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Arbeitsbedingungen bei Amazon: Guntrams Schneiders Kritik ist scheinheilig

Quelle: http://www.nrw.de/landesregierung/kabinett/guntram-schneider.html

Bonn – Das Erwerbslosen Forum Deutschland bezeichnet die Kritik von NRW Arbeitsminister, Guntram Schneider an der Beschäftigungspraxis vom Internetgiganten Amazon als scheinheilig. In der vergangenen Woche hatte das Erwerbslosen Forum Deutschland Amazon als „Abzocker des Tages“(1) bezeichnet, nachdem Erwerbslose aus dem Kreis Unna der Initiative darüber berichteten, wonach Arbeitsagenturen und Jobcenter sie mit Sanktionsandrohungen dazu nötigten, einen Aushilfsjob mit einem zweiwöchigen unbezahlten Praktikum bei Amazon anzunehmen. Jetzt reagierte Schneider, indem er diese Praxis als einen „ungeheuerlichen Vorgang“ bezeichnete, sollte sich dieser Vorwurf bewahrheiten. „Diese Praxis geschah mit Wissen und dem Segen des NRW-Arbeitsministeriums und das ist ungeheuerlich“, so Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forum Deutschland.

„Die Praxis des Umsonst-Arbeiten muss endlich gestoppt werden. Es ist für Menschen entwürdigend, wenn sie sich erst einem Unternehmen beweisen müssen, während diese auf Kosten der Praktikanten riesen Gewinne einfahren. Man kann das als Abzocke auf allen Ebenen bezeichnen, die von den Arbeitsverwaltungen auch noch gefördert werden. Aber nicht nur Amazon profitiert so von dieser Praxis, sondern auch andere Unternehmen. Uns liegt aktuell eine Eingliederungsvereinbarung des Bonner Jobcenters vor, in der ein Erwerbsloser dazu verpflichtet wurde, in jeder Bewerbung ein unentgeltliches Praktikum anzubieten. Tut er das nicht, riskiert er Sanktionen, so Behrsing weiter

Amazon sucht begrenzt für das Weihnachtsgeschäft derzeit Hunderte von Arbeitskräften und lässt diese über die Arbeitsagentur und die Jobcenter rekrutieren. Dazu wurden in den vergangenen Wochen Erwerbslosen in Gruppen von bis zu 90 direkt in das Unternehmen nach Werne zu einer mehrstündigen Informationsveranstaltung eingeladen. Anwesend waren auch Mitarbeiter der Hartz IV-Behörden und der Arbeitsagentur. Die zukünftigen Amazon-Mitarbeiter bekamen den Job nicht direkt, sondern mussten zuvor zwei Wochen ihre Arbeitskraft umsonst als Praktikant anbieten. Wer das nicht mitmachen wollte, riskierte Sanktionen der Jobcenter. So berichtete ein Teilnehmer einer solchen Veranstaltung gegenüber dem Erwerbslosen Forum Deutschland, dass auf seine Nachfrage was denn sei, wenn man keine staatlichen Leistungen bekäme, damit beantwortet wurde, dass man dann von der ersten Stunde an normal bezahlt würde.

(1) http://www.elo-forum.net/topstory/2011103138283.html