieber in großartige Bauwerke und Kunst, oder sie verjubeln es und genießen ihr Leben. Die Blütezeit dieses Hochmittelalters – von etwa 1150 bis 1450 – wird von der finsteren Epoche des Mittelalters abgelöst, nachdem die Herrscher gierig geworden sind. Den Abschlag von 20 Prozent haben sie auf bis zu 40 Prozent erhöht und den Zeitraum von einem Jahr, nachdem die Münzen jeweils „verrufen“ werden, auf ein halbes Jahr verkürzt.
    Das zerstört das Vertrauen der Bevölkerung in das Geld und weckt den Ruf nach Gold, das von sich aus werthaltig ist – und deshalb nicht fließen muss. Edelmetallwährungen werden dann auch eingeführt und beenden diese wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit.

    Die Weltwirtschaftskrise
    Die große Wirtschaftskrise, die 1929 beginnt, wird durch einen geldpolitischen Fehler der amerikanischen Notenbank ausgelöst. Die Arbeitslosigkeit grassiert wie die Pest, und es gibt nichts mehr zu kaufen. In Wörgl, einer Kleinstadt in Tirol, ist jeder zweite Erwachsene arbeitslos. Bürgermeister Michael Unterguggenberger fragt sich, warum Leute, die arbeiten wollen und können, das nicht tun sollen, nur weil kein Geld da ist, um sie zu bezahlen. In der „Natürlichen Wirtschaftsordnung“ von Silvio Gesell hat er gelesen, was er tun kann:
    Taler, Taler, du musst wandern von der einen Hand zur andern Er gibt „Arbeitswertscheine“ aus, die auf den gleichen Betrag in der Landeswährung lauten. Die Scheine müssen an jedem Monatsende mit einer Wertmarke als Nutzungsgebühr beklebt werden. Mit den ersten Scheinen, die er ausgibt, bezahlt er die Arbeiter, die die Kanalisation bauen. Um die Gebühr zu sparen, geben sie die Scheine schnell beim Bäcker aus und kaufen Brot. Der Bäcker will die Gebühr auch nicht zahlen und gibt sie sofort an den Tischler weiter, der seine Fenster erneuert. Der bringt sie zum Metzger für Wurst und der zum Schmied für ein neues Hoftor. Vor lauter Sparsamkeit zahlen die Bürger die Gemeindesteuer sogar im Voraus. Damit lässt der Bürgermeister die Straßen pflastern und beleuchten, einen Kindergarten bauen und die Schule modernisieren. Das löst einen neuen Kreislauf aus.
    Wörgl erreicht nahezu Vollbeschäftigung und bekommt eine ordentliche Infrastruktur. Das Experiment ist so erfolgreich, dass es Nachahmer in anderen Gemeinden findet, so auch in Schwanenkirchen/Bayern und in Hawarden/Iowa, U. S. A. Der französische Ministerpräsident Édouard Daladier besucht Wörgl, und viele Orte in mehreren Ländern bereiten ähnliche Projekte vor.
    Die Finanzexperten allerdings erklären diese „Strohfeuer“ für groben Unfug, und die Zentralbanken setzen Verbote durch. Der Bürgermeister von Wörgl geht vor Gericht. Vor dem obersten Verwaltungsgerichtshof verliert er und wird entlassen. Die Scheine sind bis dahin im Durchschnitt insgesamt 416 Mal zirkuliert und haben Werte erzeugt, die heute 4½ Millionen Euro entsprechen. Nach dem Verbot kehrt Wörgl zur Landeswährung zurück, zu hoher Arbeitslosigkeit und zu schrecklichem sozialen Elend.

