„BILD“ bestätigt Telefonat von Wulff bei Chefredakteur Diekmann

Montag, 2. Januar 2012, 16:43
zeitungen_by_Jeger_pixelio.de

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Berlin – Die „BILD“-Zeitung hat in einer Vorabmeldung das Telefonat von Bundespräsident Christian Wulff beim Chefredakteur des Blattes, Kai Diekmann, bestätigt. In einigen Medien waren heute die telefonischen Kontakte zwischen Bundespräsident Christian Wulff und „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann zum Thema bekannt geworden. In einer Erklärung der Zeitung heißt es, „vor der Veröffentlichung der Recherchen zu seinem umstrittenen, privaten Hauskredit war Wulff Gelegenheit zu einer ausführlichen Stellungnahme gegeben worden. Eine solche Stellungnahme hatte der Bundespräsident auch am Montag, den 12. Dezember, zunächst abgeben lassen, dann aber kurz vor Redaktionsschluss wieder zurückgezogen.

Im Anschluss daran habe der Bundespräsident versucht, „BILD“-Chefredakteur Kai Diekmann direkt zu erreichen, der sich zu der Zeit auf einer Dienstreise befand. Als das nicht gelang, soll Wulff eine längere Nachricht auf der Handy-Mailbox des Chefredakteurs hinterlassen haben. Darin zeigte er sich empört über die Recherchen zu dem Hauskredit und drohte u.a. mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen BILD-Redakteur.

Zwei Tage nach der „Bild“-veröffentlichung zu dem Hauskredit suchte der Bundespräsident erneut den Kontakt zum „Bild“-Chefredakteur und bat in einem Telefonat persönlich um Entschuldigung für Ton und Inhalt seiner Äußerungen auf der Handy-Mailbox. „Bild“ hätte deshalb davon abgesehen, eigens über den Vorfall zu berichten. Jedoch hätte dies keinerlei Auswirkungen auf weiteren Recherchen, die sich u.a. im Zusammenhang mit dem Hauskredit stellten oder noch stellen könnten.

Dass mehrere Medien seit Monaten recherchierten, weil sie Hinweisen auf eine sehr spezielle Finanzierung des Einfamilienhauses von Christian und Bettina Wulff in Burgwedel nachgingen, wusste der Bundespräsident – immerhin hatte es einen Rechtsstreit durch alle Instanzen zur Einsicht für Journalisten ins entsprechende Blatt des Grundbuchamts gegeben. Aber dass ausgerechnet der Springer-Verlag, mit dem Wulff in Privatangelegenheiten bisher gut kooperiert hatte, die Story in seiner Abwesenheit auf den Markt bringen würde, hat ihn offenbar schockiert. Als “nicht besonders geschickt” bezeichnet jedenfalls jemand aus dem Umfeld des Staatsoberhaupts den “wutentbrannten Anruf” beim Chefredakteur der auflagenstärksten deutschen Tageszeitung.