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Wie die TAZ am 12.01.12 versuchte, den Occupy-Aktionstag vom 15. 01.2012 schon mal im voraus aus der Welt zu kicken

Eine empörte Richtigstellung
von Maja Binder (Berlin)

Die Glaskugel-Schreibe des TAZ- Kolumnisten Martin Kaul zum Aktionstag am 15. Januar 2012 ist ein Parade-Beispiel für rechtskonservativen Zersetzungs-Journalismus. Angesichts eines sich weltweit zusammenfindenden Protests, der sich den Destruktionen des kapitalistischen Gesellschaftsskripts fundamental entgegenzustellen versucht, möchten etablierte Journalisten und ihre Stammmedien dieses Gespenst solcherart wegschaffen, indem sie es mithilfe vollständig frei
erfundener   „Fakten“ in vorauseilender Systemerhaltungsbeflissenheit
kurzerhand für beerdigt erklären.

Der für die TAZ arbeitende Martin Kaul schrieb eine Kolumne zum globalen
Occupy- Aktionstag am 15.01.2012. Diese erschien am 12.01.2012 – also gewiss bewusst in der letzten heißen Fase der Mobilisierung zu diesem Aktionstag. Und diese Kolumne beginnt so:

„Am Sonntag soll es so weit sein – wenn es nach der deutschen Occupy-Bewegung und den Aktivisten von Attac geht. Proteste in bis zu 30 deutschen Städten. Und in etlichen Städten rund um den Globus auch.
Angeblich. Wenn da dieser Fakt nicht wäre: Zwar gehen in Deutschland tatsächlich viele auf die Straße – doch hinter der Landesgrenze hat vom „globalen Aktionstag“ leider niemand etwas mitbekommen.“

Das ist nachweislich falsch. Vielmehr richtig ist:

Nicht nur in zahlreichen Städten Deutschlands wird seit Wochen für die Demonstration am globalen Aktikonstag 15.Januar aufgerufen und mit viel Kreativität dieser Tag vorbereitet, sondern ebenso in unzähligen weiteren Städten der Welt:

Weiter schreibt Herr Kaul:

„Der „Global Action Day“ am 15. Januar – er ist eine nationale Erfindung kollektiven Irrglaubens.“

Über Glaubensfragen lässt sich bekanntlich trefflich streiten, zumal sich der Glaube hier auf ein Event bezieht, das noch gar nicht stattgefunden hat, sondern (vom Tag der Veröffentlichung her betrachtet) erst in der Zukunft stattfinden wird. Daher glaubt Herr Kaul hier seinerseits nicht allein irr und wirr, sondern nachweislich bewusst falsch.
Denn vielmehr richtig ist, dass der globale Aktionstag keine nationale Erfindung ist, sondern wie oben gezeigt, sondern dazu in zahllosen Städten international aufgerufen wird:

Aus seinem eigenen Irrglauben schließt Herr Kaul sodann:

„… Proteste in bis zu 30 deutschen Städten. Und in etlichen Städten rund um den Globus auch. Angeblich. Wenn da dieser Fakt nicht wäre: Zwar gehen in Deutschland tatsächlich viele auf die Straße – doch hinter der Landesgrenze hat vom „globalen Aktionstag“ leider niemand etwas mitbekommen.“

Diese Aussage ist nachweislich zum Zeitpunkt des von Herr Kaul verfassten Beitrags falsch, da nachweislich zu diesem Zeitpunkt durch rein gar nichts zu belegen. Denn – bei Tageslicht – besehen – kann kein Mensch ein „Fakt“ eines erst in der Zukunft liegenden Ereignisses im Präsens behaupten. Aufgeblasen wird dieses Glaskugeldrehen über Griffe in die rhetorischen Trickkiste.

Weiter schreibt dieser Autor:

„…Zwar gibt es auch in den USA einen Aufruf zu einer Lichterkette.
Doch sonst ist am 15. Januar genauso viel los wie an jedem anderen Tag. “

Das ist nachweislich zum voraus nicht zu belegen und kann daher in einem seriösen Blatt nicht im Präsens als Tatsachenbehauptung stehen.