    Was heute möglich ist
    Die Lehre aus all den historischen Beispielen ist einfach: Geld schafft Arbeitsplätze, sobald es fließt. Irgendetwas muss es zum Fließen bringen. Bei den Sumerern war es das Verfalldatum ein Jahr nach der Ernte, im Mittelalter war es der „Abschlag“, in Wörgl waren es die monatlich fälligen Wertmarken. Die Zeiten haben sich gewandelt. Weizengutscheine und Wertmarken sind heute gewiss unpraktisch, aber ein „Abschlag“ wie im Hochmittelalter könnte von der Zentralbank auf einfache Weise einbehalten werden:
    Von den Girokonten könnten z. B. monatlich ¾ Prozent Gebühr abgebucht werden. Bei Terminanlagen reduziert sich der Satz auf bis zu ¼ und bei langfristigen Investitionen entfällt er ganz. Bargeld gibt es entweder nur in Form von Geldkarten, und mit dem Handy können wir im „Online Banking“ Gutschriften entgegennehmen. Oder aber winzig kleine Chips werden in die Geldscheine eingebaut, die die monatlich fällige Gebühr jedes Mal anzeigen, wenn der Schein im Prüfgerät der Bank oder des Einzelhändlers auf seine Gültigkeit untersucht wird. Dann muss die Gebühr bezahlt werden, und das Gerät aktualisiert den
    Schein. Auch Scheine mit kurzfristigem Verfalldatum sind denkbar: rote im Frühjahr, grüne im Sommer, braune im Herbst, blaue im Winter Unser heutiges Geldsystem belässt uns im Zustand einer gefräßigen Raupe, die ihren Lebensraum zerstört. Das hat großartige Konsequenzen: Wenn die Menschen Geld haben, werden sie es gern ausgeben, denn dann brauchen sie die Gebühr nicht zahlen. Das ist ein kräftiges Konjunkturprogramm.

  3. Jörg Tippmann

    Sie irren gründlich, Herr Doktor! Einfach weil auch Sie nicht verstanden haben.

    Sie diskreditieren aufgrund von mangelhaftem Verstehen. DAS ist gefährlich! Aufgrund von mangelhaftem Verstehen sollte man keine solchen öffentlichen reden wie sie schwingen. DAS ist gefährlich, weil sie so das mangelhafte Verstehen anderer bestätigen statt es durch korrekte Daten aufzuheben.

    Zu den Fakten:

    In Ihrer Rechnung, die die eines (so geschundenen) „Vertreters der Mittelschicht“ ist, kommen die Millionen Bedürftige nicht wirklich vor. Sie denken nicht wirklich über deren Los nach, würden Sie es tun, kämen Sie zu anderen Schlüssen.

    Vermutlich müssen auch Sie mal das Leben eines „HartzIV“-Empfängers (so werden die Arbeitslosen nach einem Jahr Arbeitslosigkeit in Deutschland bezeichnet, sie erhalten dann das Almosengeld „HartzIV“ … davon gibt es rund vier Millionen in DE, hinzu kommen noch mal zwei bis drei Millionen, die im Haushalt eines solchen „Hartzers“ mit leben oder deren Einkommen in einem der wohl auch von Ihnen so hoch gelobten „Jobs“ zu gering ist, so daß sie mit „HartzIV“ aufstocken müssen …) … nun, auch Sie sollten meiner Meinung nach wenigstens ein jahr lang dazu GEZWUNGEN werden, so ein Leben zu führen. Ein „Leben“, wo sie der zahlenden Staatsmacht ausgeliefert sind, mit allen Schikanen, die sich ein Staat einfallen läßt, um Sie zu zwingen, JEDEN noch so beschissenen „Job“ anzunehmen, der Sie auf Trab hält, weiterhin am absolut unsinnigen „System“ teilzunehmen ….

    DAS ist die Sklaverei, die Sie vorgeben bekämpfen zu wollen!

    SIE müssen mal in so ein „Leben“ HINEINGEZWUNGEN werden, damit auch Sie als BETROFFENER begreifen, was wirklich vor sich geht. Aus Ihrer gegenwärtigen „Mittelklassesichtweise“ (die eines durchschnittlich intelligenten Mittelständlers, der sich NIE mit Leuten wie HartzIV-Betroffenen wirklich mal unvoreingenommen hingesetzt hat, um über deren „Leben“ zu erfahren, weil auch Sie dann nämlich aus dem „Kotzen“ nicht mehr herauskämen und DESHALB meiden Sie dieses BETROFFENWERDEN wie der Teufel das Weihwasser, werter Herr Doktor von was auch immer) … aus dieser Mittelklassesichtweise heraus werden Sie nicht zu Erkenntnis gelangen, die nötig wäre, um die real existierenden Probleme dieser bescheuerten Gesellschaft zu erkennen und daraufhin intelligente, funktionierende Lösungen zu (er)finden!

