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Gauck statt Wulff?

Joachim Gauck Foto: J. Patrick Fischer/wikipedia.org

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben? Eine Warnung für linke Diskussionsforen im Internet / Holdger Platta ©

Heute morgen bekam ich vom Mailing-Forum einer verdienstvollen linken Nichtregierungsorganisation die Überlegung ins Haus geschickt, daß es vielleicht sinnvoll sei, Joachim Gauck als Nachfolger für Christian Wulff ins Spiel zu bringen. Ich kann nur sagen: bloß das nicht!

Wir benötigen einen Bundespräsidenten, der bereit und in der Lage ist, vor allem auch Fürsprecher der Ärmsten der Armen in unserem Lande zu sein, der ALG-II-BezieherInnen also, der ArmutsrentnerInnen, der AufstockerInnen undsoweiter (sehr gerne übrigens könnte das auch eine Bundespräsidentin sein!). Und bringe deshalb in Erinnerung:

Joachim Gauck wäre ein solcher Bundespräsident nicht. Ganz im Gegenteil! Was Christian Wulff mit der Ausstrahlung eines ewigen Oberprimaners nicht zuwegebrächte, selbst wenn er es versuchte, das könnte Joachim Gauck, dem man ein gewisses Charisma nicht absprechen kann, bei vielen Menschen durchaus gelingen: die Bürgerinnen und Bürger davon zu ‚überzeugen’, daß Hartz-IV doch eigentlich eine prima Sache sei. Jedenfalls ist das Auffassung von Joachim Gauck! Hier einige Beispiele, mit welch pastoralen Segenssprüchen Gauck diese alltäglich praktizierte Menschenverachtung namens Hartz-IV versehen hat:

Bereits im Sommer des Jahres 2004 bezeichnete Joachim Gauck die Bürgerinnen und Bürger, die gegen das Menschenverelendungsgesetzeswerk Hartz-IV demonstrierten, als „töricht und geschichtsvergessen“ – allein deshalb, weil diese Menschen den Begriff der „Montagsdemonstrationen“ wiederaufleben ließen (Quelle: RP-Online vom 09.08.04). Ich meine: so spricht einer, der sich – ohne Mitleid den Arbeitslosen gegenüber – als Gefangener der eigenen Lebensgeschichte erweist.

Joachim Gauck hat die Sozialstaatsverpflichtung der Bundesrepublik gegenüber den Hilfsbedürftigen mit den Worten kritisiert: „Diese Reduzierung des Lebensglücks auf Wohlfahrt und Wohlstand halte ich nicht für kindlich, sondern für kindisch.“ (Quelle: Welt-Online vom 07.06.10, Hervorhebung durch Fettdruck: H.P.). Ich meine: mit solcher Eiseskälte spricht kein mitfühlender Mensch, sondern ein Mann, der sich offenkundig eher als Steißtrommler der Nation versteht.

Joachim Gauck hat die humanen Grundmotive der menschenwürdigen Existenzsicherung für alle Menschen in der Bundesrepublik mit dem Verdacht belegt: „Wir stellen uns nicht gerne die Frage, ob Solidarität und Fürsorglichkeit nicht auch dazu beitragen, uns erschlaffen zu lassen.“ (Quelle: Welt-Online vom 07.06.10). „Uns“? – Nun, ich meine: mit dieser wörtlichen Übernahme von Thesen aus den Propagandaschriften der Unternehmer-Organisation „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (siehe deren Broschüre: „Mehr Freiheit für Eigeninitiative“!) stellt sich Gauck auf die Seite der Sozialstaatsvernichter in diesem Land und liefert diesen Vorwände für noch bösartigere Kürzungen im Sozialbereich. Außerdem klingen auch in dieser Aussage von ihm die Töne einer Schwarzen Pädagogik durch.

Und schließlich: Joachim Gauck hat die Zerstörung unseres Sozialstaats mit den folgenden Worten gefeiert: „Als Gerhard Schröder einst die Frage aufwarf, wie viel Fürsorge sich das Land noch leisten kann, da ist er ein Risiko eingegangen. Solche Versuche mit Mut brauchen wir heute wieder.“ (Quelle: Die Welt vom 07.06.10, Hervorhebung durch Fettdruck: H.P). Das ist im Klartext ein Plädoyer für noch mehr Menschenverelendung in diesem Land. Und was hier „Mut“ genannt wird, ist in Wahrheit nichts anderes als Brutalität.

Ich meine: mit derartigen Äußerungen reiht sich Joachim Gauck ohne jede Einschränkung ein in die Front jener PolitikerInnen, die mit der Agenda 2010 zig Millionen von Menschen in bitterstes Elend gestürzt haben. Ich meine: er vertieft damit das Unglück und die Spaltung in der Bundesrepublik statt sich einzusetzen für die Ärmsten der Armen in unserem Land. Ich meine: so spricht nicht ein Pfarrer, der mit seiner Christlichkeit auf der Seite des Nächsten steht, sondern eher der Vertreter einer Theologie der Herzlosigkeit. Einem solchen Menschen – offenkundig heillos in sich selber verstrickt, in die eigene höchstpersönliche Lebensgeschichte – darf man das höchste Amt, das in der Bundesrepublik zu vergeben ist, nicht anvertrauen. Eine derartige Absage an Mitgefühl und Solidarität darf unser Land nicht repräsentieren – weder nach innen noch nach außen hin.

Der „Kandidaten der Herzen“, wie Gauck 2010 gern von den Medien bezeichnet worden ist, wäre nicht unbedingt ein Mann der Reichen,  – das also, was bei Christian Wulff in wachsendem Maße zutagetritt -, mit Sicherheit aber ein Mann, der etwas gegen die Ärmsten der Armen in diesem unserem Lande hat.

Unserem Land tut weder das eine noch das andere gut.