Arbeitgeber darf Krankmeldung nicht mit Kündigung bestrafen

Freitag, 28. September 2007, 09:35

Erfurt (ddp.djn). Arbeitgeber dürfen auf die Krankmeldung eines Beschäftigten auch in der Probezeit nicht mit einer Kündigung reagieren. Das entschied das Landessozialgericht Thüringen in einem Verfahren, in dem es um die Gewährung von Prozesskostenhilfe für den klagenden Arbeitnehmer ging (Entscheidung vom 19. Juni 2007, AZ: 5 Ta 55/07).

Der Kläger hatte während der Probezeit einen schweren Verkehrsunfall erlitten. Die Krankmeldung übernahm die Schwester des Klägers. Am Telefon äußerte der Geschäftsführer des beklagten Unternehmens jedoch, dass er nur gesunde Mitarbeiter brauchen könne und jeder andere mit einer Kündigung rechnen müsse. Tatsächlich schickte der Arbeitgeber das Kündigungsschreiben noch am gleichen Tag ab.

Die Richter am Landesarbeitsgericht werteten dieses Vorgehen als «menschenverachtend». Es sei «nicht mit dem Anstandsgefühl billig und gerecht denkender Bürger» vereinbar, wenn selbst ein Verkehrsunfall vom Arbeitgeber als «Krankmachen» aufgefasst werde. Auch wenn für den Kläger in der Probezeit nicht das Kündigungsschutzgesetz gelte, sei er durch das Zivilrecht vor einer derart sittenwidrigen Kündigung geschützt. Wegen der guten Aussichten auf eine erfolgreiche Klage gewährten die Richter Prozesskostenhilfe und hoben damit die Entscheidung der Vorinstanz auf.