    Sie sehen nur Ihren eigenen Vorteil, den eines durchschnittlichen Mittelklasslers. Sie können weder die Reichen da oben, also über Ihnen, noch die Mittellosen da unten „leiden“, das ist sicher. Sie wittern in beiden Gefahr (Ihr Oberteufel bei „den da oben“ ist Götz Werner), bei der Unterschicht kommt aber wohl eher nur Ignoranz ob deren Befindlichkeiten in Frage. Wenn die draufgehen, ist Ihnen das sicher egal, auch wenn Sie anderes heucheln werden,. wovon ich überzeugt bin.

    ………..

    Es kommt überhaupt nicht darauf an, ob ein (Super-)Reicher mit einem bedingungslosen Grundeinkommen in Höhe von 1.000 Euro monatlich um diesen Betrag noch reicher wird oder aber er diesen nicht erhält. Das ist völlig irrelevant.

    Wenn Sie einhundert oder (bei den Superreichen eher zutreffend) eintausend Äppel an einem Tag „fressen“ könnten, weil soviele auf Ihrem Küchentisch liegen, dann macht es keinen Unterschied, wenn es noch drei Äppel mehr sind. Meinen Sie nicht?!

    Das „Argument“ können wir also völlig aus der rechnung hinausstreichen. Damit kommen wir zurück auf den intelligenten Lösungsansatz „bedingungslos“, was sich hauptsächlich auf die Bedürftigkeit und deren Prüfung bezieht. Die Prüfung und damit verbunden eine Gewährung oder Nichtgewährung von einem existenzsichernden Grundbetrag ist also so sinnig wie sich morgens schon mit Alkohol vollaufen zu lassen oder auf die Straße zu laufen und jeden dritten Menschen dort abzuschlachten (ich weiß, daß das krasse Vergleiche sind, aber ich will damit die Krassheit einer Forderung nach einer Bedarfsprüfung Ausdruck verleihen, nicht mehr und nicht minder).

    ……….

  4. Jörg Tippmann

    1. Fortsetzung, wenn’s recht ist
    ….

    Fakt ist, daß wie in einer SUPERREICHEN Gesellschaft leben. Wir kööenn heute aufgrund des „wahnsinnig“ rasanten wissenschaftlich-technischen Fortschritts, den die Menschheit in den letzten rund zweihundert Jahren gemacht hat (besonders in den letzten rund 50 Jahren, was Hinweis darauf gibt, wie die Entwicklung sich „potentiert“, also immer größere Schritte in immer kürzerer Zeit gemacht werden), nahezu alles herstellen udn anbieten, was auch immer das Herz begehrt, egal wie sinnig oder auch unsinnig das hergestellte und angebotene Produkt ist (diese Frage stellt sich nicht zum Thema „Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens – BGE“).

    Wo geht dieser Reichtum hin, wer erwirtschaftet, erarbeitet ihn wirklich (maßgeblich), wem gehört all das, was diesen reichtum hervorbringt?

    Gute Fragen, nicht wahr?!

    Nun, Fakt ist, daß dieser UNGEHEUERE Reichtum, der NICHT versiegen kann, sondern „nur“ durch die Grenzen des Planeten Erde begrenzt ist (das Thema Ökologie ist auch NICHT notwendig zu erörtern, wenn es um ein BGE geht, mit dem eine menschenwürdige MIndestexistenz von menschen sichergestellt werden soll, denn das ist das EINZIGE Ziel, Sinn und Zweck des BGE) ,,, dieser UNGEHEUERE Reichtum, der das Paradies in materieller Hinsicht in den Schatten stellt, landet immer mehr bei denen, denen auch all das gehört, was den reichtum hervorbringt: das sind die Vermögenden, die Reichen und Superreichen, die ein Heer anderer für sich arbeiten lassen und oft auch selbst an einem Schreibtisch sitzen, um den „Laden“ zu führen, jedenfalls in den ersten paar Jahren oder Jahrzehnten ihres „Erwerbslebens“ in der so genannten Wirtschaft.