Ich würde es der TAZ als Gesamtblatt sehr empfehlen, diesen Satz wie auch die Kolumne insgesamt als klaren Beleg für unlauteren Journalismus zu brandmarken und die üblichen Konsequenzen für die weitere Zusammenarbeit mit Herrn Kaul daraus zu ziehen.

Aus den in keiner Weise belegten „Fakten“ zieht dieser TAZ- Autor dann weiter den angeblichen Schluss:

„…Und so ist es jene gern gelobte Schwarmintelligenz sozialer Netzwerke, die hier ein anschauliches Beispiel von Schwarmdoofheit ausdrückt. Weil alle das Gleiche glauben, fragt niemand, ob es stimmt. “

Selbstverständlich ist es jedem und jeder unbenommen, sich über die Intelligenz oder Nichtintelligenz von Schwärmen Gedanken zu machen. Was allerdings hier jeder journalistischen Ethik  entgegen steht: 1. aus offenkundig überhaupt nicht recherchierten  Dingen , somit schlicht frei Erlogenem,  angebliche Tatsachen für ein „anschauliches Beispiel“ zu destillieren; und 2. diese hallunzinierte  „Beispiel“  sich allenfalls erst anlässlich eines in der Zukunft liegenden Events beweisen ließe, wenn überhaupt.

Ein paar Zeilen weiter endet dann dieses journalistische Machwerk mit den absurden Worten:

„Demonstrieren wollen sie am Wochenende dennoch. Global – aber nur deutschlandweit.“

Mit dem Stilmittel übelster Vorab-Häme wird hier mitten in eine Mobilisierung hinein jensseits jeder Recherche ins Blaue hinein polemisiert. Anstelle einer ernsthaften und solidarischen intellektuellen Auseinadersetzung mit Occupy glaubt dieser Herr, sich an Occupy mal eben mit gröblichst schnell gezimmerten Wunschkonstrukten vergreifen zu dürfen. Damit outet sich hier Martin Kaul gleich hochkant selbst als klassischer  Zersetzer im Dienste – ob bewusst oder nicht spielt an dieser Stelle keine Rolle – des konservativen Systemerhalts:
Jedes nennensweerte Aufkeimen  einer  potentiellen Systemopposition muss schnell eingehegt werden – und sei es, dass man dieses beunruhigende Gespenst  durch komplett frei erfundene  „Fakts“ zu erledigen sucht.
Sollten diese sich hinterher gar im Sinne einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung „bewahrheiten“, glaubt der Journalist sich dann sicherlich nachträglich noch als großartiger Prophet brüsten zu dürfen. Viel mieser kann Journalismus nun wirklich nicht mehr sein.

Ich lege der TAZ nahe, sich als Gesamtblatt entschieden von dieser Art Journalismus zu distanzieren. Ansonsten wäre nun wohl der Beweis so gut wie erbracht, wo wir die TAZ künftig zu verorten haben: irendwo im rechtskonservativen Sumpf. Ich bin mir sicher, Occupy Berlin wird sich diese Lehre sehr gut merken. Und meinerseits möchte ich meine Empörung nicht beenden, ohne  darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass die Koch-
– äh  Rudi-Dutschke-Straße bekanntlich gleich mehrere Immobilien aufweist, die in unruhigen Zeiten gern aufgesucht werden, um sich dort öffentlich oder halböffentlich  laut zu assemblieren. Das würde dem aktuellen Namensgeber der Straße auch alle Ehre machen – bevor wir diese Straße nun eigentlich getrost wieder rückbenennen könnten. Denn ein Axel Springer steht solch‘ grauen Herren wie diesem Kolumnisten von der gegenwärtigen TAZ  mit Sicherheit näher als der sich einst mit frech-linksradikaler Zunge ins politische Tagesgeschäft werfende Rudi Dutschke.