    Damit haben wir die beiden Fragen „Wo geht dieser Reichtum hin“ und „wem gehört all das, was diesen reichtum hervorbringt“ hinreichend beantwortet. Die Folge davon ist, daß die anderen unterhalb der Vermögenden immer weniger erhalten, den sie werden immer weniger gebraucht oder sind auch völlig „überflüssig“ geworden, jedenfalls was ihren platz in der „Wirtschaft“ anbelangt.

    Und damit sind wir bei der dritten Frage, der nach dem Erschaffer des Reichtums, der der Erde „entzogen“ wird, mit guten oder auch weniger guten Konsequenzen für diese Erde und all dem, was darauf so „herumsteht, liegt oder kriecht“:

    Der Reuichtum wird nicht wehr wirklich maßgeblich von der „Mittelschicht“ erarbeitet, Herr Doktor! Die Zeiten sind bereits abgelaufen und wir stehen noch am Anfang dieser Entwicklung.

    Der Reichtum wird vom modernen Sklaven hergestellt, geschuldet dem Erfindergeist und der Tatkraft von Menschen in der Vergangenheit. Und das setzt sich auch in Zukunft fort und potenziert sich!

    Der moderne Sklave ist die (hoch)komplexe Maschine mit „Elektronenhirn“ und das High-Tech-Verfahren, mit dem massenweise hergestellt werden kann, in bester Qualität. Hierunter fallen also auch solche Begriffe wie Roboter und Computer, denn das sind hochkomplexe und ausgesprochen produktive, in der Regel auch sehr sichere Maschinen.

    Das ist der moderne Sklave, der den überwiegenden reichtum der Gesellschaft herstellt. Die Folge dessen ist, daß der Mensch zunehmend überflüssig wird, jedenfalls was all die Handgriffe anbelangt, die der moderne Sklave drauf hat. Menschen werden also abgelöst udn FREIGESETZT. Sie werden massenhaft nicht mehr gebraucht und es gibt KEINEN einzigen Sektor in der Gesellschaft, der diese Massen auch nur annähernd aufnehmen könnte, um ihnen wieder (dann wohl eine eher minder sinnvolle) „Arbeit“ zu geben, damit Mensch in Verbindung mit dieser Arbeit wieder zu einem Einkommen kommen darf. Denn das hat er auch verloren, als Kollege Maschine seinen Platz einnahm.

    Das ist die Situation. Und da kommt die geniale Lösung zu recht, die da heißt: Dann trennen wir die Kopplung von Arbeit und Einkommen eben! HEUTE, in dieser Lage macht sie nänmlich kaum noch Sinn, jedenfalls bei immer mehr Menschen, die mittlerweile in die ABERMILLIONEN auf Planet Erde gehen.

    Die Reichen und Superreichen, denen prinzipiell alles gehört, was produziert, also die ganzen Anlagen und Produktionshallen udn transportmittel etc., denen ist es in ihrer Dummheit größtenteils egal, was aus den freigesetzten Massen wird. Die überlassen es dem ebenso dämlichen Staat, diese Massen mit Hilfe von HartzIV-Ämtern unter Kontrolle zu halten, damit sie nicht revoltieren. Das Dumme ist nur: Gerade diese Situation ist es, die Revolte mit sich bringen wird, früher oder später.

    Es gibt aber auch Weitsichtige unter den Superreichen, die das erkannt haben: Die einen gehören zu den wahren Teufeln, andere zur gegenseite. Erstere würden wenn sie könnten (vielleicht können sie ja) all die überflüssigen menschenmassen auf große Schiffe verladen lassen, um sie auf offener See zu versenken. Letztere lösen das Problem, wie es ethische Leute tun würden: Sie sagen: Nun, wenn Ihr nicht mehr hier gebraucht werdet, dann muß ich Euch entlassen aus der Wirtschaft, ABER da auch Ihr anständig leben wollt udn sollt, bekommt Ihr trotzdem weiterhin soviel Geld ohne Gegenleistung, wie Ihr für eine menschenwürdige Existenz braucht, nicht mehr aber auch nicht weniger.

    DAS ist das bedingungslose Grundeinkommen, herr Doktor! Das ist die ganze Idee davon und es ist so völlig irrelevant, welche weiteren Ziele der eine oder andere im menschengeschlecht noch damit verbinden möchte, einschließlich eines Götz Werners!!!

    Sehen Sie, ich kann auch Ihnen ein Haus verkaufen, welches Sie mögen und brauchen, dennoch kann ich neben diesem ethischen Zweck (Sie kommen zum guten Haus, auch noch zu einem guten Preis) noch weitere Ziele verfolgen, die SIE nicht berühren. Beispielsweise wollte ich das Haus unbedingt loswerden, weil es mir sonst weggepfändet wird. Oder ich mache einfach nur meine gute Kohle damit und werde reicher! Na und? Das stellt nicht infrage, daß Sie rechtmäßig zum guten haus gekommen sind, nicht wahr?! Oder fragen Sie jeden, der Ihnen etwas verkauft hat, was er dann mit diesem Geld macht und welche Zwecke er noch verfolgt, als er Ihnen dies oder jenes verkauft hat.

    Es interessiert den einfachen menschen nicht die Bohne, was der Superreiche macht und wieviel er an einem einzigen tag an Geld macht usw. Es sollte ihn auch nicht interessieren. Es wird erst dann interessant, wenn BEWEISE oder begründeter Verdacht besteht, daß schlechte Dinge getrieben werden.

    Wenn ich eine ordentliches, zwangfreies Leben leben kann, auch wenn ich nur 1.000 Euro im Monat dafür zur verfügung habe, dann kann mir es WEITERHIN völlig Wurscht sein, was Superreiche gerade verdienen. Ich weiß sogar, daß all dieser gigantische MATERIELLE Reichtum denen sowieso kaum wird helfen können, das eigene Selbst in einem guten Zustand zu versetzen und dort zu halten. Ganz im Gegenteil: Ein derartiges Hinabsinken ins Materielle wird dem (Super-) Reichen auch seine größte Hölle sein oder werden. Aus genau dem Grunde sehen wir zuweilen (hochintelligente) Superreiche, die ganz normal daherkommen, die kaum Wert auf Äußerliches legen, nur dort, wo es aus geschäftlichen Gründen angemessen erscheint. Die leben ein einfaches Leben, jedenfalls versuchen sie das. Trotz aller Millionen oder gar Milliarden auf dem Konto oder als materielle Anlagegüter, in Aktienfonts etc.

    ………

    Letzte Frage, wo auch Sie bei der Antwort versagen: s. 2. Fortsetzung

  5. Jörg Tippmann

    2. Fortsetzung
    ………

    Letzte Frage, die hier wichtig ist: Wer soll das ganze bezahlen, dieses bedingungslose Grundeinkommen für unzählige Millionen (eigentlich Milliarden)?

    Das „Wer“ ist bereits falsch angesichts oben dargelegter Fakten! Damit ist es auch falsch, als Mittelstandsvertreter („Mittelklässler“, jedenfalls was seinen Horizont anbelangt) herumzuheulen von wegen: „Das werden wieder alles wir bezahlen müssen“!

    Unsinn!

    Die Formel ist völlig einfach: das Grundeinkommen kommt sozusagen aus der Fabrik genannt „Wirtschaft“ selbst! Die Waren werden dort produziert von Sklave Maschine, damit Menschen sie konsumieren können. Nun, das Grundeinkommen ist nichts anderes als die Aufspaltung der Warenströme aus der Fabrik heraus in

    a) „nicht zum Grundeinkommen bestimmt“ und

    b) „zum Grundeinkommen bestimmt“!

    Der Warenstrom „b“ IST das Grundeinkommen, das BGE! Er wird veranlaßt durch einen gesellschaftlichen Konsens, der in der so genannten Demokratie im Parlament „verbrieft und versiegelt“ wird. In einer geistreichen Gesellschaft kommt es dort zu einem Gesetz, das diesen fürs BGE „abgezweigten Warenstrom“ (b) durch eine entsprechende Besteuerung der „Wirtschaft“ ermöglicht und „erzwingt“. Die Wirtschaft (die prinzipiell der vermögenden Oberschicht gehört) wird dazu gesetzlich verpflichtet, sagen wir 50% aller (von weit überwiegend Maschinen) hervorgebrachten Produkte dem „Topf BGE“ zur Verfügung zu stellen. Da man nun in einer geistreichen Gesellschaft nicht wieder damit anfängt, daß sich Menschen ein bestimmtes Monatskontingent an Brot, Eier, Milch etc. an einem „Schalter“ abholen, macht man das auf eine Weise, wie sie bereits lange schon existiert: Man erhebt eine Steuer auf diese Waren, mit dem Warenwert als Bemessungsgrundlage. DAS ist die Umsatz- oder Mehrwertsteuer! Und da wir genial wie Götz Werner und viele andere sind, geben wir dem Kind einen unverfänglichen und sinnvollen Namen: KONSUMsteuer (nur Trottel können sich so einen Namen wie „Mehrwertsteuer“ eionfallen lassen).

    Der Staat nimmt also diese sagen wir 50% Konsumsteuer von der Wirtschaft ein und verteilt das somit erzielte Geld an alle Bürger des Staates, für jeden einzelnen mit einem Betrag von sagen wir 1.000 Euro pro Monat, auszuzahlen übers Finanzamt, als Überweisung aufs Konto, in wenigen Fällen bar an einem Schalter.

    Die anderen 50% des Gesamtwarenstroms einer „Volkswirtschaft“ (die gibt es nicht mehr, es gibt heutzutage stattdessen die „Menschheitswirtschaft“, geschuldet der „Globalisierung“, was eine zangsläufige Entwicklung ist udn auch eine sinnvolle, denn wer will hier wieder eine mauer errichten?!), die stehen weiterhin den Eigentümern der „Produktionsmittel“ (den Reichen, den Vermögenden!) zur Verfügung, damit sie die teuer oder auch weniger teuer an andere verkaufen können und auch sollen, nämlich an all die, die noch in Arbeit stehen und z. T. weit über dem BGE-Niveau hinaus verdienen. Das ist gut und richtig so und das angestammte Prinzip einer sinnvollen Gemeinschaft von Menschen.

    Prinziell ist die Finanzierung über eine Konsumsteuer (dafür fallen alle anderen Steuern und Abgaben weg, AUCH die Einkommensbesteuerung bei den mittelständlern, Herr Doktor!) nichts anderes als ein kostenloses Ausgeben der in der Wirtschaft hergestellten Waren (und auch Dienstleistungen) an all die, die ansonsten keinerlei Einkommen hätten,. um ihren grundlegenden Lebensunterhalt zu sichern. Es ist eine faktische Enteignung der Wirtschaftseigentümer, was LEDIGLICH die hervorgebrachte Ware anbelangt, nicht jedoch die Produktionsmittel. Die kann udn soll der „Kapitalist“ weiterhion behalten dürfen. Damit darf und soll er auch weiterhin seine Milliardengeschäfte machen können, nämlich mit den anderen (sagen wir) 50% vom Gesamtwarenstrom, der die Werke verläßt.

    Das BGE i. V. m. der Konsumbesteuerung ist eine Verstaatlichung der Wirtschaft zum genannten Prozentsatz (hier 50%, es können auch 40% sein, grad so viel, wie es zur Finanzierung aller staatlichen Leistungen notwendig ist, EINSCHLIESSLICH eines BGEs in akzeptabler Höhe für jeden Bürger des Staates), JEDOCH NUR WAS DIE HERVORGEBRACHTEN WAREN (UND DIENSTLEISTUNGEN) ANBETRIFFT!

    Nun, was könnten SIE, Herr Doktor, dagegen haben??! Wenn Sie etwas dagegen haben, dann sollten Sie sich nicht das Schild „ich bin Soziologe“ umhängen, wie Sie es tun.

    (Soziologie „erforscht … alle Aspekte des sozialen Zusammenlebens der Menschen in Gemeinschaften und Gesellschaften. Sie fragt nach Sinn und Strukturen des sozialen Handelns … sowie nach den die Handlungen regulierenden Werten und Normen. …“; Wikipedia u. a.).

    Mehr braucht es hier nicht an Entgegnnung und Aufklärung. Ich hoffe, Sie können meine Kritik an Ihrem Text verdauen und insbesondere was vernünftiges daraus lernen. Wenn nicht … andere können udn werden es schon, darauf können SIE sich verlassen! Und eines schönen Tages stehen Sie dann ziemlich bedeppert da, ziemlich allein auf weiter Flur. Zug verpaßt, trotz guter Chance.

    Ich hoffe, Ihnen bleibt solch Los erspart.

  6. Solange Sie die Ursache nicht im System selbst (und nicht nur in der daraus resultierenden Sachzwanglogik) suchen, sondern immer nur fragen, *wer* die Schuld trägt, werden Sie sich immer im Kreis drehen und das Problem niemals lösungsorientiert angehen, sondern eher ganz in den Bahnen erlernten und gewöhnten Denkens die Zwiespältigkeit fördern.
    Ein Fingerzeig auf die „bösen Kapitalhalter“ ist nicht mehr Wert als ein moralischer Appell. Die einzige für uns denkbare Alternative zum Nichtstun ist, den „Bösen“ etwas wegzunehmen. Das ist Unfug und führt nur zu Auseinandersetzungen von denen niemand profitieren wird!

    Wir müssen über kurz oder lang unsere Einkommensstruktur an eine arbeitsteilige Gesellschaft anpassen (heute kann eben in existenznotweniger und wirtschaftlicher Hinsicht niemand mehr für sich selbst verantwortlich sein)! Ein BGE ist hier ein vernünftiger und diskussionswürdiger Ansatz. Ansonsten haben wir als Gesellschaft auf Dauer keine Chance.

  7. Thomas Oberhäuser

    „Aber für die Mehrwertsteuer kommen vor allem die Ärmsten und die Mittelschicht auf, also jene, die den größten Teil ihrer Einkommen konsumieren.“ meint der Autor.

    Das Schönste am Leben ist doch, dem Konsum zu frönen. Dass das die Besserverdienenden, Wohlhabenden oder gar Reichen nicht machen würden, glauben sie doch selbst nicht. Die Mehrwertsteuer bietet die einmalige Möglichkeit, gezielt Produkte und Dienstleistungen mit einem unterschiedlichen Steuersatz zu belegen. Maserati, Burg und Zweitwohnung, mit von mir aus 25% Steueranteil und die existenzsichernden Güter, Grundnahrungsmittel, Kinderbedarf, einfache Kleidung mit vielleicht 7% Steueranteil. Das ist einfach genial. Hinzukommt, dass die Konsumsteuer, wie die Mehrwertsteuer bei Herrn Werner auch heißt, Schwarzarbeit unmöglich macht und die Steuerhinterziehung erschwert. Außerdem ist sie global gerechter, weil die Infrastrukturkosten des Inlandes nicht auf das Ausland mittels der Preise abgewälzt werden. – Fazit: Herrn Jenners Ansichten kann ich nicht zustimmen.

  8. Habe auf der Seite des Netzwerks Grundeinkommen ebenfalls geantwortet. Kurzform: Der Einsatz für ein BGE geht auch ohne größere Umverteilungsvorhaben, man verliert dann nicht seine Glaubwürdigkeit.
    Und das BGE wäre keiensfalls überflüssig bei gleichen Einkommen, da es um Freiheit, Würde und Sicherheit für jeden Einzelnen geht – auch Freiheit von Obrigkeiten, die einem Arbeit zu ihren Bedingungen zuteilen.